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Nach dem Studium ins Handwerk Metzgerei statt UNO

Studium in Berlin und Paris, Praktikum bei der UNO in New York und jetzt Juniorchefin in einer Fleischerei in einem kleinen Dorf in Hessen. Katharina Koch hat einen ungewöhnlichen Lebenslauf und bereut keine ihrer Entscheidungen.

Katharina Koch ist 30 Jahre alt, engagiert sich im Juniorenverband des deutschen Fleischerhandwerks und wird nächstes Jahr die Fleischerei von ihrem Vater Metzgermeister Thomas Koch übernehmen. Auch ihre Mutter Sigrun und ihr Bruder Benjamin arbeiten im Familienbetrieb. Soweit ist das nicht ungewöhnlich. Aber wenn man erfährt, was die junge Frau nach ihrem Abitur alles erlebt hat, dann ist man schon erstaunt darüber, dass sie sich für die berufliche Perspektive in der Metzgerei entschieden hat.

Nach der Schule machte sich Koch erstmal auf den Weg nach Berlin, um dort an der Freien Universität Politik zu studieren. "Ich wollte nach dem Abitur noch was anderes sehen", sagt Koch, die in der 6.000 Einwohner-Gemeinde Calden in der Nähe von Kassel aufgewachsen ist. Ihre Eltern machten ihr keinen Druck und die junge Frau konnte es sich damals noch nicht vorstellen im Familienbetrieb zu arbeiten.

Die Tür zur Fleischerei stand immer offen

Lieber wollte sie die Welt der Politik kennenlernen. Ihr Weg führte sie von Berlin nach Frankreich und in die USA. Parallel zu ihrem Bachelor-Studium in Berlin arbeitete Katharina Koch als studentische Mitarbeiterin im Deutschen Bundestag, im Büro des damaligen FDP-Abgeordneten ihres Wahlkreises Waldeck-Frankenberg. Für ihren Master ging sie sogar nach Paris und erhielt einen Praktikumsplatz bei den Vereinten Nationen in New York. Mit diesem Hintergrund standen ihr die Türen offen, um in einer internationalen politischen Organisation zu arbeiten. Aber sie entschied sich für die Tür zur Landfleischerei Koch, die ihr Vater immer offen gelassen hatte. "Wie wäre es, wenn du nach dem Studium zurück kommst und meinen Betrieb übernimmst?", hatte er seine Tochter mal gefragt. Eine Idee, die die damalige Studentin immer begleitete. Sie kannte die Arbeit in der Metzgerei ja schon aus ihrer Kindheit und ihre beiden älteren Brüder hatten kein Interesse den Betrieb zu übernehmen.

Katharin Koch, Landfleischerei

Nun arbeitet sie seit drei Jahren als Juniorchefin im kleinen Handwerksbetrieb in Hessen und bereut keine ihrer Entscheidungen: "Die Arbeit macht mir Spaß, vor allem die Abwechslung. Aber auch das Studium würde ich jederzeit wieder machen.“ Manch einer würde die fünf Jahre Studium vielleicht als verlorene Zeit betrachten, aber nicht Koch. "Ich habe so viel Positives mitgenommen: eine anderes Selbstbewusstsein, mich selbst zu organisieren und das analytische Denken kann ich auch hier in der Metzgerei gut gebrauchen", sagt sie und lacht. Sie organisiert jetzt viele Arbeitsabläufe anders, ihren Vater freue es, dass sie ihre eigenen Ideen einbringt.

Im März 2017 bei der 140-Jahr-Feier wird sie den Betrieb mit 15 Mitarbeitern offiziell übernehmen. Ihren außergewöhnlichen Lebenslauf möchte sie bis dahin noch mit dem Verkaufsleiterkurs an der Meisterschule in Frankfurt und der Weiterbildung zur Metzgermeisterin ergänzen.

Gute Kommunikation hilft nicht nur in der Politik

Im Betriebsalltag ist Koch vor allem eine gute Kommunikation wichtig. Morgens um 6 Uhr steht sie bereits im Laden, unterhält sich mit Kunden und muss ihre Mitarbeiter führen. Außerdem betreibt sie viel Pressearbeit, um den Betrieb bekannter zu machen und neue Kunden und Mitarbeiter zu gewinnen. "Mit meinen Kenntnissen aus dem Studium möchte ich helfen Vorurteile gegenüber unserem Berufsstand abzubauen."

Neben dem Problem, dass das Metzgerhandwerk bei Lehrlingen nicht sehr beliebt ist, kommt bei ihrem Betrieb noch der schlechte Standort in einer Seitenstraße von Calden hinzu. "Das heißt ich muss kräftig die Werbetrommel rühren", sagt die angehende Metzgermeisterin. Ihre Arbeit macht sich bereits bezahlt: Dieses Jahr hatte sie sogar zu viele Bewerber für ihre zwei Ausbildungsplätze.

Werbung für das Metzgerhandwerk macht sie zum Beispiel auch auf Messen und in Schulen und im Rahmen ihrer Arbeit beim Juniorenverband des deutschen Fleischerhandwerks. Bei ihrer Arbeit im Verband kommen ihr sicherlich auch die Kenntnisse aus dem Politikstudium zu Gute. Koch hofft in Zukunft auf noch mehr Menschen mit einem ähnlichen Lebenslauf: "Ich finde wir können im Handwerk nur gewinnen, wenn wir mehr Quereinsteiger für unseren Beruf begeistern."

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