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Hohe Lebensmittelpreise Milch wird für kurze Zeit billiger

Milch und Milchprodukte sind in vielen Geschäften billiger. Verbraucher müssen aber damit rechnen, dass die Preise für Lebensmittel insgesamt steigen werden.

Der Aufsichtsratvorsitzende von Lidl und Kaufland, Klaus Gehrig, sagte der "Bild"-Zeitung, in den nächsten Monaten werde es bei Lebensmitteln einen Preisschub geben. Markenartikler, die sich bislang noch zurückgehalten hätten, würden jetzt nachziehen. Grund seien die weltweit dramatisch gestiegenen Nahrungsmittelpreise. In der Preispolitik bei Lebensmitteln sei mittlerweile ein Wendepunkt eingetreten. "Lebensmittel werden nicht billiger. Es wird Schwankungen geben, wie derzeit etwa bei der Milch. Aber die Zeit von dauerhaften Preissenkungen ist vorbei", sagte Gehrig.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) kritisierte die drastischen Milchpreissenkungen heftig. So verlangen Aldi und Lidl seit Montag nur noch 61 statt 73 Cent für den Liter frische Vollmilch. DBV-Geschäftsführer Helmut Born sagte dem Radiosender MDR INFO, dies sei "ein völlig falsches Signal, was Aldi aufgrund seiner Marktmacht durchdrückt".

Aldi nutze dabei aus, dass es im Frühjahr bei Milch tatsächlich ein Mehrangebot gebe. Im Trend gehe aber der Zeiger – wie bei allen Lebensmitteln – nach oben. Die Bauern hätten Kostensteigerungen, die wegen der Preispolitik von Aldi nicht mehr abgedeckt werden könnten, sagte Born.

Damit sei zu befürchten, dass bäuerliche Existenzen verloren gingen. Nach dem Preisanstieg im vergangenen Sommer habe Aldi angekündigt, alles zu versuchen, diesen wieder rückgängig zu machen. Dies tue der Discounter jetzt, obwohl er wisse, dass die Milchpreise in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen werden.

Kartellamt soll helfen

Als Konsequenz forderte der Bauernfunktionär: "Das Kartellamt muss es den Molkereien erlauben, gegenüber diesen großen Konzernen eine gegengewichtige Marktmacht aufzubauen." Notwendig seien "Konzentrationen auch auf Molkereiseite, die es erlauben, mit den großen Discountern auf gleicher Augenhöhe zu verhandeln".

Auch nach Einschätzung von Agrarökonomen werden die Preise für Lebensmittel in Zukunft hoch bleiben. "Die Welt wird sich an höhere Preise gewöhnen müssen", sagte der Generaldirektor des International Food Policy Research Institute (Ifpri), Joachim von Braun, in Berlin. Die Zeiten mit niedrigen Preisen wie vor etwa drei bis vier Jahren kämen schon allein aufgrund der hohen Energiepreise nicht wieder.

Durch den wachsenden Ölpreis gehe Getreide zunehmend in die Produktion von Biosprit. Nach Berechnungen des Ifpri sind 25 Prozent der Preissteigerung bei Weizen im vergangenen Jahr auf die gestiegene Nachfrage nach Biosprit zurückzuführen.

Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) forderte, bis auf weiteres keine neuen Biospritquoten zu beschließen. "Das Recht auf Nahrung wiegt schwerer als das Recht auf Mobilität", sagte die SPD-Politikerin.

Michael Wojtek/ddp


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