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Schreinerei Luther aus Darmstadt arbeitet für Starkoch Mit Lafer macht die Arbeit Spaß

Gerhard Luther schwärmt: "Für mich und meine Leute war das ein tolles Erlebnis." Und eine besondere Herausforderung. Die Schreinerei Luther aus Darmstadt hat beim Innenausbau der neuen Kochschule "Table d'Or" von Star- und Fernsehkoch Johann Lafer in Guldental mitgewirkt.

Johann Lafer
Johann Lafer zeigt wie's geht. Am Ausbau seiner Kochschule Table d'Or wirkte die Schreinerei Luther aus Darmstadt mit. -

Kochsendungen hat Gerhard Luther früher nie geguckt. Das war, bevor er Deutschlands berühmtesten TV-Koch näher kennen lernte. Heute schaltet der Schreinermeister manchmal den Fernseher an und schaut sich eine der Sendungen mit Johann Lafer an. "Der ist in Wirklichkeit genauso wie auf dem Bildschirm", erzählt Luther und schmunzelt. Der Betriebsinhaber muss es wissen: Schließlich hat er vier Monate lang mit dem aus Österreich stammenden Sternekoch fast täglich zu tun gehabt. Luther war an der Neugestaltung von Lafers Kochschule "Table d’Or" im rheinland-pfälzischen Guldental beteiligt.

Ein Auftrag, der es in sich hatte. Gerade Wände, verlässliche Winkel, Fundamente, Putz? – Fehlanzeige. Das über 200 Jahre alte Fachwerkhaus im idyllischen Ortskern der Gemeinde im Hunsrück hatte all das nicht zu bieten, was Voraussetzung für den Innenausbau zu einer modernen Lehrküche samt Essbereich ist. Ob morsche Holzbalken oder feuchte Mauern, immer wieder kamen neue "kleine Katastrophen" zum Vorschein, erinnert sich Gerhard Luther. Unter seiner Mitarbeit tüftelte der bayerische Architekt Jörg Gehles schließlich die Lösung aus: einen Raum im Raum. Die Schreiner aus Darmstadt konstruierten für das Innere des komplett ausgehöhlten zweigeschossigen Gebäudes ein sechsseitiges Holzskelett, das alle Probleme schiefer Decken, Wände und Böden beseitigte. "Das war schon fast keine Schreinerarbeit mehr, sondern die eines Bauingenieurs", sagt Luther. Der Einbau hat einen weiteren Vorteil: Mit seinen zehn Zentimetern Abstand zu den Außenwänden verbirgt er die 20 Kilometer Kabel, die Lafers Kochschule zu einem wahren Hightech-Wunder machen.

Herdplatten, deren Temperatur vom Computer aus gesteuert werden können, hochauflösende Monitore mit einem Betriebssystem, das ausschließlich per Gestik bedient wird, ein auf Zuruf reagierendes LED- und Beschallungssystem: Der gute alte Knopfdruck ist hier von gestern.

Kameras zeichnen alles auf

Zahlreiche, kaum sichtbare ferngesteuerte Kameras und extra-geräuschempfindliche Mikrofone zeichnen das, was sich in der Kochschule abspielt, in TV-Qualität auf. So können die Schüler jedes Kurses sich zum Dessert in einem kurzen, professionell geschnittenen Film beim Fleischfilettieren oder beim Einrollen von Gurken-Canneloni zusehen. Temperiert wird der Raum über Klimaanlage und Fußbodenheizung. Er teilt sich in zwei Bereiche: In der Küche mit der freistehenden langgezogenen Arbeitszeile dominiert weißer Hochglanzlack, der Essbereich ist in warmen Olivenholz gehalten. Auch dies ist das Werk der Schreinerei Luther.

Knapp acht Monate haben die Arbeiten gedauert, etwa die Hälfte ging für die Planung drauf. Die Kochschule befindet sich im Erdgeschoss, im Obergeschoss sind ein Verkaufsraum für Produkte des TV-Kochs sowie ein Technikstudio untergebracht. Fast 50 Personen waren an den Arbeiten beteiligt, darunter auch Mitarbeiter des Münchener Fraunhofer-Instituts, die mit der Anpassung der Technik an die Wünsche des Bauherrn beschäftigt waren. "Wir haben uns da teilweise auf sehr neues Terrain begeben", erzählt Paul Chojecki vom Fraunhofer-Institut.

Der Sternekoch selbst ist jedenfalls hin und weg: "Das ist der absolute Wahnsinn", sagt er und führt bei der Pressevorstellung der neu gestalteten Kochschule persönlich und mit leuchtenden Augen sämtliche Technik-Gimmicks vor.

"Ich will die geilste Küche der Welt haben"

Berührungsängste mit dem temperamentvollen Lafer hatte Gerhard Luther nicht. Auch wenn der Koch von Beginn an deutlich machte, dass er ein anspruchsvoller Kunde ist: "Ich will die geilste Küche der Welt haben", soll er den am Umbau Beteiligten gesagt haben, und: "Wer mich enttäuscht, kriegt ein Problem.“ Für Luther war diese Ansage jedenfalls kein solches: "Das hat uns sogar noch angespornt."

Auch die häufigen Änderungswünsche des Bauherrn raubten dem achtköpfigen Schreinerteam nicht den Schlaf. Bei Luther und seinen Leuten überwiegt vielmehr die Begeisterung: "Er hat eine sensationelle Auffassungsgabe und war immer sehr nett zu allen. Mit Herrn Lafer macht das Arbeiten einfach Spaß.“ Ein angenehmer Nebenaspekt waren für den Schreinerbetrieb auch die finanziellen Modalitäten, denn Lafer zahlte einen großen Teil der Rechnung im Voraus. Ein besonderer Auftrag mit einem beeindruckenden Endergebnis also, resümiert Gerhard Luther: "Für mich und meine Leute war das ein tolles Erlebnis." Und ein guter Grund, sich den ehemaligen Kunden immer mal wieder im TV anzusehen.

Was Johann Lafer zu seiner neuen Küche sagt, lesen Sie im DHZ-Interview.

Johann Lafer

Johann Lafer, österreichischer Koch, Unternehmer und Sachbuchautor, wurde durch seine Kochsendungen wie "Himmel un Erd", "Genießen auf gut deutsch", "Lafer! Lichter! Lecker!“ und seine zahlreichen Kochbücher einem breiten Publikum bekannt. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Guldental, hier befindet sich die Kochschule und ein eigenes TV-Studio. Im benachbarten Stromberg betreibt Lafer sein Gourmetrestaurant "Le Val d’Or".

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