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Mit dem Abi in drei Jahren zum Meister

Besonders für Betriebsnachfolger scheint das Konzept "Abi-Meister" des Bundesfachzentrums Metall in Northeim ein interessanter und vor allem schneller Weg zur Betriebsübernahme zu sein. Doch auch für andere Abiturienten bietet sich mit diesem Weg eine Alternative zum Studium.

Abi-Meister
Der Abi-Meister bietet für Abiturienten die Möglichkeit, im Metallhandwerk innerhalb von drei Jahren den Gesellen- und den Meisterbrief zu erwerben. Illustration: publiorange -

Nach dem Abi gleich zum Meister? Im Bundesfachzentrum Metall und Technik ist das möglich. Das "Northeimer Modell" kommt nach Aussage von Diether Hils, Schulleiter und Bildungsexperte beim Bundesverband Metall, gut an. Dafür sprächen die kontinuierlich steigenden Teilnehmerzahlen. Nachdem zu Beginn eher maximal zwölf Teilnehmer in den Kursen waren, verzeichnete die Schule im vergangenen Jahrgang 16 Absolventen. Teilnehmer berichten über ihre Beweggründe und Erfahrungen.

In den Werkstätten des Bundesfachzentrums in Northeim ist auch an diesem späten Dienstagnachmittag in allen Werkstätten das nicht gerade liebliche Geräusch von Metallsägen, Fräsen und Feilen zu hören. Die jungen Männer und Frauen, die hier den Abi-Meister machen, lassen sich nur ungern unterbrechen. Die Gesellenrüfung und die Meisterprüfung stehen kurz bevor und es gibt noch viel zu tun.

Ziel ist oft die Selbstständigkeit

Konzentriert bei der Arbeit ist wenige Meter weiter der 32-jährige "Senior" Paul Zurke. Er stellt ein Multifunktionsmöbel her. Es ist sein Meisterstück. Es geht nun an die Fertigung. Sein Weg zum Abi-Meister war voller Umwege. Das Abitur hat Zurke auf dem zweiten Bildungsweg gemacht und anschließend Maschinenbau studiert. Ganz zufällig ist er im Internet auf das "Northeimer Modell" gestoßen. "Da habe ich ganz spontan mein Studium abgebrochen und mich hier angemeldet. Ich bin mehr der praktische Typ." Sein Ziel ist die Selbständigkeit. Die Praxisnähe sieht auch Stefan Hackl als großen Vorteil. Der Inhaber einer Metallbaufirma in München lässt seinen Sohn ebenfalls den Abi-Meister machen. Im Gegensatz zum Studium erleichtere die Ausbildung die Übernahme eines Betriebes deutlich. Gerade für Abiturienten sei dieser Weg eine sehr interessante Option.

Eine Werkstatt weiter sind Friedrich Grimm und Alexander Mülfarth bei der Arbeit. Der eine macht seine Gesellenprüfung und Alexander Mülfarth arbeitet an seinem Meisterstück. Beide kommen aus Metallbaubetrieben und wollen in die väterlichen Fußstapfen treten. Der 20-jährige Friedrich Grimm ist Greifswalder und im zweiten Lehrjahr. Er kennt das väterliche Unternehmen gut und will es schnellstmöglich übernehmen. Er findet es super, dass er diesem Ziel so schnell näher kommt. "Im mathematischen Bereich wird sehr viel vorausgesetzt", sagt er. "Deshalb können wir in zwei Jahren machen, wofür andere drei brauchen." Friedrich Grimm ist sicher, dass er hier alles lernen wird, was er als Unternehmer braucht.

Vor der Selbständigkeit noch eine Menge lernen

Seinen Mitschüler Alexander Mül­farth hat es von Brühl am Rhein nach Northeim bei Göttingen gezogen. Sein Vorbild ist Großvater und Unternehmer Franz-Peter Mül­farth. Er selbst wusste nach dem Abi nicht so genau, was er wollte. Jetzt weiß er es. Er will Maschinenbau studieren und irgendwann das Famlienunternehmen führen, aber vorher noch eine Menge lernen.

Volker Born, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks, begrüßt durchaus die Karrieremöglichkeiten, die sich durch solche Modelle ergeben. Gerade im Rahmen der Imagekampagne sei es wichtig, interessierten jungen Leuten diese Wege aufzuzeigen. Allerdings sollte darüber nicht der sonst übliche Weg der Meisterqualifikation entwertet werden.

Schneller Fachkräfte sichernSchulleiter Diether Hils ist über die Entwicklung erfreut. Das gestiegene Interesse der Betriebsinhaber sei auch der Fachkräftesicherung geschuldet. Hils: "Weil sowohl die Unternehmen als auch die künftigen Abi-Meister etwas bezahlen müssen, sind die Kunden anspruchsvoll. Sie wollen etwas haben für ihr Geld: Sie wollen eine Ausbildung für die Praxis in den Betrieben und später Verantwortung übernehmen." ca/fm

Abi-Meister
Abi-Meister werden kann, wer die Fachhochschulreife oder das Abitur hat. Die Kosten für das Studium teilen sich das ausbildende Untenehmen und die Studierenden. Nach zwei Jahren kann die Gesellenprüfung, nach drei Jahren die Meisterprüfung abgelegt werden. Die Studierenden sind im Wechsel drei Monate im Bundesfachzentrum und drei Monate im Betrieb. Northeim ist in 30 Minuten von Göttingen aus zu erreichen. Studienbeginn ist im August jedes Jahres.www.bfm-northeim.de

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