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Mindestlöhne steigen Mindestlohn: So schneidet Deutschland im EU-Vergleich ab

Im Vergleich mit unseren direkten Nachbarländern liegt Deutschland mit dem Mindestlohn meist niedriger. Im gesamte EU-Vergleich zeigen sich bessere Werte. Ähnlich sind sich die Lohnuntergrenzen allerdings in der Entwicklung: Sie steigen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Mindestlohn

In 22 von 28 EU-Staaten gibt es Mindestlöhne. Mit 8,84 Euro pro Stunde liegt der deutsche Mindestlohn niedriger als in den meisten Nachbarländern. So bekommen Arbeitnehmer beispielsweise in Belgien 9,28 Euro, in den Niederlanden 9,52 Euro, in Frankreich 9,76 Euro und in Luxemburg sogar 11,27 Euro. Das sind allerdings nur die Werte, die die Kaufkraft außen vor lassen. Berücksichtigt man diese, so liegt Deutschland nach Luxemburg und Frankreich im EU-Vergleich auf Rang drei.

Diese Vergleichszahlen stammen aus dem Mindestlohnbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die zentrale Aussage des Berichts: die Mindestlöhne in der EU steigen – und das rasant. Seit Anfang 2016 konnten sie insgesamt ein nominales Plus von fünf Prozent erreichen und damit Zuwächse wie sie seit dem Jahr 2007 nicht mehr erreicht werden konnten. Real sei dies dank der niedrigen Inflationsrate für die Geringverdiener sogar „der höchste Zuwachs seit der Jahrtausendwende“.

EU-Land Mindestlohn am 1. Januar 2017 (Quelle: WSI)
Luxemburg 11,27 Euro
Frankreich 9,76 Euro
Niederlande 9,52 Euro
Belgien 9,28 Euro
Irland 9,25 Euro
Deutschland 8,84 Euro
Großbritannien 8,79 Euro
Slowenien 4,65 Euro
Spanien 4,29 Euro
Malta 4,25 Euro
Portugal 3,36 Euro
Griechenland 3,35 Euro
Estland 2,78 Euro
Polen 2,65 Euro
Kroatien 2,51 Euro
Slowakei 2,50 Euro
Tschechien 2,44 Euro
Ungarn 2,35 Euro
Litauen 2,32 Euro
Lettland 2,25 Euro
Rumänien 1,65 Euro
Bulgarien 1,42 Euro

 

Mindestlöhne steigen: Unterschiede zwischen den Ländern

So haben laut dem WSI 21 EU-Länder die staatlich festgelegten Untergrenzen im Laufe des vergangenen Jahres oder zum 1. Januar 2017 angehoben. Nur in Griechenland war dies durch die Vorgaben der internationalen Geldgeber nicht möglich. Die Tarifexperten des WSI sprechen bei der Entwicklung von einem Nachholbedarf, der nun deutlich werde und sich in den starken Anstiegen zeige. Dennoch sei der Mindestlohn gemessen am mittleren Lohnniveau in vielen Ländern nach wie vor niedrig, so das WSI.

Zwischen den Ländern mit Zuwächsen gab es allerdings erhebliche Unterschiede. In Westeuropa reichten die nominalen Anhebungen von 0,9 Prozent in Frankreich über vier Prozent in Deutschland bis zu 7,5 Prozent in Großbritannien. dpa

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