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Josef Voit erfüllt sich im Rentenalter Jugendtraum Mit 66 zum vierten Meisterbrief

Seine Brötchen hat Josef Voit als Unternehmer in der Metallbranche verdient. Jetzt verarbeitet er auch Fleisch.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Meister im Handwerk

In vielen Handwerkerfamilien gibt es mehrere Meistergenerationen nacheinander, die Tradition reicht oft vom Großvater bis zum Enkel. Vier Meistertitel – das kann freilich auch einer allein schaffen: Josef Voit aus Pleystein in der Oberpfalz hat dieses Kunststück vollbracht und sich im Alter von 66 Jahren mit dem Meisterbrief im Fleischerhandwerk einen Jugendtraum erfüllt.

Voit absolvierte kürzlich als ältester Teilnehmer den 439. Meistervorbereitungslehrgang an der 1. Bayerischen Fleischerschule Landshut und legte anschließend vor der Prüfungskommission der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz erfolgreich die Teilprüfungen von Fachpraxis bis Fachtheorie ab. Mit der Durchschnittsnote Drei – und „darauf bin ich stolz“, sagt das Multitalent nach elfwöchigem Büffeln Seite an Seite mit 19- oder 20-jährigen Metzgergesellen. Denn die hatten ihm natürlich einiges an fachpraktischer Berufserfahrung voraus.

Sohn führt Metallbaubetrieb

Das machte Voit aber durch seine universelle handwerkliche Vorbildung wett: Er ist gelernter Gas-/Wasserinstallateur und legte in diesem Gewerk 1973 seine erste Meisterprüfung ab. 1977 ließ er die Meisterprüfung zum Heizungs- und Lüftungsbauer folgen, 1978 die zum Spenglermeister.

Schon 1972 machte er sich selbstständig. Sein Metallbaubetrieb, den Sohn Stefan 2002 übernommen hat, zählt heute 73 Mitarbeiter an zwei Standorten in Waidhaus und in Windischeschenbach und ist auf industrielle Fertigung von Stahlhallen und Lohnbrennschneiden spezialisiert.

Aber woher kommt nach solch einer Karriere die plötzliche Berufung zum Metzger? „Ich wollte das mein ganzes Leben lang machen“, erzählt Josef Voit. Als Jugendlicher träumte er davon, eine Fleischer- und danach eine Kochlehre zu absolvieren und als Schiffskoch die Welt zu entdecken. Eine Berufslaufbahn als Koch hat sein zweiter Sohn Peter eingeschlagen.

Bei Josef Voit kam es dagegen ganz anders, aber er verlor den Wunschberuf nie aus den Augen: Zuhause betreibt der Allrounder eine komplett ausgestattete Wurstküche, stellte darin jahrelang leckere Fleisch­waren für den Eigenbedarf her und arbeitete in der Wurstherstellung für die familieneigene kleine Zoigl-Brauerei mit Gaststätte mit. Bereits 2002 schnupperte er bei einem Produktionslehrgang bei den Profis die Luft zwischen Kutter und Füller. Auf den ersehnten Meisterkurs musste er freilich bis zum Rentenalter warten.

Handwerk liegt in der Familie

War der vierte Meistertitel nur die Krönung fürs Hobby oder wird Tausendsassa Voit seine neu erworbenen Kenntnisse über Wurstrezepturen oder Steak-Cuts künftig gewinnbringend einsetzen? „Ich werde sie auf jeden Fall nutzen“, sagt der Senior aus dem Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab. Und wo? Auch da ist die Handwerksaffinität seiner Familie hilfreich: Tochter Elisabeth hat in die Bio-Bäckerei Forster in Windischeschenbach eingeheiratet, die neben einem Online-Brotvertrieb auch ausgewählte Backwaren als Beilage für Metzgerspezialitäten – wie Bio-­Hamburger-Buns oder Bio-Bratwurst-Weckerl – sowie eine Fleischwarentheke betreibt. Und die möchte Vater Josef mit eigenen Produkten erweitern, auch die Steak-Schiene soll dabei nicht zu kurz kommen.

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