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Studie des IW Köln Mietpreise: Deutsche können sich größere Wohnungen leisten

Gute Aussichten für den Bau: In Deutschland fehlen rund 800.000 Wohnungen. Diese sollen in den nächsten Jahren gebaut werden. Bis es soweit ist, treibt die große Nachfrage die Mietpreise wohl noch weiter nach oben. Allerdings können sich das die Deutschen auch leisten, zeigt eine Studie.

Eine große Wohnung mit einer sehr günstigen Miete findet man in Deutschland derzeit vor allem dann, wenn man in den Landkreisen Dingolfing-Landau (Bayern) oder Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) sucht. Dort reicht ein Viertel des Einkommens aus, um eine Wohnung mit etwa 125 Quadratmeter zu bezahlen.

Ein Viertel des Einkommens ist der Wert, den Volkswirte als "vernünftiges Maß für die Mietbelastung" ansetzen. Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln haben anhand dieses Maßes, den aktuellen Mietpreisen der deutschen Landkreise und Städte und dem verfügbaren Durchschnittseinkommen berechnet, wo man in Deutschland derzeit am meisten Wohnfläche zur Verfügung hat.

Mietpreise steigen, aber Einkommen auch

Zwar sind die Mietpreise vor allem in den Großstädten in den vergangenen Jahren stark angestiegen, dennoch kommt das IW zu folgenden Ergebnissen für ganz Deutschland:

  • Die Menschen in vielen Regionen Deutschlands können sich heute größere Mietwohnungen leisten als noch vor sechs Jahren.
  • Im Schnitt kann ein privater Haushalt heute 94 Quadratmeter mieten, wenn er ein Viertel seines verfügbaren Einkommens dafür einsetzt. Das sind zwei Quadratmeter mehr als noch 2010.

Der Grund liegt in den gestiegenen Einkommen der Haushalte mit im Schnitt 11,5 Prozent. Die Mieten sind dagegen bundesweit seit dem Jahr 2010 nur um 10,2 Prozent gestiegen.

Weniger Wohnfläche in Großstädten

Schaut man genauer hin, zeigen sich jedoch sehr große regionale Unterschiede und vor allem Unterschiede zwischen Städten und ländlichen Regionen. So sind die Mieten vor allem in großen Städten wie Berlin (26 Prozent), München (14 Prozent) oder Hamburg (12 Prozent) zwischen 2010 und 2016 stark angestiegen. Die Kaufkraft liegt hier zwar auch höher als auf dem Land, doch der Anstieg der Einkommen gleicht den Mietanstieg dennoch weniger stark aus.

In den größten deutschen Städten kann sich ein Durchschnittsverdiener deshalb nur eine Wohnung von rund 70 Quadratmetern leisten, wenn er nicht mehr als 25 Prozent seines Einkommens ausgeben möchte.

Wohnungsbau zieht an

Angestoßen sind die Mietpreissteigerungen vor allem von der großen Nachfrage nach Wohnraum. So erlebte Berlin beispielsweise in den vergangenen sechs Jahren einen Bevölkerungszuwachs von fast einer Viertelmillion Menschen. Dementsprechend zieht auch die Bautätigkeit an und das IW rechnet deutschlandweit mit einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt. Doch das kann noch ein wenig dauern: Die Forscher gehen von drei bis fünf Jahren von der Planung bis zur Fertigstellung der Wohnungen aus. Laut Schätzungen des Mieterbunds fehlen in Deutschland derzeit 800.000 Wohnungen, die auch für die Flüchtlinge benötigt werden.

Nach Angaben des IW hat die seit vergangenem Jahr geltende Mietpreisbremse kaum Auswirkungen auf die derzeitig Entwicklung. Aufgrund der regional sehr deutlichen Unterschiede raten die Volkswirte der Politik, von flächendeckenden Programmen zur Unterstützung des Wohnungsbaus ab. Es sollte eher gezielt gehandelt werden wie etwa "die soziale Wohnraumförderung nur an bestimmten Standorten einzusetzen und dafür zu sorgen, dass die infrastrukturelle Versorgung der ländlichen Räume verbessert wird."

Höhere Mietpreise: Keine dramatische Entwicklung

Der Blick auf die Gesamtentwicklung zeigt, dass sich ein Durchschnittshaushalt nur in etwa einem Viertel aller Kreise und kreisfreien Städte weniger Wohnfläche leisten als vor sechs Jahren. Nur in fünf Prozent aller untersuchten Kreise liege die Durchschnittsmiete auf dem hohen Niveau von über neun Euro je Quadratmeter, teilen die IW-Volkswirte mit. Sie gehen von einer Durchschnittsmiete von 6,90 Euro aus.

Am wenigsten Wohnfläche kann sich ein durchschnittlicher Haushalt übrigen in den vier Universitätsstädten Trier, Freiburg, Heidelberg und Würzburg leisten. Dort ermöglicht ein Viertel des Durchschnittseinkommens gerade einmal rund 60 Quadratmeter an Fläche, also nur halb so viel wie in den Landkreisen Dingolfing-Landau oder Lüchow-Dannenberg. dhz/dpa

Zentrale Ergebnisse der Studie

  • Im Schnitt sind die Mieten in Deutschland seit dem Jahr 2010 um 10,2 Prozent gestiegen.
  • Das durchschnittliche Haushaltseinkommen ist in den vergangenen sechs Jahren bundesweit um 11,5 Prozent gestiegen.
  • Rund 94 Quadratmeter groß ist eine Wohnung, die sich die Deutschen im Schnitt für ein Viertel ihres Haushaltseinkommens leisten können. Das sind zwei Quadratmeter mehr als noch vor sechs Jahren.
  • Die Durchschnittsmiete liegt derzeit in Deutschland bei 6,90 Euro pro Quadratmeter.
Details der Studie des IW Köln können hier nachgelesen werden.>>>
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