Stuttgart -

Betriebsbesuche „Mitarbeiterempfehlung ist eine sehr nachhaltige Strategie“

Wie finden und halten Handwerksbetriebe Mitarbeiter? – Das ist die zentrale Frage der Personaloffensive Handwerk 2025. Eine Delegation unter der Leitung von Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, besuchte zusammen mit der Kreishandwerkerschaft Böblingen drei Handwerksbetriebe, die das Thema Personal erfolgreich umgesetzt haben.

Die Binder Optik GmbH, die Helmut Baur mit seiner Frau 1975 in Böblingen gegründet hat, gehört zu den zehn größten Optiker-Filialisten in Deutschland. „Der Erfolg steht und fällt mit den Mitarbeitern. Die Abwerbung aus der Industrie ist sehr groß, deswegen ist für uns die richtige Personalstrategie überlebenswichtig“, fasst es Geschäftsführer Dominic Baur zusammen.

Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen versucht das Unternehmen, Mitarbeiter zu halten und Nachwuchs auszubilden. Sabine le Plat, verantwortlich für den Bereich Personal, hat zusammen mit dem Juniorchef ein Maßnahmenpaket geschnürt, um sich als Arbeitgeber von anderen abzuheben: Das geht von nachvollziehbaren Gehaltsstrukturen über Entwicklungs- und Karriereplänen für Mitarbeiter bis zu einer Reihe von Arbeitgeber-Sonderleistungen und Programmen. „Zufriedene und loyale Mitarbeiter bleiben und sie sind Botschafter nach außen“, so le Plat.

Christian Hanisch ist stolz darauf, dass es in seinem Dachdeckerbetrieb Arlt & Hanisch GmbH mit Sitz in Sindelfingen seit fünf Jahren keine Mitarbeiterfluktuation gibt. Der Teamgedanke ist ihm besonders wichtig: „Die Motivation zu arbeiten ist bei uns sehr hoch. Das erkennt man auch am niedrigen Krankenstand. Wir fühlen uns als eine große Familie und der direkte Kontakt zu meinen Mitarbeitern ist mir sehr wichtig.“

Verschiedene Programme, wie eine Gesundheitsprämie, gemeinsame Fitness-Kurse oder Arbeitszeiten, die auch besondere Situationen berücksichtigen, schätzen seine Mitarbeiter. Als Bonus bietet er seinen Azubis seit neustem einen Geschäftswagen an, den sie auch in ihrer Freizeit nutzen können.

Mit der Krise 2008 kam für den ­geschäftsführenden Gesellschafter Klaus Finger der Elektro Breitling GmbH das Umdenken: Aufgrund des Unternehmenswachstums war es wichtig, dass sich jemand ausschließlich mit Personalthemen beschäftigt. „Das Schaffen dieser Personalstelle hat sich mehr als aus­gezahlt. Eigene, motivierte Mitarbeiter haben uns zu dem gemacht, was wir sind“, beurteilt Finger seine damalige Entscheidung.

Seit nunmehr acht Jahren kümmert sich Geschäftsführer Jörg Veit ausschließlich um den Personalbereich. „Wenn Mitarbeiter Probleme haben, nehme ich mir Zeit für sie. Miteinander zu reden und gemeinsame Lösungswege zu entwickeln, ist ein wichtiges Instrument zur Mitarbeiterbindung.“ Auch Personalentwicklung spielt bei ihnen eine zentrale Rolle. „Man muss den Mitarbeitern zuhören, dann kann man sie weiterentwickeln“, so Klaus Finger.

Mit Wertschätzung zum Erfolg

Dabei geht es nicht immer nur in Richtung Führungsverantwortung, sondern auch vertikal Richtung Fach­experte. Nachwuchsprobleme hat der Elektrobetrieb nicht – das Empfehlungsmarketing durch die eigenen Mitarbeiter ist sehr nachhaltig. Für Thomas Hoefling sind diese drei Betriebe gute Beispiele, wie eine durchdachte Personalstrategie wirken kann: „Diese Strategie ist am Ende ein zentraler Faktor, um sich in einem hart umkämpften Markt erfolgreich zu positionieren.“

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