Unternehmensführung -

Vorsorgeleistung für Fachkräfte Mitarbeiterbindung: So halten Betriebe ihre Angestellten

Gute Arbeitskräfte sind schwer zu finden und noch schwerer zu halten. Selten bieten Wettbewerbsverbote wirksamen Schutz. Effizienter sind Maßnahmen, die Arbeitnehmer emotional binden. Wie in Betrieben Mitarbeiterbindung funktioniert.

In Zeiten des Fachkräftemangels sind gerade für mittelständische Betriebe Abgänge ein Problem – die Mitarbeiterbindung ist daher umso wichtiger. Sind Führungs- oder Schlüsselpositionen betroffen, droht ein enormer Kompetenz- und Leistungsverlust. Die Kosten für eine Neubesetzung können sechs bis 24 Monatsgehälter betragen. Durch geeignete Maßnahmen halten Betriebe aber ihre talentierten und leistungsfähigen Mitarbeiter.

Wettbewerbsverbote reichen nicht aus

Wettbewerbsklauseln in Arbeitsverträgen sollen verhindern, dass Mitarbeiter zu einem Wettbewerber wechseln und aktuelles Know-how oder Kontakte für den Konkurrenten einsetzen. Doch Wettbewerbsverbote sind streitanfällig und bieten allenfalls vorübergehenden Schutz.

Wirkungsvoller als Verbote sind attraktive Anreize zur Mitarbeiterbindung. Qualifizierte Kandidaten lassen sich nicht nur mit einem interessanten Aufgabenbereich und einem marktgerechten Gehalt finden und binden. Letztlich ausschlaggebend ist die emotionale Bindung an den Betrieb.

Wertschätzung gegenüber dem Mitarbeiter zahlt sich aus

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die emotionale Bindung zum Betrieb zu erhöhen: Viele Arbeitnehmer schätzen einen kooperativen Führungsstil, ein gutes Betriebsklima, fachliche Weiterbildungen oder Hilfen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gern gesehen sind auch Maßnahmen, die unerwartete Krisenfälle und das Leben nach der aktiven Zeit im Blick haben.

Tilman Hoerner

Die individuellen Wünsche der Mitarbeiter sind hingegen unterschiedlich und wandeln sich im Laufe der Zeit. Die Herausforderung besteht darin Lösungen zu finden, die für einen Großteil der Belegschaft dauerhaft attraktiv sind. Deshalb sind nachhaltige Vorsorgekonzepte ein zentraler Eckpfeiler für die Mitarbeiterbindung. Mit maßgeschneiderten Vorsorgemodellen übernehmen Betriebe soziale Verantwortung und kümmern sich langfristig um das Wohl ihrer Mitarbeiter. Im Gegenzug werden viele Arbeitnehmer solche Vorsorgeleistungen wertschätzen und nicht mehr missen wollen.

So gehen Betriebe richtig vor

Betriebe sollten rund 50 Prozent der Fluktuationskosten als Budget für die Mitarbeiterbindung bereitstellen und passende Maßnahmen entwickeln. In die Kalkulation fließen neben Ausgaben für Jobanzeigen, Auswahlverfahren, Umzugsübernahme und Einarbeitung auch Umsatzeinbußen und Überstunden von Kollegen ein.

Wer welche Leistungen erhält, orientiert sich an objektiven und transparenten Kriterien. Dazu zählen etwa die Höhe des Einkommens, der generierte Umsatz oder die Dauer der Betriebszugehörigkeit. Vorsorgekonzepte für die ganze Belegschaft sollten im Maßnahmenmix ebenso wenig fehlen. Besonders reizvoll: Je länger ein Mitarbeiter für die Firma tätig ist, desto höher ist der Vorsorgebeitrag.

Über den Autor: Tilman Hoerner ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Hoerner & Hoerner, das auf Fragen rund um die Vorsorge spezialisiert ist. Der Experte verfügt über mehr als 35 Jahre Berufserfahrung und gibt sein Know-how auch als Referent weiter. Seine Schwerpunkte sind die Themen Mitarbeiterbindung, Geschäftsführerversorgung und Ruhestandsplanung.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten