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Fachkräfte statt Akademiker MINT-Lücke hat sich verlagert

Die Zahl der Akademiker in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen wächst, die der beruflichen MINT-Fachkräfte sinkt. Obwohl das Handwerk in den vergangenen Jahren wieder mehr Auszubildende gefunden hat, klafft die Lücke zwischen gesuchtem und tatsächlichem Personal immer weiter auf. Wer am stärksten betroffen ist.

Deutschland braucht mehr Nachwuchskräfte, die sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik interessieren. Zwar steigt die Zahl der Universitätsabsolventen in den MINT-Fächern seit Jahren. Und auch aus dem Ausland wandern Spezialisten zu.

Aber: Während die Zahl der MINT-Akademiker zwischen 2011 und 2015 um 14 Prozent stieg, ist im gleichen Zeitraum die Zahl der beruflich qualifizierten MINT-Kräfte um 1,1 Prozent gesunken. Rein rechnerisch fehlen in Deutschland aktuell 314.800 MINT-Fachkräfte. 67 Prozent dieser Stellen können nur Facharbeiter, Meister oder Techniker füllen.

Die Struktur der MINT-Lücke hat sich damit verlagert, zeigt der MINT-Frühjahrsreport des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Statt Akademikern fehlen vor allem beruflich Gebildete.

Jede zehnte Lehrstelle leer

Das Handwerk bekommt diese Entwicklung schmerzhaft zu spüren. Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) blieb 2017 jede zehnte Ausbildungsstelle unbesetzt. Von 33 handwerklichen MINT-Berufen sind Elektroniker, Anlagemechaniker Sanitär Heizung Klima sowie Hörakustiker und Orthopädietechnik-Mechaniker am stärksten be­troffen.
Obwohl die Zahl der neu abgeschlossenen MINT-Ausbildungsverträge im Handwerk seit einigen Jahren steigt, klafft die Lücke zwischen Bedarf und potenziellen Bewerbern immer weiter auf.

Abwanderungstendenzen verschärfen das Problem. Schon jenseits der Altersgrenze von 45 Jahren scheiden immer mehr MINT-Fachkräfte aus ihrem Fach aus. Zudem schlössen viele der jüngeren Absolventen nach der Ausbildung ein Studium an. "Sie zählen dann zu den MINT-Akademikern“, kommentiert Axel Plünnecke, Professor am IW Köln und Autor des Frühjahrsberichts.

Zu wenige Fachkräfte, zu wenige Berufsschullehrer

Die akademische Lücke hat ebenfalls Auswirkungen auf das Handwerk. Die Zahl der Nachwuchslehrkräfte für Berufsschulen in den Fächern Technik, Informatik, Biologie und Biotechnik geht seit Jahren zurück, stellt das MINT-Nachwuchsbaromenter 2017 der Körber Stiftung fest. Darunter leidet die qualifizierte Berufsschulausbildung von Handwerksazubis.

Politik und Verbände bemühen sich seit Jahren, Nachwuchskräfte und vor allem Frauen für MINT-Fächer zu begeistern. Dennoch ist der Frauenanteil unter den beruflichen MINT-Fachkräften laut IW Köln zwischen 2011 und 2015 um 5,7 Prozent zurückgegangen. Im Handwerk stieg zwar zwischen 2013 und 2017 die Rate weiblicher MINT-Azubis um 14,3 Prozent. Dennoch kommen auf 100 MINT-Lehrlinge nur acht Frauen.

Geflüchtete können nur ein Baustein von vielen sein

Die Bemühungen, Geflüchtete im MINT-Bereich zu integrieren, zeigen immerhin Erfolge: Vor allem 2017 ist die Zahl der MINT-Arbeitskräfte aus Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea laut IW Köln enorm gestiegen, von 8.000 auf über 16.000. Im Handwerk lag der Anteil der ausländischen Auszubildenden in MINT-Berufen 2017 bei 9,4 Prozent. Doch könne die Integration von Menschen mit Fluchtgeschichte allenfalls ein Baustein von vielen zur Fachkräftesicherung sein, betont der ZDH.

Es sei wichtig, schon in der frühkindlichen Bildung und in Schulen das Interesse für MINT-Berufe zu fördern: Berufsorientierung, Praktika und Schnupperkurse müssten geschlechterneutral und an allen Lernorten – Gymnasien eingeschlossen – stattfinden.

Der Generalsekretär des ZDH Holger Schwannecke bringt das Problem auf den Punkt: "Wenn junge Menschen an den Schulen nicht von der Vielfalt der beruflichen Möglichkeiten – auch im MINT-Bereich – erfahren, können sie sich auch nicht für einen solchen Beruf entscheiden.“

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