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Mit „rePLANT“ auf die Großbaustelle

Eine neue Software erleichtert das Erstellen von Onlineangeboten bei digitalen Ausschreibungen

Über die Software „rePLANT“ des Förderprojekts „Maremba“ können ab diesem Jahr milliardenschwere Bauaufträge abgewickelt werden. Der Grund: Die öffentliche Hand schreibt künftig EU-weit nur noch digital aus. Ein Konsortium aus fünf Partnern entwickelt seit zwei Jahren die digitale Lösung, damit auch Handwerker und Kleinbetriebe mitbieten können.

Vermutlich im April ist das internetbasierte Baustellenmanagementsystem „rePLANT“ praxistauglich. Ende vergangenen Jahres lief beim Salacher Elektrotechnikspezialisten Heldele die Pilotphase für das ehrgeizige Projekt, das der Bund mit 1,5 Millionen Euro fördert. 2,1 Millionen Euro bringen die Partner in Form von Zeit und Know-how auf. Simuliert wurde in der Pilotphase die Vergabe elektrotechnischer Arbeiten für ein Verwaltungsgebäude: von der Verkabelung bis zur Installation der Brandschutzmeldeanlagen.

Dabei bildet „rePLANT“ von der Ausschreibung über die Massenermittlung bis zur Vergabe über dutzende Schnittstellen hinweg die gesamte Prozesskette digital ab. „Diese Lösung beschleunigt Abläufe um bis zu zehn Prozent“, sagt Wilhelm Wahl. Der geschäftsführende Gesellschafter der Heldele GmbH und Chef von 500 Mitarbeitern hatte bereits zuvor 40 Prozent der Wertschöpfungskette, vor allem im kaufmännischen Bereich, virtualisiert. Das minimiert die Fehlerquote, weil Übertragungsfehler ausbleiben.

Gemeinsam stärker

Dank der Technik können Mittelständler zudem dort mitbieten, wo sonst auf Grund der Komplexität eines Auftrags oder der schieren Menge Konzerne bislang den Kuchen unter sich verteilten. „Das Projekt ,Maremba‘ erleichtert es kleineren Handwerksbetrieben, Arbeitsgemeinschaften zu bilden oder ihrerseits Subunternehmer zu beauftragen“, nennt ETZ-Geschäftsführer Dr. Jürgen Jarosch den zentralen Vorteil. Das innungsnahe Elektro-Technologie-Zentrum (ETZ) in Stuttgart moderiert das Projekt, an dem der Baden-Württembergische Handwerkstag, das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, das Forum soziale Technikgestaltung sowie der Softwareanbieter PDS beteiligt sind.

Beim Pilotversuch in Salach bewarben sich drei reale Partner um den fiktiven Auftrag. Jeweils grün unterlegt war der günstigste Bieter, rot die teureren. Per
E-Mail können zudem Bestelllisten, Kabelmengen und Aufmaße zwischen Auftraggeber, Bieter, dessen Subunternehmer oder Lieferanten lückenlos ausgetauscht werden.

„Das ist ein sehr interessantes Tool“, sagt Reiner Kienle über die Onlinelösung. Der Kalkulator beim Stuttgarter Systemhaus Ziegler ist einer der realen Partner, der sich ganzjährig um Aufträge für die 70 Mitarbeiter seines Arbeitgebers bemüht. Davon stehen schon heute viele auf digitalen Plattformen, die aber alle anders funktionieren. Würde „Maremba“ hier einen Standard schaffen, wäre er erleichtert. Seine Einschätzung nach dem Testlauf: Das Ziel ist handwerklich bereits zu gut 70 Prozent erreicht, strategisch zu nahezu 100 Prozent.

Vernetzt bis zum Monteur

So war den Praktikern etwa aufgefallen, dass Anbieter keine Dateien anhängen können oder Rückfragen und Abweichungen digital nicht dokumentiert werden konnten. Andererseits leistet „Maremba“ im Gegensatz zu herkömmlichen Lösungen weit mehr als nur die Phase der Auftragsvergabe. „rePLANT“ bildet alle Prozesse bis hin zum Baufortschritt ab und vernetzt die beteiligten Partner bis zum Monteur auf der Baustelle und dem Kunden, der auf Fertigstellung drängt. „Alle Projektpartner erhalten täglich einen Statusbericht und ihre To-do-Liste, um verzögerungsfrei zu arbeiten“, so Wahl, der bei Heldele in Ansätzen bereits mit Schnittstellen zur Software arbeitet.

Entstanden war die Idee zur IT-Lösung beim Bau der Neuen Messe in Stuttgart, bei dem heimische Anbieter kaum zum Zug gekommen waren. Über „rePLANT“ lässt sich ab Frühjahr selbst ein solches Milliardenprojekt abwickeln, weil die Software mit dem GAEB-Standard der jeweiligen Branche kompatibel ist. Innerhalb jeder Branche können dann wieder einzelne Gewerke mit der neuen Software unterverteilt und koordiniert werden.

Innovativ und praxisrelevant

Beim ersten Pilotversuch waren die Projektpartner überrascht, wie gut das Zusammenspiel bereits klappte. Das bestätigt Dr. Christian Schmidt vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), das neben „Maremba“ bundesweit acht weitere IT-Projekte aus Bundesmitteln fördert. Demnach gehört das Projekt der Schwaben mit zu den innovativsten und ist besonders praxisrelevant, zumal es in allen Gewerken taugt und auch diese untereinander vernetzen kann, so dass sich etwa Gipser, Fliesenleger und Sanitär aufeinander abstimmen oder gemeinsam anbieten können.

Diskutiert wurden im Pilotversuch noch Details wie Datensicherheit und digitale Signatur oder praktische Fragen, wenn etwa ein Angebot zurückgezogen, nachgebessert oder die Abgabefrist überschritten wird. Im nächsten Schritt wird „rePLANT“ bei einem realen Auftrag eingesetzt. Parallel befassen sich die Projektpartner mit der Vermarktung der Software, die unter Federführung des ETZ gepflegt und weiterentwickelt werden soll. Die Software wird dann unter dem Namen „rePLANT“ offizielle in den Markt eingeführt.

In der zweijährigen Entwicklungsphase, so ETZ-Geschäftsführer Jarosch, besuchten 1.000 Teilnehmer Infoveranstaltungen über „Maremba“. Gut die Hälfte versicherte, mit solch einer Software arbeiten zu wollen. Einer davon ist die Heldele GmbH. PDS, ETZ, Verbände und Berater könnten weitere Multiplikatoren sein, die Lizenzen vergeben oder erwerben.

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