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Weniger Unfälle und mehr Rechtssicherheit Mit Sicherheit gesund bleiben

Handwerker leben gefährlich. 2014 verunglückten in Deutschland gut 880.000 Menschen bei der Arbeit, davon rund ein Drittel aus dem Handwerk. Maßnahmen zu mehr Arbeitssicherheit schützen vor Unfällen, sie schützen aber auch den Chef vor massiven rechtlichen Konsequenzen. Folgende Tipps helfen, Arbeitssicherheit effizient umzusetzen.

Die Gefahr, auf einer Baustelle oder in einer Werkstatt zu verun­glücken, ist immer höher als an einem Schreibtisch. "Es ist unsere Pflicht unseren Mitarbeitern gegenüber, auf die Arbeitssicherheit zu achten", folgert Schreinermeister Thomas Moser aus dem badischen Haslach.

1981 hat Moser den elterlichen Betrieb übernommen. Damals hatte das Unternehmen noch fünf Mitarbeiter, heute zählt es fast 120 – und für jeden einzelnen ist der Chef verantwortlich, aus moralischen, aber auch aus rechtlichen Gründen.

Gesetz verlangt Fachkraft für Arbeitssicherheit

Das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) verlangt von allen Arbeitgebern, dass sie eine Fachkraft für Arbeitssicherheit und einen Betriebsarzt bestellen. Diese unterstützen sie bei der Gefährdungsbeurteilung, die für jeden Arbeitsplatz durchgeführt und schriftlich dokumentiert werden muss. Außerdem muss der Chef seinen Mitarbeitern regelmäßig Sicherheitsunterweisungen anbieten (§§ 2 bis 7 ASiG).

Thomas Moser hat sich entschieden, diese Aufgaben an den Arbeitssicherheitsexperten Guido Gebauer auszulagern. Doch nicht jeder Betrieb kann und will sich externe Kräfte leisten. Für sie gibt es die alternative Betreuung, genannt " Unternehmermodell ". Firmenchefs mit maximal 50 Mitarbeitern dürfen sich oder einen ihrer Mitarbeiter von der Berufsgenossenschaft (BG) schulen lassen und selbst dafür sorgen, dass der Betrieb alle Anforderungen an die Arbeitssicherheit erfüllt. Das "Portal Gefährdungsbeurteilung" erklärt, wie Unternehmer in diesem Fall vorgehen müssen.

Dokumentationspflichten ernst nehmen

Genau hier liegt der Knackpunkt. "Die meisten Unternehmer kennen die Gefahren und halten sich an die Sicherheitsregeln. Aber sie dokumentieren das nicht", beobachtet Andreas Keller, Leiter des Geschäftsbereichs Beratung der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.

Verletzt sich ein Mitarbeiter – ganz lassen sich Unfälle nie ausschließen –, kann sich die BG dann die entstandenen Kosten vom Unternehmer zurückholen. Schlimmer noch: Der Unternehmer kann wegen fahrlässiger Körperverletzung belangt werden, warnt Sicherheitsexperte Gebauer: "Bei schweren Unfällen fragt die Staatsanwaltschaft immer zuerst nach der Arbeitssicherheit. Ohne schriftliche Dokumentation kommt man vor dem Strafrecht nicht durch."

Gerade im ersten Durchgang ist die schriftliche Dokumentation aufwändig. Doch mit Hilfe kostenloser Formulare der Berufsgenossenschaften, die an die Besonderheiten des eigenen Betriebs angepasst werden können, lässt sich der Aufwand deutlich reduzieren.

Arbeitssicherheit rechnet sich auch betriebswirtschaftlich

Die Investitionen in Arbeitssicherheit rechnen sich, zeigt eine internationale Studie zum "Return on Prevention". Der finanzielle Nutzen aus geringeren Ausfallzeiten, motivierteren Mitarbeitern und einem besseren Image in der Öffentlichkeit übersteigt die Kosten.

Checkliste Gefährdungsbeurteilung und Sicherheitsunterweisung

Mit der Gefährdungsbeurteilung schätzt man das Risikopotenzial jedes einzelnen Arbeitsplatzes ein. In sieben Schritten sollen alle physischen und psychischen Gefährdungen ermittelt und beurteilt und so Unfall- oder Erkrankungsursachen frühzeitig beseitigt werden.

  1. Systemabgrenzung: Arbeitsbereiche, Tätigkeiten, Personen benennen
  2. Ist-Zustand: Gefährdungen ermitteln anhand von Checklisten, durch Begehungen und Analysen früherer Unfälle und Erkrankungen
  3. Bewertung: Schutzziele benennen anhand von Gesetzen und Anforderungen beispielsweise der BGen.
  4. Maßnahmen ableiten: Rangfolge beachten
  5. Maßnahmen umsetzen: Verantwortliche und Termine festlegen
  6. Wirksamkeit kontrollieren: Ist der Soll-Zustand erreicht?
  7. Aktualisieren: immer bei Änderungen und in regelmäßigen Abständen Gefährdungsbeurteilungen überarbeiten.

Die Sicherheitsunterweisungen oder Sicherheitsschulungen sollen Mitarbeiter für Gefährdungen an ihrem Arbeitsplatz sensibilisieren. Sie können als allgemeine oder als arbeitsplatzbezogene Unterweisung, aber auch als "Unterweisung aufgrund persönlichen Fehlverhaltens" durchgeführt werden.

Inhalte der Sicherheitsunterweisung sind:

  1. arbeitsplatzbezogene Gefährdungen
  2. Verhaltensregel
  3. Schutz- und Notfallmaßnahmen (einschließlich Brandschutz und persönliche Schutzausrüstung)
  4. Vorschriften und Regeln

Die Sicherheitsunterweisungen müssen mindestens einmal im Jahr wiederholt werden.

Bauarbeiter und Berufsanfänger am gefährdetsten

Die meisten Unfälle im Handwerk passieren am Bau. 13,3 Prozent aller Unfälle, die einen mehr als dreitägigen Ausfall des Verunglückten verursachten, ereigneten sich 2013 hier. Die Zahl der tödlichen Unfälle lag sogar bei 26,7 Prozent.

Die meisten Unfälle passieren nicht aus technischen, sondern aus organisatorischen Gründen: unrealistische Zeitplanungen, Betriebsblindheit oder schlechte Information sind die eigentlichen Auslöser. Am häufigsten verunglücken Berufsanfänger. Doch auch die 45- bis 49-Jährigen sind auffallend oft betroffen. Zur aktuellen Unfallstatistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).

Sechs Tipps für den Chef

  1. Chefsache: Arbeitsschutz ist Chefsache. Er muss sich kümmern und das richtige Verhalten vorleben.
  2. Mitarbeiter: Die Mitarbeiter wissen, was schiefläuft. Auf ihr Feedback sollte der Chef hören und sie immer weiter für das Thema sensibilisieren!
  3. Regelmäßigkeit: Arbeitsschutz ist nichts Einmaliges, er muss im Betrieb regelmäßig behandelt und überprüft werden.
  4. Externe: Gegen Betriebsblindheit helfen Rundgänge mit externen Fachkräften, beispielsweise von der BG.
  5. Zeit: Arbeitsschutz geht nicht nebenher, der Chef muss sich dafür Zeit nehmen. Dafür lernt er, den eigenen Betrieb immer mehr aus dem Blickwinkel der Sicherheit zu betrachten.
  6. Organisation: Arbeitsschutz betrifft alle betrieblichen Abläufe, von der Beschaffung, über die Produktion und Montage bis hin zum Verkauf.

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