Thüringer Handwerkstag -

Büchsenmacher Mosaikstein des Erfolgs

Wenn Biathleten siegen, ist das auch Sandro Brislingers Verdienst. Er baut die Waffen des deutschen Teams.

Für unser Waffengenie, hat Olympiasieger Arnd Peiffer geschrieben. Laura Dahlmeier bedankt sich für die professionelle Tüftelei, die Liebe zum Detail und die coole Zusammenarbeit. Es sind zwei von vielen Autogrammkarten, die die Werkstatt von Sandro Brislinger zieren. Die Biathleten wissen: Seine Arbeit ist ein Garant für ihren Erfolg. Mit seiner Hilfe wollen sie aktuell auch bei der Weltmeisterschaft in Östersund (Schweden) überzeugen.

Seit beinahe einem Vierteljahrhundert ist Sandro Brislinger der Waffen- und Munitionstechniker der deutschen Biathlon-Nationalmannschaft. Ein einmaliger Job: „Es gibt 5.000 Biathleten weltweit. Für eine Waffenfirma lohnt es sich nicht, in diesem Bereich zu investieren“, sagt der Suhler. Zwar stellt die Firma Anschütz ein Standardgewehr her, doch im Weltcup-Zirkus braucht es mehr. Es wird per Handarbeit auf jeden Athleten angepasst, auf die Finger, die Armlänge, die Körpergröße.

Bis aus einem türkischen Walnussholzblock eine fertige Waffe wird, dauert es bis zu 120 Stunden. Am Ende muss es mindestens 3,5 Kilogramm schwer sein, das schreibt das Reglement vor. Sandro Brislinger schwört auf Holz, obwohl oder gerade weil er auch schon mit Karbon experimentiert hat. „Aber das verhält sich beim Schießen komisch“, sagt der 44-Jährige.

Dass er die Waffen der Biathleten baut und damit Teil des Sportsystems ist, verdankt er einem Zufall. 1991 entschloss er sich für eine Ausbildung als Büchsenmacher in Suhl. „Mein Vater war schon Büchsenmacher. Ich war handwerklich begabt und es ist ein interessanter Beruf“, sagt er. Nach der Lehre rief die Wehrpflicht. „Ich wollte nicht zur Armee und bin mit dem Ziel angetreten, nach zwölf Monaten wieder weg zu sein“, erinnert sich Sandro Brislinger.

Es kam anders. In der Kaserne am Grenzadler lernte er die Biathleten Sven Fischer, Mark Kirchner und Frank Luck kennen und schätzen. Gemeinsam tüftelten sie an den Waffen. Aus zwölf Monaten wurden vier Jahre, später eine Stelle als Berufssoldat. „Mir war wichtig, eine Perspektive zu haben und nicht wie ein Sportler von Jahr zu Jahr denken zu müssen“, sagt der Stabsfeldwebel. Angeboten aus dem Ausland hielt er in all den Jahren stand, trotz hohem Honorar. „Einen Beamtenstatus gibt man nicht leichtfertig auf“, sagt er.

Heute ist er Tüftler durch und durch. „Jeder Sportler möchte gut sein. Sie investieren viel in die Arbeit mit mir. Etwas Schöneres gibt es doch nicht“, sagt der 44-Jährige. Er arbeitet in erster Linie für den A-Kader, hin und wieder aber auch mit dem Nachwuchs. „Zwei bis drei talentierte Junioren kommen im Frühjahr zu mir“, sagt er. Überhaupt sind der April, Mai und Juni die Hochzeit für Sandro Brislinger. „Wenn die Athleten aus dem Urlaub kommen, geht die Arbeit los. So haben sie noch genug Zeit, um sich vor dem Saisonstart an ihr neues Gewehr zu gewöhnen“, sagt er. Erst wenn sie vollends mit ihrem Arbeitsgerät zufrieden sind, ist auch er zufrieden: „Sie sollen keine Kompromisse machen müssen, wenn sie hier raus gehen.“

Bis 2004 begleitete der Suhler die Biathleten um die Welt. Heute arbeitet er vorwiegend in seiner Werkstatt in der Oberhofer Kaserne. „Ich brauche meine Maschinen“, begründet er. Täglich blickt er auf die Autogrammkarten, auf denen Titel wie Olympiasieger und Weltmeister gedruckt sind. Ein Stück weit sind sie auch Sandro Brislingers Verdienst. „Das Material muss stimmen. Und die Waffe ist ein Mosaikstein“, sagt er.

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