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Mobilitätsprogramm für Jugendliche Führerschein mit 15: Moped macht's möglich

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen können Mädchen und Jungen seit Mai schon mit 15 Jahren den Mopedführerschein erwerben. Das Modellprojekt stößt auf eine außergewöhnlich starke Resonanz.

Allein in Thüringen haben in den ersten drei Monaten fast 300 Jugendliche die Prüfungen absolviert. Das seien dreimal so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres, freut sich Landesverkehrsminister Christian Carius. Der CDU-Politiker hatte sich mit seinen Ministerkollegen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt für das Pilotprojekt "Mopedführerschein mit 15 Jahren" starkgemacht. Auch dort schnellt die Nachfrage nach dem Mopedführerschein spürbar nach oben. In beiden Ländern wurden doppelt so viele Jugendliche geprüft wie im Vorjahr.

"Besonders im ländlichen Raum müssen Schüler und Auszubildende oft weite Wege zurücklegen. Unser Projekt ist ein zielgerichtetes Mobilitätsprogramm für Jugendliche auf dem Land", sagt Carius, dessen Anliegen auch vom Handwerk unterstützt wird. Stefan Lobenstein, Präsident des Thüringer Handwerkstages: "In einem Flächenland wie Thüringen müssen junge Menschen schon früh mobil sein, um zu Arbeit, Ausbildung und Schule zu kommen. Deshalb begrüßen wir den Führerschein mit 15 ausdrücklich."

Großer Zulauf auf dem Land

Wie erwartet ist in den ländlich geprägten Regionen der Zulauf an jungen Fahrschülern besonders groß. Allein im Saale-Orla-Kreis haben 80 Jugendliche den Mopelführerschein gemacht, im Eichsfeld 73 und im Altenburger Land 69. In den kreisfreien Städten Erfurt, Weimar und Jena waren es hingegen zusammen nur 20.

Mit der neuen Führerscheinverordnung wurde am 19. Januar die Fahrerlaubnisklasse AM eingeführt, die den bisherigen Klassen M und S entspricht. Damit dürfen Mopeds und drei- bis vierrädrige Kleinkraftfahrzeuge bis 45 km/h gefahren werden. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre. Wer jünger ist, darf höchstens Mofa fahren, aber nicht schneller als 25 km/h und auch niemand mitnehmen. Das gilt unter Teenagern eher als uncool.

Dank des Pilotprojektes in Mitteldeutschland können Jugendliche dort nun schon mit 15 Jahren flotter fahren und dabei auch gleich die Freundin oder den Freund mitnehmen. Anders als beim "begleiteten Autofahren mit 17" muss beim Mopedfahren kein Erwachsener dabei sein, was die Sache für die Jugendlichen fraglos attraktiver macht.

Prüfung in Theorie und Praxis

Thüringens Verkehrsminister Carius glaubt zudem, dass eine gute Ausbildung und frühzeitige Praxiserfahrung die Verkehrssicherheit von Fahranfängern erhöhen kann. Die Fahrschüler müssen mindestens 14 Doppelstunden Theorie pauken und Fahrstunden absolvieren. Abschließend ist neben der theoretischen auch eine praktische Prüfung von 45 Minuten vorgeschrieben. Das sind deutlich höhere Anforderungen als sie etwa für den Mofaführerschein verlangt werden. Sachsen bezuschusst die jungen Mopedfahrer zudem mit 24 Euro, wenn sie nach erfolgreicher Prüfung noch ein dreistündiges Sicherheitstraining absolvieren.

Kritiker befürchten allerdings das Gegenteil und verweisen gern auf Österreich, wo es nach der Absenkung der Altersgrenze für Mopedfahrer auf 15 deutlich mehr Unfälle gab. Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, prophezeit für das neue Projekt das Gleiche: "Wir gehen davon aus, dass die Unfallzahlen steigen werden." Denn viele 15-Jährige seien aufgrund ihres Entwicklungsstandes bei der Nutzung schnellerer Motorfahrzeuge äußerst risikofreudig.

Projekt läuft bis 2018

Vor 1989 durften Jugendliche in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen schon einmal mit 15 Jahren Mopeds fahren. Zu DDR-Zeiten war sogar eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h erlaubt, ohne dass die Jugendlichen übermäßig häufig als Unfallverursacher aufgefallen wären. Das heutige Pilotprojekt läuft bis 2018 und wird wissenschaftlich vom Bundesamt für Straßenwesen begleitet. Danach soll entschieden werden, ob der "Mopedführerschein mit 15 Jahren" auf alle Bundesländer ausgedehnt wird.

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