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Gefährdungsbeurteilung Mobile Arbeit: Hohe Belastung, hohe Zufriedenheit

Die Mehrzahl der Berufstätigen in Deutschland arbeitet nicht mehr an einem fixen Arbeitsplatz. Über die Hälfte wechselt zwischen Büro, Baustelle, Werkstatt, viele arbeiten aber auch gleich im Zug oder von zu Hause aus. Das macht flexibel, stellt aber auch ganz neue Anforderungen. Eine Studie zeigt, welche.

Beschäftigte, die ausschließlich oder vornehmlich an einem einzigen, fixen Platz arbeiten, sind in Deutschland in der Minderheit. Das zeigt die Studie “Mobiles Arbeiten“, die jüngst auf der Messe Personal2016 Süd präsentiert wurde.

Nicht mehr nur Bauhandwerker arbeiten an häufig wechselnden Orten. Auch für klassische Büroarbeiter wird es immer normaler, heute hier und morgen dort ihren Arbeitsplatz aufzuschlagen. Das bestätigen knapp 680 Unternehmensvertreter, die im Auftrag von spring Messe Management GmbH durch die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin), die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) sowie durch das Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie (bao GmbH) im März und April 2016 befragt wurden.

Befragt wurden Mitarbeiter aus knapp 680 Unternehmen aller Größenordnungen. Bei der Auswahl der Betriebe orientierten sich die Macher der Studie an den Vorgaben des Statistischen Bundesamts. Entsprechend der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008) des Statistischen Bundesamtes (Statistisches Bundesamt, 2008) stammten die meisten befragten Betriebe aus dem Zweig "Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ (33,7 Prozent), "Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen oder technischen Dienstleistungen“ (16,2 Prozent), "Information und Kommunikation“ (13,5 Prozent), "Verarbeitendes Gewerbe“ (12,0 Prozent) und "Handel sowie Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ (6,4 Prozent); die restlichen Zweige waren mit weniger als 5,0 Prozent vertreten.

Anzahl der Mitarbeiter Anzahl der Befragten Unternehmen Anteil in Prozente
≤ 9 107 16
10 - 49 102 16
50 - 499 184 28
500 - 2999 134 20
≥ 3000 131 20

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten dieser Betriebe sind vorwiegend oder sogar ausschließlich mobil an wechselnden Arbeitsplätzen tätig.

Die Mehrzahl, nämlich 29 Prozent, gehen innerhalb und außerhalb des Unternehmens an wechselnden Arbeitsplätzen der mobilen Tätigkeit nach. Nicht einmal mehr die Hälfte der Mitarbeiter hat noch vorwiegend oder ausschließlich einen stationären Arbeitsplatz (46 Prozent). 

Mobile Arbeit hat deutliche Vorteile

Die Vorteile der mobilen Arbeit sind deutlich: Mobile Worker profitieren nach den Ergebnissen der Studie von der Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit.

Vor allem die Gestaltung der Arbeitszeit bringt nach Einschätzung der Befragten deutliche Vorteile (34 Prozent besser, 19 Prozent viel besser), gefolgt von den Tätigkeiten und den Arbeitsaufgaben.

Nur 12 Prozent der Teilnehmer beurteilen die Gestaltung der Arbeitszeit bei digitalisierter Mobilarbeit schlechter oder viel schlechter.

Gefährdungsbeurteilung: Fehlanzeige!

Ein großes Manko der mobilen Arbeit ist allerdings der Arbeitsschutz. Drei Viertel der befragten Betriebe führen eine Gefährdungsbeurteilung gar nicht oder nur teilweise für die mobilen Arbeitsplätze durch. Nur 20 Prozent der Befragten erfüllen die Anforderungen, was die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belatungen angeht.

Laut Arbeitsschutzgesetz § 5 gehört zu einer Gefährdungsbeurteilung auch die Erfassung der psychischen Belastungen. Vielen Unternehmern ist aber nicht klar, wie man das überhaupt macht. Hilfe hierzu bietet der IAG Report “Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen - Tipps zum Einstieg“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Hier bekommen Unternehmer konkrete Tipps und einen Leitfaden, wie sie psychische Belastungen ermitteln können.

Harte Anforderungen an weiche Komptenzen

Mobiles Arbeiten stellt nach Angaben von mehr als der Hälfte der Befragten (52 Prozent) höhere oder viel höhere Anforderungen an die Schlüsselkompetenzen der Beschäftigten, vor allem an die Selbstkompetenzen.  
  • Selbstständigkeit
  • Flexibilität
  • Kreativität
  • Verantwortungsbereitschaft
  • Leistungsbereitschaft
  • Zuverlässigkeit
Diese Eigenschaften hielten mehr als drei Viertel der Befragten für unerlässlich. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer (58 Prozent) beobachten, dass Arbeitnehmer auch bessere kommunikative Kompetenzen brauchen:
  • schriftliche und mündliche Ausdrucksfähigkeit
  • Diskussionsfähigkeit
  • partnerorientierte Kommunikation
Jeder zweite Befragte (49 Prozent) sieht höhere oder viel höhere Anforderungen an soziale Kompetenzen:
  • Konfliktfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Einfühlungsvermögen
  • Durchsetzungsvermögen
  • Führungsqualitäten
  • Kundenorientierung

Mobile Arbeiter zufriedener und leistungsstärker

Durch die mobilen Arbeitsformen haben sich sowohl die Arbeitszufriedenheit und Arbeitsleistung, als auch die Arbeitsqualität der Beschäftigten positiv entwickelt. Besonders großen Einfluss hat das mobile Arbeiten auf die Arbeitszufriedenheit, wie 67 Prozent der Befragten bestätigten.

Mehr als die Hälfte der Befragten beobachtet eine bessere Arbeitsleistung der mobilen Arbeiter.  

Der Abschlussbericht zur Studie erscheint Anfang Juni 2016 unter Zukunft Personal Blog. dhz

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