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Mit dem Prototyp auf die Pole-Position

Schröter Modell- und Formenbau aus Oberpframmern fertigt für alle deutschen Autobauer Teile und Vorlagen für neue Fahrzeuge

Die Anweisung ist klar und unmissverständlich: „Fotohandys benutzen verboten“ steht am Eingang zu den Betriebsräumen der Schröter Modell- und Formenbau GmbH. Geheimhaltung wird großgeschrieben im Handwerksbetrieb aus dem oberbayerischen Oberpframmern. Kein Wunder, schließlich lassen dort alle deutschen Automobilbauer Teile oder gleich ganze Prototypen fertigen. Für besonders geheime Projekte steht in dem 2.000 m² großen Firmengebäude sogar ein extra gesicherter Studioraum zur Verfügung.

Modellbau meets Schreinerei

1963 wurde der zunächst auf Gießereimodellbau spezialisierte Betrieb gegründet. „Schon damals gehörten Siemens und BMW zu den Kunden“, berichtet Geschäftsführer Maximilian Lörzel, der den Betrieb 1993 von seinem Onkel übernahm. 1973 zog das Unternehmen in eine Schreinerei nach Zorneding um. „Der Inhaber hat damals nur unter der Prämisse verkauft, dass alle seine Mitarbeiter übernommen werden“, erinnert sich der Geschäftsführer. So kamen zu den seinerzeit acht bis zehn Modellbauern auf einen Schlag noch sechs Schreiner dazu. Neben dem Geschäft als Modellbauer lief auch die Bau- und Möbelschreinerei so erfolgreich - u.a. wurden sogar Löwenbräu-Wirtschaften in Irland ausgestattet -, dass ständig Erweiterungen des Betriebsgebäudes erforderlich waren.

Lörzel studierte nach Abitur und Bundeswehr zunächst fünf Semester Maschinenbau an der Technischen Universität München. „Während der vorgeschriebenen Praktika habe ich gemerkt, dass mir die praktische Arbeit mit Menschen und das Organisieren mehr Spaß machen“, erzählt der 48-Jährige. Obwohl der Onkel schon früh einen potenziellen Nachfolger in ihm sah, entschied sich Lörzel erst nach dem ersten Vordiplom für den Wechsel. Mit 22 Jahren begann er die Modellbauerlehre, die er als Kammer- und Landessieger 1987 beendete. Anschließend absolvierte er noch Weiterbildungen zum Betriebswirt (HWK) und zum NC- und CNC-Techniker. 1990 folgte der Abschluss als bester Modellbaumeister seines Jahrgangs. 1991 stieg Lörzel als Betriebsleiter bei Schröter ein. Schnell erkannte er, dass das Unternehmen trotz des wirtschaftlichen Erfolgs nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik war: „Hätten wir nicht investiert, wären wir pleitegegangen.“ Der heutige Geschäftsführer führte die CNC-Technik ein, schaffte Messmaschine und Computerprogramm an. Indem er sich gemeinsam mit dem zweiten Betriebsleiter in den neuen Systemen schulen ließ, legte Lörzel den Grundstein für den heutigen Unternehmenserfolg. „Unser Markenzeichen ist bis heute, dass es keine Trennung zwischen NC-Programmierung, NC-Fertigung und den manuellen Tätigkeiten in der Werkstatt gibt“, erklärt der Geschäftsführer. Das heißt, der verantwortliche Mitarbeiter ist bereits beim Auftaktgespräch mit dem Kunden dabei, erhält anschließend die elektronischen Daten, programmiert damit die Maschine und begleitet den Fertigungsvorgang bis zur Auslieferung.

Schnelligkeit zählt

Zum 1. Januar 1993 kaufte Lörzel den Betrieb gegen Übernahme der vorhandenen Schulden, investierte weiter und stellte die Fertigung radikal um. Das Risiko zahlte sich aus: Bereits 1995 schrieb das Unternehmen schwarze Zahlen. Allerdings wurde langsam der Platz auf dem Betriebsgelände knapp: Daher begannen 2003 die Planungen für das neue Entwicklungs- und Prototypenzentrum in Oberpframmern im Landkreis Ebersberg. Bei der Finanzierung des 4,5 Millionen Euro teuren Gebäudes waren vor allem die Handwerkskammer für München und Oberbayern, die LfA Förderbank Bayern und die Bürgschaftsbank Bayern wertvolle Ratgeber. Auch nach dem Umzug ab Ende 2005 setzte die Schröter Modell- und Formenbau ihren Erfolgskurs fort. Mit seinen 31 festen und drei freien Mitarbeitern punktet der Betrieb vor allem mit Schnelligkeit und Flexibilität. „Unsere Maschinen laufen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Wenn das Rohmaterial da ist, brauchen wir zwei bis drei Tage, um ein 1:1-Automodell aus Schaum zu fräsen“, erzählt der Geschäftsführer.
Ein weiteres Plus ist die hohe Qualifikation der Mitarbeiter: 16 verfügen über eine Weiterbildung als Meister oder Techniker. „Unser System funktioniert vor allem durch eigene Ausbildung. Spezialisten von außen müssten zusätzlich geschult werden. Dazu sind viele aufgrund ihres Status nicht mehr bereit. Daher sind über die Jahre nur drei externe Mitarbeiter dazugekommen“, sagt Lörzel. Ausgeprägtes Know-how, qualitativ hochwertige Arbeit und schlanke Strukturen haben sein Unternehmen das Krisenjahr 2009 gut überstehen lassen. „Unser Umsatzminus lag bei 16 Prozent, der Branchenschnitt bei 35 bis 40 Prozent“, berichtet der Geschäftsführer.

Showcar als höchste Kunst

80 Prozent des Umsatzes macht das Unternehmen im Bereich Automobil (inkl. Lkws und Pistenraupen). Der Rest verteilt sich auf den Maschinenbau und die Luftfahrtindustrie. „Ein funktionsfähiges Showcar für eine Automobilmesse zu bauen, ist höchste Kunst und sehr interessant“, schwärmt Lörzel. Dabei greift der Betrieb auch auf das Know-how von Lackierer-, Elektroniker- und Motorbauerbetrieben aus der Umgebung zurück. Momentan ist die Kunst seiner Mitarbeiter besonders gefragt: Im März 2011 steht die Detroit Motor Show an.

Als besonders reizvolles Segment hat sich im Laufe der Jahre der Motorsport herauskristallisiert. So war der Betrieb von Maximilian Lörzel u.a. schon am Bau der Siegerautos des 24-Stunden-Rennens von Le Mans beteiligt. Für den Audi R8, der von 2000 bis 2005 bis auf eine Ausnahme jedes Mal siegte, fertigte das Unternehmen u.a. Modelle für die komplette Kohlefaserkarosserie, das Monocoque sowie Strukturbauteile.

Der letzte Schrei im Hause Schröter ist aktuell das Rapid-Prototyping-Verfahren. Bei dieser speziellen Form der Drucktechnik können mit verschiedenen Materialien Modelle aufgebaut werden. „Wir hatten als siebtes Unternehmen weltweit eine solche Maschine, die mit der gesamten Peripherie rund 270.000 Euro kostet“, berichtet der Geschäftsführer stolz. Woran sie gerade arbeiten, verrät er allerdings nicht: „Fotografieren verboten.“

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