Politik + Wirtschaft -

ZDH-Vollversammlung Merkel will sich in Brüssel für Meisterbrief einsetzen

Die Bundeskanzlerin weiß, wie wichtig der Meisterbrief und die duale Ausbildung für die Zukunft des Handwerks ist. Auch in Brüssel will sie sich dafür einsetzen.

Merkel beim ZDH
Angela Merkel will sich in Brüssel für den deutschen Meisterbrief einsetzen. Über die Einschätzung der OECD, Deutschland habe zu wenige Akademiker, zeigte sie sich empört. -

Die Abschaffung des Meisterbriefes bleibt für Bundeskanzlerin Angela Merkel auch weiterhin ein Tabu. "Wir werden uns nicht nur in Deutschland für den Meisterbrief einsetzen, sondern auch in Europa", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Vollversammlung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks in Berlin.

Alles andere würde die gesamte Qualität der Berufsausbildung schmälern und das werde die Bundesregierung nicht zulassen. Wenn Anfang November die neue Kommission in Brüssel im Amt sei, wolle die Bundesregierung dies auch wieder deutlich machen.

Scharfe Kritik an OECD-Studie

Scharfe Kritik übte die Kanzlerin an der Statistik der OECD, nach der Deutschland mit der Zahl der Hochschulabsolventen immer noch unter dem OECD-Durchschnitt liege. "Genau das zeigt, dass wir zukunftsorientiert sind", sagte Merkel. Denn mit der im Vergleich zu anderen europäischen Ländern deutlich stärker ausgeprägten dualen Ausbildung in Deutschland, liege Deutschland zwar unter dem OECD-Durchschnitt, habe aber auch keinen Überhang an Studenten, die in den gesuchten Bereichen nicht eingesetzt werden könnten.

Angela Merkel kritisiert die OECD-Statistik

Wollseifer fordert Investitionen in Infrastruktur

Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer dankte Merkel für das Versprechen, den Meisterbrief auch in Brüssel mit "Klarheit" vertreten zu wollen und ihr Bekenntnis zur Selbstverwaltung der Kammern. Nach Ansicht Wollseifers bedarf es allerdings nicht nur einer guten dualen Ausbildung, um den Anschluss an neue Technologien und die Zukunftsfähigkeit nicht zu verlieren. Ganz entscheidend sei auch eine gut funktionierende Infrastruktur.

Dies gelte für Verkehrswege und den digitalen Netzen gleichermaßen. "Es sind die Handwerksbetriebe, die sich darum kümmern, dass die ländlichen Räume nicht ausbluten", mahnte er schnellere Internetverbindungen auf dem Land an. Merkel ist sich des Problems durchaus bewusst und versprach bis spätestens 2018 überall in Deutschland ein schnelles Internet mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde.

Hans Peter Wollseifer zur schlechten Breitbandversorgung

Merkel will Anreize für mehr Energieeffizienz

Nachholbedarf sehen sowohl die Bundeskanzlerin wie der ZDH-Präsident beim Thema Energieeffizienz. Im Herbst solle dieses Thema weiter in den Fokus rücken, versprach die Kanzlerin. Das Thema Gebäudesanierung werde in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielen. Wie Merkel weiter sagte, werde die Regierung das KfW-Programm zur energetischen Gebäudesanierung "im Rahmen des finanziell machbaren" ausbauen. Auch altersgerechtes und energieeffizientes Bauen solle weiter gefördert werden, sagte sie.

Angela Merkel kündigt Einsatz für die energetische Gebäudesanierung an

Hoffnung auf die steuerliche Absetzbarkeit von energieeffizienten Investitionen machte die Kanzlerin allerdings nicht. Auch das Thema "kalte Progression" will die Kanzlerin nicht allzu schnell angehen: Das Thema kalte Progression bleibe zwar weiterhin auf der Agenda, versprach sie. Zu allererst müsse aber die "Schwarze Null" im Haushalt 2015 erreicht werden.

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke zeigte sich nach Merkels Rede zuversichtlich, dass sie sich in Brüssel für den Meisterbrief und das duale Ausbildungssystem stark macht. "Wir werden uns darauf verlassen ", so Schwannecke. text: bir / video: jtw

Holger Schwannecke nimmt Merkel beim Wort

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten