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Smartphone mit Update auf Windows 10 Microsoft Lumia 640 im Test

Was kann ein Smartphone für nur etwa 150 Euro? Ziemlich viel, wie das Microsoft Lumia 640 im Test zeigt. Wer auf Luxushandys wie das iPhone 6S verzichten kann, sollte sich das Mitteklasse-Handy genauer ansehen. Zumal ein Update auf Windows 10 garantiert ist.

Wer ein zeitgemäßes Smartphone sucht, muss nicht zwangsläufig zu einem Android-Handy oder einem iPhone greifen. Zumindest dann, wenn es nicht absolute Oberklasse sein muss und der Geldbeutel geschont werden soll.

Microsoft bietet besonders im Mitteklasse-Segment seit geraumer Zeit gut ausgestattete Modelle an. Dazu gesellt sich auch das Lumia 640, das es in verschiedenen Varianten zu kaufen gibt. Das Standardmodell ist entweder mit zwei SIM-Karten-Plätzen oder dem schnellen Funktnetz LTE verfügbar. Beide Vorzüge in einem Smartphone gibt es für den deutschen Markt hingegen nur im größeren und rund 70 Euro teureren Lumia 640 XL.

Dual-SIM für 150 Euro

Den Test durchläuft das Standard-Modell mit Dual-Sim-Funktion. Die Variante mit Dual-Sim ist für Handwerker besonders deshalb interessant, weil mit zwei separaten Sim-Karten und Telefonnummern berufliche und private Gespräche voneinander getrennt werden können. Im Preissegement von rund 150 Euro, für die das Lumia 640 im Online-Handel zu haben ist, gibt es wenige Alternativen. Doch was bietet der Preisbrecher noch außer Dual-Sim?

Den günstigen Preis sieht man dem Microsoft Lumia 640 auf den ersten Blick nicht an. In der getesteten Farbvariante schwarz-matt wirkt das Smartphone sehr elegant und hochwertig - es könnte sich dem optischen Eindruck nach auch um ein 500-Euro-Handy handeln. Wem Schwarz zu langweilig ist, kann auch ein Gehäusecover in Weiß, Blau oder flippigem Orange wählen. Das Cover, das nicht nur die Rückseite, sondern auch den Rahmen des Smartphones umschließt, ist übrigens abnehmbar und lässt sich damit auch im Nachhinein noch gegen eine andere Farbe tauschen. Für 16 Euro lassen sich die Ersatzcovers kaufen. So haben Sie im Handumdrehen ein komplett umgestaltetes Smartphone.

Akku austauschbar, SD-Karten willkommen

Dank der abnehmbaren Rückseite lässt sich beim Lumia 640 auch der Akku tauschen. Ein Vorteil gegenüber so genannten Unibody-Gehäusen wie beim iPhone 6S oder Samsung Galaxy S6. Die Steckplätze für die Sim-Karten und den erfreulicherweise vorhandenen SD-Karten-Einschub sind ebenfalls durch die Abnahme des Covers zu erreichen.

Doch das abnehmbare Cover hat nicht nur Vorteile. Weil das Smartphone nicht aus einem Guss besteht, ist es nicht so verwindungssteif wie z.B. ein iPhone 6S. Wird Druck auf das Gehäuse ausgeübt, ist ein leichtes Knarzen zu vernehmen. Auch minimale Spaltmaße sind erkennbar. Insgesamt aber nur ein kleines Manko gegenüber den genannten Vorteilen.

Das Design des Lumia 640 überzeugt vor allem, weil es sehr schlicht gehalten ist. Klare Linien und Kanten zeichnen das Lumia 640 aus, das nicht experimentieren will. Auf der Rückseite befindet sich ein dezenter Microsoft-Schriftzug. Zusätzlich die Kameralinse und das LED-Licht, eine Neuerung gegenüber dem Vorgänger-Modell Lumia 630. Auch auf der Vorderseite befindet sich jetzt eine Kameralinse für Selfies.

Hosentaschen-Kompatibel

Der Bildschirm besteht aus wenig anfälligem Gorilla Glass. So übersteht das Smartphone auch gut einen kleinen Sturz und verzeiht es, wenn das Handy mit dem Schlüssel in einer Hosentasche landet.

Mit 5,0 Zoll bietet das Display eine praktische Größe und orientiert sich an den aktuellen Trends auf dem Smartphone-Markt. Im Gegensatz zum deutlich größeren Lumia 640 XL und anderen Phablets lässt sich das Lumia auch noch mit einer Hand bedienen und passt bequem in die Hosentasche.

Beim Gewicht zeigt sich das Lumia solide. 145 Gramm bringt es auf die Waage, zwei Gramm mehr als das iPhone 6S. Jedoch ist es relativ breit für ein aktuelles Smartphone. 8,8 Millimeter ist es dick. Das iPhone ist 1,6 Millimeter dünner. Noch schlanker ist z.B. das Kazam Tornado 348 mit nur 5,1 Millimetern.

Kacheln gewöhnungsbedürftig

Die große Umstellung für bisherige iPhone- und Android-Kunden zeigt sich allerdings erst nach dem Einschalten des Lumia 640. Das Microsoft-Handy arbeitet mit Windows 8.1 in der Mobile Version. Die Kachel-Optik auf dem Startbildschirm ist für Neueinsteiger in die Windows-Handywelt zunächst gewöhnungsbedürftig. Gegenüber den aufgeräumten Symbol-Menüs bei Android und iOS scheint einen Windows 8.1 erst einmal zu erschlagen. Alles ist bunt und die Kacheln mit Live-Inhalten, z.B. Nachrichten und Wetter, sorgen für zusätzliche Unruhe. Auch ungewöhnlich ist die alphabetische Listenansicht, wenn sich der Nutzer alle Apps auf dem Smartphone anschauen will.

Doch man gewöhnt sich erstaunlich schnell an die Windows-Welt und stellt dann fest, dass das System ähnlich durchdacht aufgebaut ist wie bei den Wettbewerbern Google und Apple. Erfreulich ist, dass Microsoft trotz des ohnehin schon günstigen Verkaufspreises noch einige Extras für Gerätekäufer spendiert. Dazu zählt eine einjährige kostenfreie Nutzung von Office 365 und ein dreimonatiges Bild-Plus-Abo.

Hinzu kommen einige vorinstallierte Apps, die das Lumia 640 von Wettbewebern abhebt.

Überzeugende (Offline-)Navigation

Allen voran ist die Navigationssoftware Here Drive+ zu nennen. Die Routenführung ist sehr exakt, die Sprachansage angenehm und vor allem ist die Navigation auch ohne mobile Internetverbindung nutzbar. Bei verschiedenen Handys mit Google-Maps-Navigation kam es in anderen Tests immer wieder zu Datenunterbrechungen, die im Straßenverkehr viele Nerven kosten können. Nicht so bei Here Drive+.

Allerdings ist es vorab nötig sich über eine WLAN-Verbindung die benötigten Länderkarten (weltweit) herunterzuladen. Da die Datenmengen sehr groß sind, stößt man schnell an die Grenzen des Speicherplatzes im Lumia 640. Da ab Werk nur acht Gigabyte Speicher vorhanden sind, von denen allerdings bereits 5 MB belegt sind, führt auf Dauer kaum ein Weg an einer externen Speicherkarte vorbei. Diese sind allerdings inzwischen kostengünstig zu haben.

Weitere nennenswerte Apps sind die Musik-Anwendung MixRadio, mit der sich kostenlos Musik streamen lässt, und das Programm FitBit, mit dem sich das Lumia 640 eingeschränkt als Fitness-Messer eignet. Allerdings hat das Lumia 640 dafür z.B. keinen Pulsmesser wie das Samsung Galaxy S6. Das ist in dieser Preisklasse aber auch nicht zu erwarten.

Eine nützliche Funktion ist zudem die Anzeige von Uhrzeit und eingehenden Benachrichtigungen im Ruhemodus des Lumia 640.

Windows-10-Update versprochen

Nicht überzeugen kann der vorinstallierte Internet Explorer. Der Browser ist nicht nur langsam, sondern auch wenig komfortabel in der Bedienung. Doch Interessenten des Lumia 640 sollten sich davon nicht abschrecken lassen. Schon bald wird der deutlich bessere Microsoft-Browser Edge verfügbar sein, den Microsoft zusammen mit dem garantierten Update auf Windows 10 Mobile in den nächsten Monaten auf das Smartphone bringen wird. Somit ist das Lumia 640 auch zukunftsfähig.

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Die Arbeitsgeschwindigkeit bei der Nutzung von Windows 8.1 geht in Ordnung. Gegenüber dem Lumia 630 wurde der Arbeitsspeicher auf 1 Gigabyte verdoppelt. Der Prozessor ist dagegen wie beim Vorgänger mit 1,2 Ghz getaktet und bietet vier Rechenkerne. Für den normalen Arbeitsgebrauch ist die Geschwindigkeit völlig ausreichend. Wer hingegen aufwendige Spiele auf dem Smartphone nutzen will, wird mit dem Windows Phone nicht glücklich werden. Allerdings gibt es hier auch kaum besser ausgestattete Geräte in dieser Preiskategorie.

Auch die Auflösung mit 1280 x 720 Pixeln und die Farbdarstellung auf dem Bildschirm sind solide. Zudem setzt Microsoft auf ein IPS-Display, dass sich auch bei seitlicher Betrachtung noch gut ablesen lässt. Im Sonnenlicht erschwert der spiegelnde Bildschirm allerdings die Arbeit.

Mäßige Fotos, starker Akku

Einen gemischten Eindruck hinterlässt die Kamera. Die integrierte Front-Kamera für Selfies kann nicht überzeugen und bietet sehr verwaschene und getrübte Aufnahmen. Besser macht es die Hauptkamera auf der Rückseite mit nun 8 Megapixeln. Auf dem Datenblatt bietet sie die gleiche Auflösung wie beim iPhone 6. Im Test reichen die Aufnahmen aber nicht an das viel teurere Apple-Produkt heran. Das ist aber keine Schande, weil die Bilder trotzdem sehr ordentlich gelingen für ein Mittelklasse-Smartphone. Einen merklichen Qualitätsabfall gibt es jedoch bei Aufnahmen in geschlossenen Räumen mit schlechten Lichtverhältnissen.

Leider fehlt gegenüber dem größern Lumia 640 XL ein optischer Bildstabilisator, so dass man besonders beim Filmen eine ruhige Hand bewahren muss, damit die Aufnahmen nicht verwackeln.

Einen guten Eindruck hinterlässt hingegen der Akku mit einer Kapazität von 2500 mAh. Selbst bei intensiver Ntuzung von Telefon, Apps und Internet hält er locker einen Tag durch. Sparsame Nutzer können auch über mehrere Tage mit einer Akkuladung auskommen.

Fazit

Wer sich auf die Windows-Welt einlässt, bekommt mit dem Microsoft Lumia 640 für 150 Euro jede Menge Ausstattung und eine solide Verarbeitung. Besonders gefällt die Navigationssoftware. Abstriche gibt es bei der Kameraqualität. Preisbewusste Käufer können bedenkenlos zuschlagen. Es muss nicht immer ein iPhone sein.

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