Unternehmensführung -

Erfolgreich mit einem "Nein" Mit diesen Tipps lernen Sie "Nein" zu sagen

Wer zu allem "Ja" sagt und sich immer neue Aufgaben aufbürden lässt, macht sich auf Dauer psychisch und körperlich kaputt. Experten raten dazu, das Nein-Sagen zu trainieren – um in den richtigen Situationen auch mal eine Bitte von Chef oder Kollegen abzuschlagen.

So ziemlich jeder kennt das: Man versinkt ohnehin schon in Arbeit, da kommt ein Kollege oder auch der Chef mit einer Bitte auf einen zu. Ob man nicht das neue Projekt auch noch übernehmen könne. Den Messestand planen. Den Tag der offenen Tür organisieren. Man habe das doch das letzte Mal so toll gemacht. Noch mehr Arbeit, noch mehr Stress – da merkt man sofort, dass der Verstand "Nein" sagt. Trotzdem sagt man dann "Ja", weil sich gleichzeitig auch noch das schlechte Gewissen meldet. Und schiebt Überstunde um Überstunde.

So erkennen Sie die Warnsignale

Sechs von zehn Menschen in Deutschland fühlen sich gestresst – unabhängig davon, ob beruflich oder privat. Das zeigt die Stress-Studie der Techniker Krankenkasse. Demnach stehen 63 Prozent der Frauen hierzulande immer wieder unter Strom, bei den Männern sind es 58 Prozent. Ob man geradewegs ins Burn-out steuert, lässt sich an bestimmten Warnsignalen erkennen, sagt Nathalie Mong, psychologische Psychotherapeutin aus München. Dazu gehörten etwa eine erhöhte Infektanfälligkeit, starke körperliche Erschöpfung, Reizbarkeit, Verlust der Motivation sowie sozialer Rückzug. "Nur wer erkennt, wie weit der persönliche Stresslevel bereits vorangeschritten ist, kann gegensteuern", so die Stressexpertin.

Ja-Sagen: Das sind die Ursachen

Um rechtzeitig die Notbremse ziehen zu können, ist die Ursachenforschung eminent wichtig. Und zu diesen Ursachen zähle häufig, von allen geliebt werden zu wollen und sich deshalb bis zur Selbstaufgabe aufzuopfern. "Nein-Sagen haben diese Menschen nie gelernt und bürden sich immer mehr Arbeit auf, bis sie selbst kapitulieren", sagt Mong.

Dass Nein-Sager erfolgreicher sind, belegt eine Reihe prominenter Querköpfe. Etwa Warren Buffett: Als der legendäre US-Investor auf den Unterschied zwischen erfolgreichen und wirklich erfolgreichen Menschen angesprochen wurde, sagte er: "Letztere sagen zu fast allem Nein." Und auch eine der reichsten Frauen der USA, Medienunternehmerin Oprah Winfrey, ist bekennende Nein-Sagerin. In einem Podcast der "New York Times" erklärte sie vor einiger Zeit, wie wichtig es für den eigenen Erfolg ist, zu lernen, anderen Wünsche abzuschlagen.

Eigene Prioritäten definieren und danach handeln

Die Fähigkeit ein "Nein" auszusprechen gehöre zum Handwerkszeug erfolgreicher und selbstbewusster Menschen, bestätigt Alexander Bellon, Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation aus Regensburg, der gemeinsam mit seinem Bruder die Agentur FlowFinder betreibt. Einem Freund oder Kollegen hier und da mal auszuhelfen, auch wenn man eigentlich gar keine Zeit und Lust dazu hat, sei natürlich vollkommen in Ordnung. "Genau genommen ist es sogar unsere Pflicht als gute Menschen, nicht immer nur an uns selbst zu denken und hin und wieder auch mal die eigenen Interessen zurückzustellen." Problematisch wird es aber, wenn es zur Regel wird und man es nie schafft, eine Bitte abzulehnen. "Dann macht man sich selbst weniger wichtig als andere", so Bellon. "Man beginnt, sich in der Warteschlange des Lebens immer und immer wieder ganz hinten anzustellen."

Die gute Nachricht: In den richtigen Situationen auch mal "Nein" zu sagen, lässt sich lernen. "In uns allen steckt noch immer der Urinstinkt von anderen gemocht zu werden", sagt Bellon. "Nicht selten versuchen wir sogar unsere eigenen Prioritäten, Interessen und Ziele hinten anzustellen, um jedermanns Liebling zu sein." Um dieser Falle zu entgehen, rät der Persönlichkeitscoach dazu, jene Menschen aus seinem Leben auszusortieren, "die einen nur mögen, wenn man für sie von Nutzen ist und immer das tut, was sie möchten". Man müsse seine eigenen Prioritäten definieren und danach handeln – und nicht um jeden Preis, nur um Konflikte zu vermeiden, eine Aufgabe übernehmen, die diesen Prioritäten nicht entspricht.

So trainieren Sie "Nein" zu sagen

Aber vom Ja- zum Nein-Sager wird man nicht über Nacht. Es ist eine Frage der Übung. Das könne man für sich alleine vor dem Spiegel tun, indem man sich eine bestimmte Situation vorstellt und konsequent mit einem "Nein" reagiert oder auch zu zweit etwa mit dem Partner übt, rät Bellon. Wer sich dennoch schwer tut, könne auch mit der "Das ist das letzte Mal"-Strategie arbeiten: "Durch ein richtig kommuniziertes 'Das ist das letzte Mal' zieht man eine klare Grenze und errichtet für das nächste Mal einen Zaun, an dem nicht so einfach vorbeizukommen ist."

Problematisch bleiben allerdings die Situationen, in denen man mit einer Bitte überrumpelt wird. Oftmals sagt man dann spontan "Ja" und ärgert sich später darüber. Bellon rät dazu, sich in solchen Fällen Bedenkzeit zu verschaffen. Möglichkeiten dazu sind, dass man antwortet, erst in seinen Terminkalender schauen zu müssen oder eine Nacht darüber schlafen zu wollen. "Überrumpelt werden kann nur, wer sich überrumpeln lässt. Durch die Äußerung des Wunsches nach etwas Bedenkzeit ist nichts verloren", betont Persönlichkeitscoach Bellon. Das eröffnet einem die Möglichkeit, sich die richtigen Worte zurechtzulegen, um der Person dann letztendlich doch ein "Nein" mitteilen zu können. "Und wenn man sich nach sorgfältiger Überlegung dazu entscheidet, 'Ja' zu sagen, kann man das natürlich immer noch machen." Es ist dann eben nur ein überlegtes "Ja" – und keines aus der Überrumpelung heraus.

Mehr Krankmeldungen aus psychischen Gründen

Bei immer mehr Berufstätigen wird ein hoher Stresspegel zum Dauerzustand, zeigt eine Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit. Der Grund: Die sogenannte Arbeitsverdichtung in vielen Unternehmen – also die Tatsache, dass immer mehr Aufgaben auf immer weniger Schultern lasten und in immer kürzerer Zeit erledigt werden müssen. Laut Daten der Deutschen Rentenversicherung ist die Zahl der Krankmeldungen aus psychischen Gründen seit dem Jahr 2000 um 50 Prozent angestiegen – die Diagnose "Burn-out" ist längst kein Manager-Phänomen mehr.

Anhaltender Druck hat der Studie zufolge nicht nur psychische Auswirkungen, sondern auch messbare Folgen für die körperliche Gesundheit. Werden dauerhaft zu viele Stresshormone ausgeschüttet, kann das unter anderem zu Bluthochdruck, aber auch zu Magenproblemen, Schlafstörungen und chronischen Verspannungen führen. Wichtig sei es deshalb, Warnsignale erst zu nehmen – und grundlegend etwas zu ändern.

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