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Faktencheck Mindestlohn Mindestlohn: So wirkt er sich bisher aus

Was hat der Mindestlohn bislang gebracht und wie wirkt er sich auf längere Sicht aus? Verschiedene Studien haben die Folgen der Einführung des Mindestlohns analysiert. Die Ergebnisse sind nicht so schlimm wie Kritiker einst befürchteten.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Mindestlohn

Anfang 2015 wurde in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn eingeführt und zum 1. Januar 2017 zum ersten Mal erhöht. Nun gelten 8,84 Euro als allgemeine Lohnuntergrenze. Doch was hat der Mindestlohn bislang gebracht? Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben Analysen erstellt, die sich mit den Folgen befassen.

Mindestlohn: Weniger Minijobber

Dem IW Köln zufolge sind durch den Mindestlohn die Löhne von an- und ungelernten Arbeitnehmern deutlich angestiegen. Zugleich haben sich vor allem in Ostdeutschland einige Dienstleistungen spürbar verteuert. Dank der guten Wirtschaftslage hat das jedoch bislang kaum Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt – das kann sich laut der Studie aber jederzeit ändern.

Ein weiterer Effekt: Durch den Mindestlohn sind viele Minijobs gestrichen worden – glücklicherweise nicht ersatzlos. Viele Firmen haben die Jobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt, denn die Zahl der Beschäftigten in Deutschland ist insgesamt in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Nach Angaben des IAB waren das rund die Hälfte der weggefallenen Minijobs, die in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung übergingen. Zudem haben viele Arbeitnehmer Minijobs aufgegeben, die lediglich als Nebenbeschäftigung ausgeübt wurden.

Dieser Trend lässt sich besonders in Ostdeutschland beobachten, wo es viele Minijobs gab. Die Zahl der Zugänge in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag dort im Januar 2015 um 30 Prozent höher als im Jahresdurchschnitt 2014. In Westdeutschland gab es ein Plus von 17 Prozent.

Bislang nicht erfüllt hat sich die Hoffnung, dass die Anzahl der Hartz-IV-Empfänger sinkt. Nur bei den sogenannten Aufstockern – Erwerbstätige, die zusätzlich Hartz-IV beantragen können, weil ihr Einkommen so gering ist – ist die Zahl laut dem IAB-Bericht leicht rückläufig.

Mindestlohn lässt Preise steigen

Für Verbraucher hat der Mindestlohn durchaus auch negative Folgen. Beispielsweise haben sich Dienstleistungen wie etwa Taxifahrten deutlich verteuert. Auch in anderen Branchen stiegen die Preise seit dem Jahr 2015 überdurchschnittlich. Beispielsweise bei Haushaltshilfen, Friseurdienstleistungen oder Schuhreparaturen. Glücklicherweise stiegen dank der niedrigen Energiepreise die gesamten Verbraucherpreise jedoch nur um insgesamt 0,3 Prozent. Auch durch den Anstieg des allgemeinen Lohnniveaus konnten Verbraucher die Preissteigerungen ausgleichen.

Wie das IAB mitteilt, haben die meisten Firmen Zusatzkosten, die sich durch die Einführung des Mindestlohns ergaben, mit anderen Maßnahmen als mit Entlassungen ausgeglichen. Bei gut einem Fünftel der Betriebe gab es seit dem Start des Mindestlohns Preiserhöhungen. 

Arbeitszeit verkürzt und mehr Stress

Das IAB befragte rund 16.000 Betriebe. Von ihnen gaben rund 20 Prozent an, direkt oder indirekt vom Mindestlohn betroffen zu ein. Die Forscher haben sich vor allem die Antworten betroffener Betriebe angeschaut. Und von ihnen haben nur wenige Betriebe zum drastischsten Mittel – der Entlassung – gegriffen: Lediglich 4,7 Prozent.

10,4 Prozent der Firmen gaben jedoch an, bei der Einstellung neuer Mitarbeiter  zurückhaltender gewesen zu sein als vor der Einführung des Mindestlohns. Einige Stellen blieben deshalb sogar unbesetzt.

Nach Schätzungen des IAB wurden aufgrund des Mindestlohns rund 60.000 Stellen nicht geschaffen , die es ohne die Mindestlohnregelung heute gäbe. Das Urteil der Wissenschaftler: Diese Zahl zeige, dass der "negative Beschäftigungseffekt" wegen des Mindestlohns verhältnismäßig gering sei. Das zeigt sich deutlich bei der guten Arbeitsmarktentwicklung.

Eine weitere Maßnahme bei rund 20 Prozent der Unternehmen: Die Arbeitszeit der betroffenen Beschäftigten wird verkürzt und bestimmte Arbeiten müssen in geringerer Zeit erledigt werden.

Mindestlohn hat Folgen für Praktikanten

Veränderungen durch den Mindestlohn gab es aus Sicht von Praktikanten durchaus. So zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Clevis Consult, dass Praktika in Deutschland immer kürzer werden. Ausschlaggebend dafür dürfte die Tatsache sein, dass Praktikanten, die weniger als drei Monate in einer Firma sind, vom Mindestlohn ausgenommen sind.

So machten vor der Einführung des Mindestlohns nur elf Prozent der Praktikanten ein dreimonatiges Praktikum. Seitdem ist die Zahl jedoch auf 21 Prozent gestiegen. Die Dauer eines Praktikums insgesamt fiel im Schnitt von sechs auf fünf Monate.

Wie sich die Lage durch die Erhöhung am 1. Januar 2017 verändert, ist bislang noch nicht absehbar.

Der Beitrag wurde am 9. Februar 2017 aktualisiert.

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