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TV-Kritik: WDR - "Markt" zu Selbstbaumöbeln aus dem Baumarkt Möbel zum Selberbauen: Laien sind ohne den Handwerks-Profi aufgeschmissen

Von schwedischen Möbelhändlern ist man ja nichts anderes gewohnt, aber dass auch Baumärkte wie Obi oder Hornbach seit neuestem Möbel zum selber Zusammenbauen anbieten, rief „Markt“, das Verbrauchermagazin des WDR auf den Plan. Zwei Tester versuchten sich mit handwerklicher Unterstützung am Aufbau zweier Couchtische - und hatten die Hilfe auch dringend nötig, denn das Konzept scheint nicht vollends ausgereift.

Das hätte Ikea niemals gebracht, im Leben nicht. Mit nicht weniger als 256 Schrauben sollen die beiden Tester des WDR - Beschreibung aus dem Off: "Von Do-it-yourself keine Ahnung, wollen Sie es heute wissen" - 64 einzelne Holzlatten von Hornbach zu einem etwas extravaganten Couchtisch zusammenschrauben - genau wie es in der Anleitung steht. Ist man von den Schweden ein paar wenige Dübel und Schrauben gewohnt, mutet das hier schon wie eine Herkulesaufgabe an. Und obwohl der Baumarkt in der ihm eigenen Brachialsprache ("Du bist eher der DIY-Einsteiger? Schaffst Du! Kneifen is’ nicht.") ganz tief in die Motivationskiste greift, stellt sich schnell heraus: Die entscheidende Figur des Beitrags ist niemand anders als ein Handwerker: Peter Liczkowski, bekannt aus anderen WDR-Reihen als "Hausmeister Liczkowski" und beim WDR auch als Techniker tätig, übernimmt rasch die Regie.

Neues Geschäftsfeld für Baumärkte

Seit noch nicht allzu langer Zeit steigen Baumärkte wie Hornbach oder Obi in ein Geschäft ein, das bisher Möbel-Discountern vorbehalten zu sein schien: den Verkauf von Möbeln zum selber Aufbauen. Vermarktet werden die Tische, Stühle, Betten und was alles sonst noch natürlich nicht als einfach zusammenzudengelnde Pressspanmöbel, sondern mit dem gewissen handwerklichen Kick. Das spricht dann nicht nur Studenten auf dem Weg in die erste eigene Bude, sondern auch ambitionierte Hobby-Heimwerker an.

Saftiger Preis

Genau solche hatte sich der WDR allerdings nicht ausgesucht, und so fragten die beiden Tester bei Hornbach nach, ob es die vier Holzkisten, die als Basis für den Couchtisch dienen sollten, nicht auch schon fertig zusammengebaut gibt. Und tatsächlich: In einer Ecke des Baumarkts liegen sie. Spart nicht nur gefühlt mindestens 256 Schrauben, sondern auch einiges an Muskelkraft und Hirnschmalz. Aber ist das dann noch echtes Heimwerken? Die Stimme aus dem Off meldet zumindest Zweifel an: Hornbach glaube anscheinend selbst nicht an seinen Slogan "Mach es zu deinem Projekt", wenn die Kisten schon fertig angeboten würden. Da ist was dran.

Hausmeister-Handwerker Liczkowski bestätigt noch schnell, dass der Zusammenbau der Kisten langwierig gewesen wäre - und dann wird zugegriffen. Leider sind die fertigen Kisten größer als aus die Variante Eigenbau, sodass auch die weiteren Einzelteile, die im Baumarkt gemäß Anleitung einzeln zu kaufen sind, größer ausfallen müssen. Bedeutet: Die Tester hätten ohne Liczkowski schon jetzt keinen Plan mehr, was sie hätten kaufen sollen, und der Preis für die Einzelteile ohne Farbe zum Anstrich steigt von in der Anleitung angegebenen 90 auf 175 Euro - saftige Sache. Dann schaut man vergleichshalber bei Obi vorbei, auch hier soll es ein Couchtisch werden. Die Aufbauanleitung wirke übersichtlicher, heißt es, und der tatsächliche Preis stimmt mit 143 Euro auch mit dem angegebenen überein. Das stimmt den Tester, was den Aufbau angeht, direkt "optimistisch".

Der Profi lacht sich kaputt

In einer WDR-Werkstatt geht es ans Eingemachte, selbstverständlich wird das vorhandene Werkzeug von Liczkowski genutzt, das ansonsten auch noch zu Buche schlagen würde. Erst läuft der Aufbau gut, doch als es komplizierter wird, muss der Handwerker eingreifen. Immerhin, nach einer Stunde steht der Hornbach-Tisch - zur Erinnerung: der mit fertigen Kisten. Schlimmer wird es beim Obi-Produkt. Das lässt sich zu Beginn nicht richtig zusammenbauen. "Am Arsch", entfährt es der Testerin. Am Ende aber steht auch dieses Teil nach 90 Minuten, wie angegeben. Was jeweils noch fehlt ist die Farbe - ein Aufwand, der nicht zu unterschätzen ist, aber man will ja nicht zu viel verlangen. "Do-it-yourself ist nicht ganz so einfach, wie das von den Baumärkten dargestellt wird, denn man braucht doch ein gewisses handwerkliches Geschick und eine umfangreiche Ausstattung", resümiert Profi Liczkowski - und lacht sich schier kaputt, als er die "Königsklasse" der Selbstbau-Möbel begutachten soll.

Aus Japan nämlich kommen Luxus-Designermöbel, die angeblich auch jeder mal schnell zusammenschrauben kann, in diesem Fall ein Tisch. Doch schon die Werkzeugliste hat es in sich. Japansäge, Bohrmaschine, Forstnerbohrer, Holzbohrer, Handkreissäge mit Führungsschiene, empfehlenswert zudem ein mobiler Bohrständer, Klemmzwinge, Stichsäge - all das zählt nicht gerade zur Grundausstattung des deutschen Durchschnittshaushalts, in dem die Frage "Schatz, holst du mir mal bitte die Handkreissäge?" eher selten gestellt werden dürfte. Entsprechend klar ist das Urteil von Liczkowski: Er zeigt Laien die Rote Karte, was den Aufbau betrifft, zumal schon die Anleitung alleine 18 Euro kostet. "Der Tisch besteht fast nur aus Winkeln, da muss man absolut gerade schneiden, sonst wird dein Japantisch krumm", mahnt Liczkowski.

Hornbach wertiger, Obi günstiger, Ikea einfacher

Wir haben verstanden, und auch die Tester setzen sich zum Schluss des Beitrags noch mal mit dem Klassiker, einem gebrauchten Ikea-Tisch auseinander. Der soll auf Basis eines Vorschlags aus den sozialen Medien mit weiteren Elementen aufgehübscht werden. Diese praktisch veranlagten Schweden! Vier Körbe rein, vier Rollen dran, und schon schaut der Tisch ganz anders aus. Das ist aber letztlich auch nichts Neues, denn logischerweise baut Ikea sein Sortiment auch so auf, dass verschiedene Teile kombiniert werden können. Das Fazit des Beitrags fällt salomonisch aus: Hornbach wertiger, Obi günstiger, Ikea einfacher. Wie auch immer, es bleibt die Hoffnung, dass für den einen oder anderen Zuschauer insgeheim eine ganz andere Botschaft hängen blieb: Wenn du was Gescheites willst, geh am besten gleich zum Profi-Handwerker.

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