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Neue Wärmetauscher für Absorptionskälteanlagen Mit Kälte gegen den Klimawandel

Plattenwärmetauscher statt Kupferrohrspirale: Mit neuem Innenleben werden die Absorptionskälteanlagen von EAW kleiner, leichter und leistungsstärker. Dafür gab’s den Deutschen Kältepreis.

Dieser Sommer ist ein Segen. Vor allem für Unternehmen, deren Produkte in der Lage sind, Wärme in Kälte umzuwandeln. Und ausgerechnet in diesen heißen Tagen gelingt der Energieanlagenbau GmbH Westenfeld (EAW) ein Innovationssprung, der ihre Absorptionskältemaschinen nicht nur kleiner, leichter und leistungsstärker macht, sondern auch preiswerter.

Dafür wurden die Thüringer Tüftler zusammen mit ihrem Entwicklungspartner, dem Institut für Luft-und Kältetechnik Dresden (ILK), beim Deutschen Kältepreis mit dem zweiten Platz in der Kategorie „kälte- und klimatechnische Innovation“ ausgezeichnet.

Vier Jahre Entwicklungszeit bei EAW und ILK

Bisher verfügten die Absorptionskälteanlagen von EAW über einen Wärmetauscher in Form einer Kupferrohrspirale, der mit viel Aufwand hergestellt werden musste und entsprechend teuer war. Künftig werden die Geräte mit einem kompakten Plattenwärmetauscher ausgestattet.

Das Know-how für den Wechsel des Wärmetauschers wurde in vierjähriger Entwicklungszeit gemeinsam mit den Dresdner Wissenschaftlern erarbeitet und bleibt das Betriebsgeheimnis von EAW und ILK. Entsprechende Patentverfahren laufen. „Die Plattenwärmetauscher können industriell hergestellt werden, was sich natürlich auf den Preis auswirkt“, erklärt EAW-Geschäftsführer Gregor Weidner. Als Lieferanten haben die Thüringer einen schwedischen Hersteller gewinnen und für 20 Jahre exklusiv an sich binden können.

Nicht zu schlagende Kraft für Innovationen

Die EAW ist ein Tochterunternehmen der Wegra Anlagenbau GmbH, einem Handwerksbetrieb mit aktuell 132 Mitarbeitern in den Bereichen Metallbau, SHK, Elektro- und Landtechnik sowie rund 15 Millionen Euro Jahresumsatz. Auf dieses breite Spektrum an handwerklichen Fertigkeiten können die 15 EAW-Ingenieure und Servicemonteure bauen.

Gregor Weidner: „Wenn sich deutsches Handwerk mit deutscher Ingenieurskunst verbindet und mit der Wissenschaft kooperiert, entsteht eine nicht zu schlagende Kraft für Innovationen“, rühmt der gelernte Landmaschinenmechaniker und Maschinenbauingenieur das heimische Handwerk. „Dank ihrer guten Ausbildung und der hohen Standards können Meister und Gesellen nahezu alles um­setzen, was sich Ingenieure und Konstrukteure einfallen lassen“, ist er überzeugt.

Das Geschäftsfeld der Absorptionskälteanlagen entstand in Folge der Entwicklung und Produktion von Blockheizkraftwerken (BHKW), mit denen sich die EAW Mitte der 1990er-Jahre etabliert hatte. Mit ihren Absorbern unter der Marke Wegracal steigerte die EAW die Effizienz ihrer BHKW, weil der Wärmeüberschuss in Kälte umgewandelt werden konnte.

EAW auf Fachmesse Chillventa

Seither wurden die Absorber ständig weiterentwickelt. 2011 bekam die EAW schon einmal den Deutschen Kältepreis, damals für eine seetaugliche Anlage in der Kategorie Sonderanwendungen. „Unser Ziel ist die mehrfache Nutzung von Energie. Das ist angesichts des Klimawandels das Gebot der Stunde“, sagt Weidner.

Rund 280 Absorptionskälteanlagen mit einer Kälteleistung zwischen 15 und 250 kW wurden von der EAW bisher verkauft, in einem Fall sogar bis auf die französische Insel Réunion im Indischen Ozean. Sie kommen in Krankenhäusern, Altenheimen, Hotels, Schulen, Rechenzentren, bei Spritzgussherstellern oder in der Landwirtschaft zum Einsatz. Zum Beispiel, um in heißen Sommern wie in diesem Jahr die Temperatur in Schweineställen unter 25 °C zu halten. Wenn es wärmer wird, verlieren die Tiere nämlich ihren Appetit und nehmen nicht mehr zu.

Mit den Plattenwärmetauschern eröffnen sich für die EAW nun ganz neue Perspektiven. Anlagen mit einer Kälteleistung von 400 kW seien bereits in der Entwicklung. Sein aktuelles Produktportfolio stellt das Unternehmen Mitte Oktober zur Fachmesse Chillventa in Nürnberg aus.

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