Menschen + Betriebe -

Landmaschinenmechatroniker Björn Heiser Mit dem Meisterbrief zurück nach Namibia

Landmaschinenmechatroniker Björn Heiser hat für die angesehene Berufsausbildung in Deutschland seine Heimat Namibia verlassen. Sechs Jahre später will er nun nach Hause zurückkehren und sein Wissen an Landsleute weitergeben.

Nur vier Tage vor dem Abflug erreichten Björn Heiser die schlechten Nachrichten: Die Grenzen werden aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen, der Flugverkehr komplett eingestellt. Die lange geplante Reise in seine Heimat Namibia muss auf unbestimmte Zeit verschoben werden. "Natürlich ist es echt schade, jetzt nicht seine Familie und die alten Freunde besuchen zu können. Aber ich freue mich, dass ich wenigstens im Betrieb weiterarbeiten kann und abgelenkt bin", sagt der 25-jährige Landmaschinenmechatronikermeister aus dem unterfränkischen Wülfershausen an der Saale.

Im Herbst 2014 kam Heiser direkt nach seinem Schulabschluss aus Namibia nach Deutschland, um die handwerkliche Lehre bei BayWa Technik zu absolvieren. Denn der gute Ruf eilt der hiesigen Berufsausbildung weit voraus. Weltweit genießen Handwerker aus Deutschland ein hohes Ansehen. Seine Entscheidung hing aber auch damit zusammen, dass seine Mutter gebürtige Deutsche ist und nach wie vor ein Teil der Familie in Deutschland lebt.

Akademische Ausbildung war nie ein Thema

Bei der Berufswahl musste Heiser nicht lange überlegen. "Tüfteln, schrauben und reparieren waren schon in der Kindheit meine große Leidenschaft. Auf unserer Farm in Namibia bin ich bei der Arbeit mit Landmaschinen groß geworden", sagt Heiser. Er habe immerzu den Drang verspürt rauszugehen, anzupacken und etwas mit seinen Händen zu machen. Genauso offen und ehrlich gibt Heiser auch zu, dass er nie der Intellektuelle in seiner Familie war. "Aus Büchern zu lernen war nicht mein Ding. Ich war heilfroh als ich mit der Schule fertig war. Deshalb wäre eine akademische Ausbildung für mich nicht infrage gekommen."

Den Ausbildungsplatz bekam Heiser ohne bürokratische Hürden. Er besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft und kann deshalb ohne weiteres in Deutschland arbeiten. Geholfen hat ihm auch ein persönlicher Kontakt seiner Eltern zu einer deutschen Familie, die die Verbindung zu seinem Ausbildungsbetrieb herstellten. "Ich bin dann zum Vorstellungsgespräch nach Deutschland geflogen und habe sofort eine Zusage bekommen", erinnert sich Heiser.

Der Umzug aus seiner afrikanischen Heimat fiel ihm allerdings sehr schwer. Heiser vermisst das entspannte Leben in Namibia. Hektik und Stress wie in Deutschland seien in dem südwestafrikanischen Land Fremdwörter. Man lebe in den Tag hinein ohne einen festen Zeitplan. Müßiggang sei dort nichts, für das man sich schämen müsse.

Auch das städtische Leben ist nicht seine Sache. "Ich bin ein echter Naturbursche, der sich am liebsten rund um die Uhr draußen aufhält." Er sehne sich nach dem Leben im Einklang mit der Natur und der scheinbar unendlichen Weite in seinem Land. Drei Einwohner pro Quadratkilometer leben in Namibia, dessen Fläche mehr als doppelt so groß ist wie die Bundesrepublik. Im dichtbesiedelten Deutschland sind es hingegen über 230 Einwohner pro Quadratkilometer.

Und nicht zuletzt ist es das mitteleuropäische Klima, mit dem Heiser sich nicht anfreunden kann. Er erinnert sich noch an den Tag der Abreise: "Ich bin bei 35 Grad ins Flugzeug eingestiegen und an einem grauen Novembertag im kalten Nieselregen in Deutschland wieder ausgestiegen. Das war ein harter Start für mich."

Trotz alledem hat Heiser seine Entscheidung für die Ausbildung in Deutschland bis heute keinen Tag bereut. Sein Chef und die Kollegen hätten ihn sehr herzlich aufgenommen. Mit ihrer Unterstützung fand sich Heiser trotz der Umstände schnell in der neuen Umgebung und dem Alltag in Deutschland zurecht.

Nach der erfolgreichen Ausbildung besuchte Heiser nahtlos die Meisterschule und hat seit vergangenem Jahr den Meisterbrief in der Tasche. "Ich wollte das nicht auf die lange Bank schieben, sonst hätte ich den Meister vielleicht gar nicht mehr gemacht", sagt Heiser. Bis heute ist er seinem Ausbildungsbetrieb treu geblieben und arbeitet als angestellter Meister.

Einmal um die Welt und zurück nach Namibia

Trotzdem steht für Heiser fest, dass Deutschland nur eine Zwischenstation bleibt. Seinen Arbeitsvertrag wird er zum Jahresende kündigen . "Von meinen Ersparnissen werde ich eine Weltreise mit Freunden machen und einfach die Seele baumeln lassen." Wie lange die Reise geht, will er sich offenlassen, doch für die Zeit danach hat Heiser bereits Pläne geschmiedet. Er möchte in Namibia eine Werkstatt auf vier Rädern gründen, wie er es nennt. "Ich möchte von Farm zum Farm fahren und den Menschen helfen, ihre Landmaschinen zu reparieren und zu warten."

Björn Heiser

Wichtig ist es ihm dabei auch, sein in Deutschland angeeignetes Fachwissen weiterzugeben und seine Befähigung als Ausbilder zu nutzen. Denn eine vergleichbare Berufsausbildung wie in Deutschland oder gar den Meisterbrief gibt es in Namibia nicht. Man bringe sich die Sachen durch zuschauen und voneinander lernen bei. Heiser hofft, dass die Landsleute bereit sind, seine Hilfe anzunehmen und sich das Fachwissen anzueignen.

Bevor sein Traum von der fahrenden Werkstatt Realität wird, will sich Heiser aber erst einmal als Angestellter in einem Betrieb wieder in Namibia einleben. Er hat die Möglichkeit, vor Ort für den Vertriebs­­partner eines internationalen Landmaschinenkonzerns zu arbeiten. Der Kontakt ist über seinen aktuellen Arbeitgeber zustande gekommen.

Eine spätere Rückkehr ins deutsche Handwerk möchte er nicht ganz ausschließen. "Aber Namibia wird für immer meine Heimat bleiben", sagt ­Heiser.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten