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Das Packster von Riese & Müller im Praxistest Mit dem Lastenrad emissionsfrei zum Kunden

Fahrrad statt Transporter? Wie sich das neue Elektro-Lastenrad von Riese & Müller im Handwerk schlägt, hat SHK-Meister Frank Schlimpert in Dresden getestet.

200 Jahre nach seiner Erfindung bekommt das Fahrrad neuen Rückenwind. Der Einbau eines kleinen Elektromotors lässt die Verkaufszahlen nach oben schnellen, muss sich dank der Unterstützung doch niemand mehr über seine Kräfte abstrampeln. Jetzt kann der gute alte Drahtesel sogar Lasten schleppen.

Um die speziell für den Transport gebauten Cargo-Bikes im handwerklichen Alltag zu erproben, stand Frank Schlimpert das neue Lastenrad des deutschen Premiumherstellers Riese & Müller zur Verfügung, ein Packster Nuvinci 80 mit Bosch-Motor und stufenloser Nabenschaltung. Es handelt sich um einen sogenannten Long John, bei dem sich die Ladebox zwischen Lenker und Vorderrad befindet und dessen sichere Steuerung vor dem ersten Ausflug eine gewisse Gewöhnungsphase erfordert.

Long John mit Ladebox

Diese Erfahrung musste auch Frank Schlimpert machen, der aus gesundheitlichen Gründen kein Auto fahren darf und daher seine Kunden mit dem Fahrrad ansteuert. Was mit einem normalen Rad einige Schwierigkeiten mit sich bringt. „Wenn ich als Subunternehmer unterwegs bin, liefern meist die beauftragenden Firmen das Material zur Baustelle. Ansonsten muss ich schauen, wie ich am besten zurechtkomme“, sagt Schlimpert. Da kam dem Installateurmeister für Gas und Sanitär das Angebot, ein Lastenrad mit einer 80 Zentimeter langen Transportbox auszuprobieren, natürlich gerade recht.

SHK-Meister Frank Schlimpert

Wasch- oder WC-Becken zusammen mit seiner Werkzeugkiste vom Großhändler zur Baustelle zu fahren, war plötzlich kein Problem mehr. „Das wäre für mich ein echter Gewinn“, sagt der 62-Jährige, der sich trotzdem überlegt, ob er die rund 4.800 Euro für einen Long John investieren soll.

„Beladen wirkte das Lastenrad recht instabil, dabei hatte ich die maximale Nutzlast von 100 kg gar nicht ausgereizt“, berichtet Schlimpert von seinen Erfahrungen während der zweimonatigen Testphase. Die Ladebox mit den zugehörigen Zurrgurten beschreibt er als einwandfrei, so konnte das Transportgut sicher verstaut werden. Optional wäre auch eine Persenning zu erhalten, die die Ladung vor Regen und Schmutz schützt.

Zweiter Akku für mehr Reichweite

Rund 200 Kilometer hat Frank Schlimpert mit dem 2,2 Meter langen Packster von Riese & Müller durch Dresden zurückgelegt und dabei sogar eine Stiefelwaschanlage für die Feuerwehr transportiert. Die Akku-Leistung von 50 Wh erwies sich im Berufsalltag eines Kundendienstlers als ausreichend. Sie könnte gegen Aufpreis durch eine zweite Batterie sogar noch verdoppelt werden.

Schwieriger war es für den Handwerksmeister, das Cargo-Bike in kleinen Straßen bei Gegenverkehr sicher durch die Kurven zu manövrieren. „Da muss man schon gut aufpassen.“ Auch die Sitzposition weit hinter dem Vorderrad hält Schlimpert für problematisch, weil sie an Kreuzungen die Sicht einschränkt. Er würde für seine Zwecke daher eher für ein Dreirad plädieren, bei dem sich die Ladung hinter dem Fahrer befindet, ähnlich wie sie zum Beispiel auch bei der Post zum Einsatz kommen.

Noch sind Lastenräder im gewerblichen Einsatz auf deutschen Straßen selten zu sehen. Doch zunehmende Parkplatzprobleme und die Diskussionen um Fahrverbote in Umweltzonen machen die umweltfreundliche Alternative immer attraktiver. Für welches Modell sich ein fahrradfreundlicher Handwerker letztlich entscheidet, hängt vom Einsatzzweck und den persönlichen Vorlieben ab. Eine ausgiebige Testfahrt mit praxisnaher Beladung vor der Anschaffung ist aber auf jeden Fall empfehlenswert.

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