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Umweg zum Traumberuf Mit 39 Jahren: Vom Bäcker zum Maßschneider

Ein Beruf ist mehr als Arbeit. Er ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens und muss zur Persönlichkeit passen. Diese Erfahrung hat auch Michael Slezak gemacht. Der 39-Jährige hat noch einmal einen ganz neuen Beruf erlernt.

Dabei war anfangs alles ganz einfach: Michael Slezak wollte schon als Kind Bäcker werden. "Ich habe immer mit meiner Großmutter gebacken und konnte mir nichts anderes vorstellen." Also ging er in das Bäckerhandwerk und absolvierte die Ausbildung. "Es war wunderbar. Ich liebe es, mit den Händen zu arbeiten. Doch danach habe ich keinen Betrieb gefunden, in dem ich das traditionelle Handwerk hätte so anwenden können. Und industriell fertigen wollte ich nicht."

Es war der erste harte Schnitt in seinem Berufsleben. Er schulte zum Logistik- und Transporthelfer um. Als Versandmitarbeiter lieferte er Pakete und Päckchen aus. Es sollte ein Übergangsjob sein, doch er hängte sich rein und blieb.

Spät den Traumberuf gefunden

Nach sieben Jahren folgt der zweite harte Schnitt: Gesundheitliche Probleme zwangen Michael Slezak zum Aufhören und Umdenken. "Was möchtest du wirklich machen?", fragte ihn ein Berufsberater ganz direkt. "Da ist mir bewusst geworden: Ich möchte etwas mit Mode machen und wieder mit den Händen arbeiten", sagt Michael Slezak heute rückblickend. Nach einem Schnupperpraktikum in der Textilwerkstatt am Theater in Bremen entschied er sich, das Schneiderhandwerk erlernen zu wollen.

Um sein neues Ich zu entfalten, bekommt er Hilfe von der Handwerkskammer Dresden und ihrem Bildungszentrum, für das ganz bewusst der Name njumii als Lautschrift für "new me" – englisch für "neues Ich" – gewählt wurde. Michael Slezak zog von Bremen nach Dresden, denn nur hier im njumii-Bildungszentrum konnte er sofort mit der Umschulung und Ausbildung zum Maßschneider beginnen.

Auf dem Weg zum Meisterbrief

Nach zwei Jahren hatte er den Gesellenbrief als Maßschneider mit der Fachrichtung Herrenmaßschneider in der Tasche. Derzeit arbeitet er in Teilzeit im Atelier Heike Winter in Dresden. Berufsbegleitend absolviert er den Maßschneider-Meisterkurs im njumii-Bildungszentrum. "Hier lerne ich weitere wichtige Fertigkeiten wie Maß nehmen, Schnittmuster erstellen und Kunden beraten", sagt Michael Slezak. Die schönsten Momente in seinem neuen Beruf? "Wenn ein Kunde sein Sakko anzieht und sich voller Freude im Spiegel betrachtet, weil es einfach viel besser sitzt als eines von der Stange." dhz

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