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Bürgschaftsbanken sichern Finanzierung ab Metallbauer modernisiert mit Plan und Perspektive

Roland Kuhz hat seinen Metallbaubetrieb mit Hilfe der Bürgschaftsbank modernisiert und auch in digitale Projekte investiert.

Das A und O ist eine ausgefeilte Planung. Anders kann es Roland Kuhz nicht sagen. Wenn er nicht so planvoll auftgetreten wäre mit seinem Business- und Ertragsplan, hättte er vor zwei Jahren für eine Modernisierung nicht so problemlos seinen Kredit von der Bank und eine Bürgschaft von der Bürgschaftsbank bekommen.

Schon 2011 hat sich der 36-jährige Metallbauer aus dem mecklenburgischen Bad Doberan mit dem Bau von Bootstrailern (Anhänger für den Transport von Booten) selbstständig gemacht. Das, was er vorher im Nebenerwerb erledigt hat, wurde ihm zu viel. Also, warum nicht gleich einen eigenen Betrieb aufmachen. Schließlich hockte er bei seinem alten Arbeitgeber eh die meiste Zeit vor dem Computer. "Ich habe nicht mehr gewusst, was ich am Ende des Tages gemacht habe", schildert Kuhz die Situation. Und der Bau von Boots­trailern entpuppte sich als unerwartet interessanter Markt.

Kunden in der Schweiz und in Skandinavien

Seine Geschäftsidee hatte der passionierte Angler, als er einen Trailer, den er mit einem Boot dazugekauft hatte, selbst wieder zum Verkauf anbot. Der Käufer reiste letztlich nur für dieses Angebot aus Düsseldorf an. Roland Kuhz witterte also einen Bedarf für individuell hergestellte ­Trailer.

Inzwischen hat er fünf Mitarbeiter und verkauft seine Trailer in die Schweiz, nach Dänemark oder auch nach Finnland. Das Geschäft entwickelte sich so erfolgreich, dass er zwischenzeitlich seinen Betrieb modernisieren musste. Jedes Jahr baut er mehr als 100 Anhänger. Metallbau Kuhz war so erfolgreich, dass dem Chef gar nichts anderes übrig blieb, als den Betrieb zu erweitern. Bootstrailer gab es zwar als Serienprodukte auch woanders, doch wenn jemand ein individuelleres Modell brauchte, war Kuhz Metallbau erster Ansprechpartner: Sonderanhänger auf Kundenwunsch. Mitbewerber gibt es kaum. Seit 2013 bietet das Unternehmen auch Balkone, Geländer, Treppen und Zäune für Baustellen.

Irgendwann fehlte es dem Unternehmen vor allem an Platz. Also setzte sich der Chef mit allen Mitarbeitern zusammen, um festzulegen, welche Maschinen benötigt wurden und wie sie der Fertigung entsprechend anzuordnen seien. "Am Ende mussten wir nur noch vier Striche drummachen und die Halle war geplant", erläutert Kuhz.

Detaillierte Pläne überzeugten die Bank

Im Herbst 2015 stellte der Metallbauermeister seiner Bank die Pläne vor. Umsatz- und Ertragsvorschau, Liquiditäts- und Businessplan – alles bis ins Detail ausgearbeitet, so dass die Bank kein Problem hatte, eine Finanzierung zu unterstützen. Nach einem Rating, dem Grundschuldeintrag auf sein Grundstück und dem Abschluss einer Risiko-Lebensversicherung stand dem Kredit nichts mehr im Weg. Zur Absicherung verwies das Kreditinstitut auf die Bürgschaften der Bürgschaftsbank.

Kuhz kaufte neben der Produktionshalle einen Kran und eine ­sonderangefertigte CNC-Bandsäge. Doch der junge Firmenchef kümmerte sich nicht allein um die technische Ausstattung der Produktion.Der Metallbauer investierte zusätzlich in Energieeffizienz und Digitalisierung. Das Dach des Neubaus rüstete er mit einer Photovoltaik-Anlage aus. Den erzeugten Strom verbraucht Kuhz seitdem im Betrieb selbst. Überschüsse speist er ins Netz. Die Vergütung dafür investiert der Firmenchef wiederum in Stromkäufe während der dunklen Jahreszeit.

Digital hat Kuhz ebenfalls aufgerüstet. Seine Maschinen und Anlagen sind netzwerkfähig, so dass er Programme vom Büro aus direkt zum Beispiel für eine Säge einspielen kann. 1.000 Meter Netzwerkkabel durchziehen die Halle. Jede Maschine hat ihre eigene IP-Adresse und wird mit Daten aus der Arbeitsvorbereitung gefüttert. Jeder Mitarbeiter hat sein eigenes Tablet und kann sich bei Bedarf die Arbeitsaufträge über WLAN abrufen. „Wenn ich nicht vor Ort bin, weiß trotzdem jeder, was er zu tun hat“, sagt Kuhz.

Weiche Faktoren sind für ­Banken schwer abzusichern

Für diese vorausschauenden Investitionen und das Aufstellen der geschäftlichen Tätigkeit auf zwei Standbeine erhielt Kuhz im März den Handwerkspreis der Bürgschaftsbanken. Da digitale Projekte nicht immer bereitwillig von Kreditinstituten finanziert werden, war die Bürgschaft um so wertvoller.

Denn Projekte, die für eine Unternehmensmodernisierung wichtig sind, erhöhen bei der Bank nicht unbedingt die Chancen bei der Kreditvergabe. "Für Kreditinstitute ist es schwierig, solche Maßnahmen zu besichern", sagt Guy Selbherr, Vorsitzende des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB). Denn weiche Faktoren wie Cloud-Computing, Datenanalyse oder Mitarbeiterqualifzierung stärkten zwar langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe, schwächten aber erst einaml deren Ertragskraft, weil solche Projekte vorfinanziert werden müssen. Während Maschinen leicht als Sicherheit für Kredite heranzuziehen seien, gelte dies nicht für diese Form der Investitionen. "Die Bürgschaftsbanken schließen diese Sicherheitslücken und bürgen für Handwerkskredite gegenüber ihren Hausbanken", so Selbherr.

Die Betriebserweiterung dagegen ist für die Bürgschaftsbank ein zentrales Geschäftsfeld, eine Absicherung eines Bankkredits deshalb auch nichts Außergewöhnliches. Für Roland Kuhz war es eine willkommene Entlastung. "Die Absicherung durch die Bürgschaftsbank gibt einem ein sicheres Gefühl", sagt der Firmenchef, der vorher nichts von dieser Möglichkeit wusste. Eines bleibe einem dennoch nicht erspart: "Man muss die Bank überzeugen."

Bürgschaftsbanken

Welchem Zweck dienen Bürgschaften?
Der Anteil der Existenzgründungen hat laut Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB) seit 2010 um 15 Prozent zugenommen. 2017 sind trotz rückläufiger Gründungszahlen demnach mehr Bürgschaften für Gründungs- und Übernahmevorhaben vergeben worden. Das Volumen der Bürgschaften und Garantien (Absicherungen für Beteiligungen) für Existenzgründungen stieg um mehr als sechs Prozent an, die dadurch ermöglichten Kredite und Beteiligungen um sieben Prozent.

Welche Wirtschaftszweige bekamen Bürgschaften?
2017 erhielten Handwerker fast ein Viertel (1.372) aller Bürgschaften und Garantien. 23 Prozent entfielen auf Dienstleistungsunternehmen und sonstige Branchen. Auf Platz drei und vier folgen Handelsunternehmen und die Industrie. Insgesamt ging zwar die Anzahl an Bürgschaften zurück, doch das Volumen der Bürgschaften und Garantien sowie der damit ermöglichten Kredite und Beteiligungen stieg in fünf und sechs Branchen an.

Welche Betriebe kommen an eine Bürgschaft?
Die Bürgschaftsbanken fördern vor allem Klein- und Kleinstbetriebe. Zwei Drittel aller Bürgschaften und Garantien entfielen 2017 in die Größenklassen bis zu einer Viertelmillion Euro. Die Größenklassen von 50.000 bis 250.000 machten etwas mehr als die Hälfe aus. Die meisten Bürgschaftsanträge kamen 2017 von den Sparkassen. Dahinter folgen die Genossenschaftsbanken.

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