Freiburg -

Ausbildungsmarkt Minus sorgt für Sorgenfalten

Das Handwerk tut sich trotz vieler Anstrengungen nach wie vor schwer damit, sich auf dem Ausbildungsmarkt gegenüber der Konkurrenz zu behaupten.“ Handwerkskammerpräsident Johannes Ullrich fasste die Lage auf dem südbadischen Ausbildungsmarkt 2017/2018 bei der Bilanzpressekonferenz mit deutlichen Worten zusammen.

Die Zahlen bieten keinen Anlass zur Freude: Mit 2.330 neu eingetragenen Ausbildungsverträgen bis zum 30. September 2018 verzeichnete die Handwerkskammer Freiburg gegenüber dem Vorjahresmonat einen Rückgang von 133 Lehrverträgen bzw. ein Minus von 5,4 Prozent.

„Der negative Trend lässt sich zum Teil mit der vermeintlich geringeren Attraktivität einer handwerklichen Ausbildung erklären“, erläuterte Ullrich. „Daran arbeiten wir, indem wir verstärkt junge und selbstbewusste Handwerkerinnen und Handwerker in die Öffentlichkeitsarbeit einbinden. Ausstellungen wie ,Junge Wilde‘ oder ,Meisterstücke‘ erfahren große Resonanz und verdeutlichen den hohen Stellenwert einer handwerklichen Ausbildung.“

Service wird ausgebaut

Die Kammer wird 2019 ihren Service rund um das Thema Ausbildung noch einmal ausbauen – von der Berufsorientierung, deren Instrumente in enger Abstimmung mit den Kreishandwerkerschaften und Innungen geschärft werden sollen, über die passgenaue Besetzung von Ausbildungsstellen mit jungen Menschen, für die 2019 eine vom Bund geförderte Stelle eingerichtet wird, bis zur pädagogischen Begleitung von Auszubildenden, die Ausbildungsabbrüche vermeiden soll.

IHK-Präsident Dr. Steffen Auer sprach bei der Pressekonferenz in Offenburg auch die Herausforderung der wachsenden Heterogenität der Auszubildenden an. „Wir haben es vermehrt mit schwierigen Jugendlichen auf der einen und sehr gut qualifizierten Jugendlichen auf der anderen Seite zu tun, denen wir ein attraktives Umfeld bieten müssen.“ Diese Entwicklung zeigt sich auch im Handwerk: Der Anteil an Auszubildenden mit Abitur oder Fachhochschulreife erzielte 2018 mit 14 Prozent einen neuen Höchststand.

Minus sorgt für Sorgenfalten

Ullrich machte bei der Pressekonferenz auch deutlich: Das Handwerk ist – unabhängig von diesen Maßnahmen – auf Zuwanderung angewiesen. „Alleine aus dem Pool der hier aufgewachsenen jungen Menschen werden wir unseren Bedarf nicht decken können – mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Gesellschaft. Das geht an die Infrastruktur unserer Region.“

Er hob hervor, dass die südbadischen Handwerksbetriebe und die Kammer Freiburg in den vergangenen Jahren eine überproportionale Integrationsleistung erbracht haben. „Das tun wir zum einen aus dem Antrieb heraus, unseren Beitrag an dieser gesellschaftlichen Aufgabe leisten zu wollen, zum anderen aber auch aus strategischen Erwägungen. Die von Seiten der Politik geforderte Integration der Geflüchteten war gewissermaßen ein Übungsfeld für die zukünftig erwartete qualifizierte Zuwanderung.“

Für die nächsten zwei Jahre erwartet die Handwerkskammer aus dem Pool der seit 2015 in Deutschland befindlichen Geflüchteten vermehrt besser vorbereitete Interessenten an einer Ausbildung. Eine wachsende Zahl darunter hat inzwischen erfolgreich Integrations- und Deutschkurse absolviert. Diese 5-Jahres-Perspektive (durchschnittlich zwei Jahre Vorbereitung vor Beginn einer Ausbildung) hatte die Kammer bereits Anfang 2016 deutlich gemacht und bei Politik und Öffentlichkeit Geduld angemahnt.

Von dieser Gruppe erhoffen sich die Kammerverantwortlichen eine allmähliche Entlastung des dualen Systems, das aufgrund der fachlichen und sprachlichen Überforderung vieler Auszubildender in den vergangenen beiden Jahren sehr strapaziert wurde. Diese Erwartung wird auch dadurch gestützt, dass Ausbildungsverhältnisse ohne oder mit ausländischen Schulabschlüssen bereits 2018 einen leichten Rückgang von 1,3 Prozent erfuhren.

Bezahlbarer Wohnraum nötig

„Zudem erwarten wir über das geplante neue Einwanderungsgesetz positive Effekte in Bezug auf qualifizierte Fachkräfte für das Handwerk“, schloss Ullrich. Dabei bleibt die Zuwanderung aus Drittstaaten für die Kammer weiterhin nur ein Baustein unter vielen beim Thema Nachwuchsgewinnung aus dem Ausland. Nach wie vor engagiert sich die Handwerkskammer Freiburg mit der grenzüberschreitenden Ausbildung und dem Bundesprogramm MobiPro-EU auch in der innereuropäischen Migration.

Ein Thema ganz unabhängig von der Herkunft der Auszubildenden wird in den kommenden Jahren die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohn­raum für Auszubildende. „Wir werden hier von der Politik einfordern, dass die Unterbringung von Auszubildenden den gleichen Stellenwert einnimmt wie die Unterbringung von Studierenden. Wenn man die Gleichstellung von akademischer und beruflicher Bildung ernst meint, kann man dies an dieser Stelle unter Beweis stellen“, machte Wolfram Seitz-Schüle, Geschäftsführer der Handwerkskammer, im Umfeld der Pressekonferenz deutlich.

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