Panorama -

Seilerei Prutz in Bad Schmiedeberg Mit Spielgeräten auf Erfolgskurs

"Wir haben unsere Nische gefunden und sind darin erfolgreich", sagt Thomas Albrecht mit einem Lächeln. Er hat allen Grund zur Freude. Sein Unternehmen, die Seilerei Prutz in Bad Schmiedeberg, blickt auf ihr 140-jähriges Betriebsjubiläum zurück und schreibt schwarze Zahlen.

Albrecht hat über die Zeitung zum Tag der offenen Tür eingeladen, weshalb ab 10 Uhr der Parkplatz voll ist und die Besucher in die Werkstätten strömen. Was sie dort zu sehen bekommen, hat nur noch wenig mit altem Handwerk zu tun. Im vergangenen Jahr erst hat die Seilerei ihr neues Firmengelände in der Lindenstraße bezogen und ist von 450 Quadratmeter auf 1.200 Quadratmeter expandiert. Seilermeister Markus Albrecht, der das Familienunternehmen weiterführen wird, zeigt an diesem Tag mit seinem Kollegen historisches Handwerk und dreht für die Besucher Springseile aus Hanf.

Auf Spielgeräte spezialisiert

Die Herstellung von Seilerwaren wie Wäscheleinen oder Bindfaden ist mittlerweile nur noch ein Randgeschäft. "Nach der Wende haben wir uns auf Spielgeräte spezialisiert und damit die richtige Lücke gefunden", sagt Thomas Albrecht. Das Machwerk der Seilerei Prutz geht bis in die Schweiz und kann im Kammerbezirk unter anderem auf einem Spielplatz an der Elbstraße in Lutherstadt Wittenberg erprobt werden. Zum Sortiment gehören Strickleitern, Klettertaue oder komplette Lösungen wie Kletterbrücke, Trapeze oder die Nestschaukel, die Dieter Herrmann gerade knüpft. Wie alle anderen Kollegen ist auch er Quereinsteiger und kommt ursprünglich aus der Landwirtschaft. Auch Thomas Albrecht und seine Frau Simone, geborene Prutz, sind als Berufsneulinge in die Firma eingestiegen.

Familienbetrieb in fünfter Generation

Thomas Albrecht absolvierte 1995 den Seilermeister, um das Unternehmen seines Schwiegervaters Bernhard Prutz 1999 zu übernehmen. Simone Albrecht arbeitete als Museologin im Schloss Hartenfels in Torgau, bis sie 2001 das Team verstärkte, um den Familienbetrieb zusammen mit ihrem Mann in nunmehr fünfter Generation fortzuführen. Ihr Mann und Sohn Markus sind die einzigen gelernten Seiler. Schon lange möchten sie ihr Wissen weitergeben und suchen einen geeigneten Auszubildenden, allerdings ohne Erfolg.

Auch Sebastian Röder ist als Seiten­einsteiger im Familienbetrieb angestellt. Der studierte Historiker wollte wieder zurück in die Heimat und hatte Glück, im Familienunternehmen seines Freundes aus Jugendzeiten angestellt zu werden. "Er ist mein Meister", sagt der 32-Jährige stolz über Markus Albrecht, der später das Familienunternehmen so erfolgreich weiterführen möchte, wie es seine Eltern bisher tun. Er hat seinen Meister 2014 in der Handwerkskammer München und Oberbayern absolviert und studiert im Fernstudium noch Betriebswirtschaftslehre. "Was mir an meinem Beruf gefällt, ist die Abwechslung und die immer wieder neuen Projekte", sagt Markus Albrecht.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten