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Mindestlohnerhöhung reduziert Arbeitszeit Minijob: Gebäudereiniger fordern Anhebung der 450-Euro-Grenze

Der gesetzliche Mindestlohn steigt in Stufen an. Damit sinkt jedoch die Arbeitszeit von Minijobbern. Die FDP möchte das verhindern und die Arbeitszeit an den Mindestlohn koppeln. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks fordert dagegen die Verdienstgrenze auf bis zu 500 Euro zu erhöhen.

Zwar ist der Antrag des Landes Nordrhein-Westfalen zur Dynamisierung der Minijobs erst Ende November im Bundesrat gescheitert, doch direkt danach hat die FDP-Fraktion im Bundestag das Thema für sich entdeckt und einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgestellt. Konkret geht es um die Arbeitszeit der Minijobber, die durch den steigenden Mindestlohn immer weiter sinkt.

Mussten Minijobber im Jahr 2015 noch 53 Stunden arbeiten, um die Entgeltgrenze von 450 Euro zu erreichen, so waren es im Jahr 2017 nur noch 51 Stunden. Diese Entwicklung, dass mit der Höhe des Mindestlohns die Arbeitszeit von Minijobbern sinkt, wird sich weiter fortsetzen. Schon im kommenden Jahr steht die nächste Mindestlohnerhöhung an und so wird die Arbeitszeit von Minijobbern auf nur noch 49 Stunden sinken.

Minijob: Entgeltgrenze abschaffen oder erhöhen?

In der Diskussion steht nun die Forderung danach, statt dem Verdienst von 450 Euro die Arbeitszeit als Basis der Berechnung für einen Minijob heranzuziehen – beispielsweise immer 53 Stunden pro Monat wie es das Land NRW vorgeschlagen hat. Konkret würde das bedeuten, dass die starre Entgeltgrenze von 450 Euro bundesweit abgeschafft werden würde. Stattdessen könnte die Grenze an die Entwicklung des Mindestlohns gekoppelt werden.

Probleme mit der Entwicklung der sinkenden Arbeitszeit sieht derzeit auch der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks. Doch statt eine kompletten Änderung der Minijob-Regelungen fordert der Verband nun mit Blick auf die bereits vereinbarten Lohnerhöhungen für 2019, dass die Bundesregierung die Entgeltgrenze für Minijobber kurzfristig anheben sollte. Der Vorschlag: Mindestens 475 bis 500 Euro.

Davon würden rund 120.000 Gebäudereinigerinnen und Gebäudereiniger in Deutschland profitieren, denn sie arbeiten als geringfügig Beschäftigte und sind nach Angaben des Branchenverbands von den Lohnerhöhungen abschnitten, die für die anderen rund 530.000 Beschäftigten des Gebäudereiniger-Handwerks ab Januar 2019 gelten. In einer Mitteilung zum Thema warnt der Bundesinnungsverband die Minijobber deshalb, dass sie ab 1. Januar 2019 ihre Arbeitszeit verkürzen sollten. Denn ansonsten drohe ein "Dilemma, da ab 451 Euro Verdienst durch die Abgabenlast der Nettoverdienst um 20 Prozent auf 362 Euro sinkt."

Personalmangel: Gebäudereiniger warnen vor sinkenden Arbeitszeiten

Gleichzeitig weisen die Gebäudereiniger darauf hin, dass die Betriebe der Branche bereits jetzt deutliche personelle Engpässe hätten und dringend die Mitarbeiter benötigen. "Den Unternehmen fehlt durch die Verkürzung diese Arbeitszeit, den Mitarbeitern das Geld", heißt es als Untermauerung der Forderung, dass die Entgeltgrenze dringend steigen müsse.

Die Forderung nach einer grundsätzlichen Erhöhung des Verdienstes von Minijobbern und der Kopplung an den Mindestlohn erhält Medienberichten zufolge auch die Zustimmung der Arbeitgeberverbände und dem Vorsitzenden der Minijobzentrale. Die Bundesregierung selbst hat sich bislang jedoch weder zu einer neuen Berechnungsbasis noch zu einer neuen Entgeltgrenze positioniert. jtw

Rente, Steuer, Sozialversicherung: Was grundsätzlich für Minijobber gilt, können Sie hier nachlesen.>>>

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