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Betriebliche Altersvorsorge Altersvorsorge: So hilft sie Mitarbeiter zu binden

Betriebliche Altersvorsorge: Gesetzliche Pflicht, aber auch Motivation für Fachkräfte, im Unternehmen zu bleiben.

Für Handwerksbetriebe wird es immer schwieriger, Fachkräfte zu finden und im Betrieb zu halten. Im schärfer werdenden Wettbewerb um Fachkräfte bekommen unzufriedene Mitarbeiter bei entsprechender Qualifikation die Angebote der Konkurrenz praktisch auf dem Silbertablett präsentiert.

Neben einem wettbewerbsfähigen Gehalt und einem guten Betriebsklima kann auch die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ein wirksames Mittel sein, um Mitarbeiter zum Bleiben zu motivieren. Das ist nicht nur für Mitarbeiter von Großunternehmen ein Thema, sondern auch in mittelständischen und kleinen Betrieben. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Aon Hewitt gaben in Betrieben mit zwei bis zehn Mitarbeitern gut 37 Prozent der Beschäftigten an, dass sie die Unterstützung des Arbeitgebers bei der betrieblichen Altersvorsorge als Sozialleistung sehr schätzen würden. In größeren Betrieben bis 50 Mitarbeiter äußerten sich sogar sechs von zehn Beschäftigten dahingehend positiv.

Zum Bleiben motivieren

Mit der Erfüllung des Wunschs nach einer bAV können Arbeitgeber nicht nur bei ihren Mitarbeitern Pluspunkte sammeln, sondern sie erfüllen zunächst einmal ihre gesetzliche Pflicht. Jeder Arbeitnehmer hat nämlich das Recht auf Betriebsrente, wenn er dabei einen Teil von seinem Gehalt in Beitragszahlungen umwandelt. Bei Verträgen, die ab Januar 2019 abgeschlossen worden sind, verpflichtet das Betriebsrentenstärkungsgesetz den Arbeitgeber sogar dazu, bei einer Entgeltumwandlung die Einzahlungen mit 15 Prozent zu bezuschussen, um die eingesparten Sozialabgaben auszugleichen. Ab 2022 gilt dies auch für bestehende Gehaltsumwandlungen.

Zusätzlich zum Pflichtprogramm können Handwerksbetriebe ihren Mitarbeitern auch anbieten, die bAV ganz oder teilweise zu übernehmen. Bei dieser freiwilligen Leistung entsteht ein zusätzlicher Bindungseffekt: Wenn der Mitarbeiter kündigt, darf der Betrieb die arbeitgeberfinanzierten Vorsorgeleistungen der letzten drei Jahre einbehalten.

Zusätzliche Anreize hat der Gesetzgeber bei der jüngsten Betriebsrentenreform mit dem Zuschuss für Arbeitnehmer mit einem Brutto-Monatseinkommen bis zu 2.200 Euro geschaffen. Wer für Mitarbeiter innerhalb dieser Verdienstgrenze zwischen 240 und 480 Euro pro Jahr in eine arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge einzahlt, erhält 30 Prozent davon als Förderung vom Finanzamt.

Der Förderbetrag kann entweder direkt von der Lohnsteuer des Arbeitnehmers abgezogen werden oder wird auf Antrag vom Finanzamt ausgezahlt. Besonders interessant ist das Fördermodell sowohl bei der Altersvorsorge für Azubis und Teilzeitkräfte als auch für die Bindung junger Mitarbeiter direkt nach der Ausbildung.

Aufwand möglichst klein halten

Gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen ist es wichtig, dass die bAV möglichst geringe finanzielle Risiken und keinen allzu großen Papierkrieg verursacht. "Arbeitgeber sollten einen Weg wählen, der wenig Verwaltungsaufwand nach sich zieht", empfiehlt Sascha Holstein, Experte für betriebliche Altersvorsorge bei der Versicherungsgruppe Continentale.

Als risikoarmes und einfach zu handhabendes Vorsorgeprodukt hat sich die Direktversicherung bewährt. Hierbei handelt es sich um eine private Rentenversicherung, die das Kapital ihrer Kunden vorrangig in sichere Anlageformen wie Anleihen oder Immobilien investiert. Weil Versicherungen im Insolvenzfall über die Protektor-Auffangeinrichtung abgesichert sind, müssen Betriebe anders als bei Pensionsfonds oder der eigenfinanzierten Versorgungszusage für ihre Versicherungsbeiträge keine eigenen Zahlungen an den Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) leisten.

Auch beim buchhalterischen Aufwand bietet die Auslagerung der betrieblichen Altersvorsorge an einen externen Finanzdienstleister Vorteile. Wenn die Beiträge in eine Direktversicherung oder Pensionskasse eingezahlt werden, muss der Betrieb keine bilanziellen Pensionsrückstellungen bilden, sondern kann die Zahlungen ganz unkompliziert als Betriebskosten verbuchen – ein nicht zu unterschätzendes Argument gerade für kleinere Unternehmen, die ihre Buchhaltung so einfach wie möglich gestalten wollen.

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