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Mitarbeitende Angehörige im Betrieb

In Handwerksbetrieben ist es keine Seltenheit: Der Ehepartner – selbst nicht Inhaber des Unternehmens – wird zum Angestellten. Der Grat zwischen dem Status als mitarbeitender Familienangehöriger und dem eines "echten" Angestellten ist jedoch schmal. In Hinblick auf Finanzamt und Sozialversicherung gibt es einiges zu beachten.

Gibt es Sonderregeln für mitarbeitende Angehörige im Betrieb?

Arbeiten Angehörige im Handwerksbetrieb mit, schaut das Finanzamt besonders genau hin. Denn zwischen dem Unternehmer und seinen angestellten Angehörigen eine Interessensgleichheit besteht, muss ausgeschlossen werden, dass das Arbeitsverhältnis nur auf dem Papier existiert, um Steuern zu sparen.

Deshalb prüft das Finanzamt Arbeitsverträge mit nahen Angehörigen anhand der folgenden drei Schritte auf deren steuerliche Wirksamkeit:

  • Das Arbeitsverhältnis muss ernsthaft vereinbart sein.
  • Bei Vertragsparteien – also der Unternehmer und sein angestellter Angehöriger – müssen die getroffenen Vereinbarungen einhalten.
  • Die Vereinbarungen müssen den Vereinbarungen zwischen einem Arbeitgeber und fremden Mitarbeitern entsprechen. Insbesondere bei der Höhe des Gehalts und bei der Anzahl der Urlaubstage darf es für die nahen Angehörigen keine Extrawurst geben.

Bei Ungereimtheiten kann es passieren, dass das Finanzamt das Arbeitsverhältnis als steuerlich unwirksam einstuft und die Kosten im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis nicht zum Abzug als Betriebsausgaben zulässt.

Wer gilt steuerlich als Angehöriger?

Wer als naher Angehöriger gilt, kann den Regelungen des § 15 Abgabenordnung entnommen werden. Danach gelten vor allem folgende Personen steuerlich als nahe Angehörige:

  • der Verlobte, auch im Sinne des Lebenspartnerschaftsgesetzes,
  • der Ehegatte oder Lebenspartner,
  • Verwandte und Verschwägerte gerader Linie,
  • Geschwister,
  • Kinder der Geschwister,
  • Ehegatten oder Lebenspartner der Geschwister und Geschwister der Ehegatten oder Lebenspartner,
  • Geschwister der Eltern,
  • Personen, die durch ein auf längere Dauer angelegtes Pflegeverhältnis mit häuslicher Gemeinschaft wie Eltern und Kind miteinander verbunden sind (Pflegeeltern und Pflegekinder).

Angehörige sind aufgeführten Personen auch dann, wenn

  • in den Fällen der Nummern 2, 3 und 6 die die Beziehung begründende Ehe oder Lebenspartnerschaft nicht mehr besteht;
  • in den Fällen der Nummern 3 bis 7 die Verwandtschaft oder Schwägerschaft durch Annahme als Kind erloschen ist;
  • im Fall der Nummer 8 die häusliche Gemeinschaft nicht mehr besteht, sofern die Personen weiterhin wie Eltern und Kind miteinander verbunden sind.

Ist ein Arbeitsvertrag zwingend erforderlich?

Ein Arbeitsvertrag ist zivilrechtlich zwar nicht vorgeschrieben, aus steuerlicher Sicht jedoch unbedingt empfehlenswert. Denn nur mit einem schriftlichen Arbeitsvertrag kann das Finanzamt nach seiner Drei-Schritt-Prüfung überprüfen, ob die steuerlichen Voraussetzungen für ein wirksames Arbeitsverhältnis erfüllt sind.

Finanzamt, Sozialversicherung und Berufsgenossenschaft – welche Formalien sind für mitarbeitende Angehörige zu erfüllen?

Stellt ein selbständiger Handwerker Angehörige in seinem Betrieb an, gibt es keine besonderen Formalien zu beachten. Es gilt der Grundsatz: Es sind die dieselben Aufzeichnungen zu führen wie bei fremden Mitarbeitern.

Einzige Besonderheit: Stellen Sie Ihren Ehegatten oder Ihre Kinder als Minijobber an und diese sind zusammen mit Ihnen privat krankenversichert, müssen Sie keine Pauschalabgabe für die Krankenversicherung an die Minijobzentrale bezahlen.

Gilt für mitarbeitende Angehörige der Mindestlohn?

Nicht nur steuerlich gilt, dass im Handwerksbetrieb angestellte Angehörige wie fremde Arbeitnehmer zu behandeln sind. Das gilt auch beim Mindestlohn. Deshalb gilt: Auch oder insbesondere für angestellte Angehörige muss also der Mindestlohn bezahlt werden.

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