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ZDH-Sonderumfrage Mit diesen Erwartungen geht das Handwerk ins neue Jahr

Noch reichen die Aufträge im Handwerk im Schnitt für sieben Wochen. Doch das Polster schwindet langsam, wie die ZDH-Sonderumfrage zeigt. Ein weiteres Ergebnis: nur ein kleiner Teil der Handwerksbetriebe hat bislang die Wirtschaftshilfen für November und Dezember beantragt – oder beabsichtigt dies zu tun.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Das Handwerk blickt verhalten ins neue Jahr. "Jeder zweite Betriebsinhaber rechnet aktuell mit geringeren Umsätzen in den ersten drei Monaten des neuen Jahres als saisonüblich", heißt es in der jüngsten Sonderumfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) noch vor dem harten Lockdown. Auch werde mit einer weiteren Abnahme der Auftragspolster gerechnet. So erwarteten 44 Prozent der befragten Betriebe rückläufige und nur 17 Prozent steigende Auftragsbestände. Insgesamt reichten die Auftragspolster im Durchschnitt derzeit für 7,1 Wochen. Die vorerst bis in den Januar 2021 geltenden wirtschaftlichen Beschränkungen würden absehbar eine zusätzliche Belastung für viele Betriebe darstellen. Schnelle Hilfen für die in wirtschaftliche Not geratenen Betriebe bleibe das Gebot der Stunde.

Lebensmittelhandwerk und persönliche Dienstleister spüren Schließungen

Wie die Umfrage weiter deutlich macht, waren in den vergangenen Wochen vor allem persönliche Dienstleistungshandwerke (84 Prozent) sowie Lebensmittelhandwerke (74 Prozent) von den Umsatzrückgängen infolge des Teil-Lockdowns betroffen. Aber auch das Kfz-Handwerk (64 Prozent) spürte zunehmend die Kundenzurückhaltung als Folge des höheren Infektionsgeschehens. Insbesondere bei den persönlichen Dienstleistungshandwerken werde man durch die zusätzlichen Beschränkungen ab dem 16. Dezember mit weiteren Umsatzrückgängen rechnen müssen.

Ausbauhandwerk profitiert von Mehrwertsteuersenkung

Umsatz- und Auftragszuwächse gab es laut Umfrage dagegen noch in den Ausbauhandwerken. Sie profitierten derzeit von der bis Jahresende geringeren Mehrwertsteuer, die viele Privatkunden zu Reparaturen und Baumaßnahmen animiert hätten. Gleichzeitig habe die für das zweite Halbjahr 2020 beschlossene temporäre Mehrwertsteuersenkung hier aber auch für allerhand Diskussionen mit Auftraggebern über Leistungs- und Rechnungszeitpunkte geführt, da möglichst viele von den gesenkten Mehrwertsteuersätzen profitieren wollten. Ähnliche Diskussionen erwartet insbesondere das Bau- und Ausbauhandwerk auch bei der zum 1. Januar 2021 anstehenden Wiederanhebung der Umsatzsteuersätze.

Abschlagszahlungen laufen langsam an

Mit Blick auf die auf die außerordentlichen Wirtschaftshilfen für November und Dezember zeigt die Umfrage, dass nur ein kleiner Teil der Handwerksbetriebe Anträge stellen will (9 Prozent) oder schon gestellt hat (6 Prozent). Die anderen gehen davon aus, dass sie nicht förderberechtigt sind. Von denen, die schon einen Förderantrag gestellt haben, hat ein gutes Drittel Abschlagszahlungen bekommen. Sollte die verzögerte Auszahlung anhalten, müssten "die Länder hier unbedingt nachsteuern, um die Betriebe liquide zu halten", heißt es in der Auswertung der zwischen dem 9. und dem 13. Dezember durchgeführten Sonderumfrage.

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