Meinung -

Leitartikel zur Meisterpflicht Merkels Bekenntnis

Die große Koalition weiß um den Wert des Meisters und kündigt an, ihn auch in Brüssel verteidigen zu wollen. An ihren Taten werden wir die Regierung messen.

Burkhard Riering
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Angela Merkel ist eine feste Größe auf den zentralen Veranstaltungen der großen Wirtschaftsverbände. Hier kann die Bundeskanzlerin Werbung für ihre Wirtschaftspolitik
machen und manches zurechtrücken, was in der Vergangenheit aus Sicht der Unternehmer nur suboptimal gelaufen ist. Charming Angela.

Als die Kanzlerin jüngst zu Gast beim Zentralverband des Deutschen Handwerks war, wusste sie, was die Gäste gerne hören wollten. Sie wolle sich, sagte sie, für den Erhalt des Meistervorbehalts einsetzen, nicht nur innerhalb der Bundesregierung, „sondern auch in Brüssel“. Das Bekenntnis Merkels zum Meisterbrief kam sehr gut an. Und an den Taten, die diesen Worten folgen mögen, möchten wir die Bundeskanzlerin messen.

Der Meister bekämpft Jugenarbeitslosigkeit

Denn es geht hier um nichts ­weniger als das Rückgrat des deutschen Arbeitsmarkts. Nur mit einer Meistervoraussetzung werden in Deutschland noch auf breiter Ebene Jugendliche ausgebildet, nur so wird das System der dualen Ausbildung weiter funktionieren. Handwerksbetriebe in Deutschland bilden mehr als ein Viertel aller Lehrlinge aus. Das hat auch eine große gesellschaftliche Komponente. Sie holen Jugendliche von der Straße, die es sonst im Leben schwer hätten. Sie geben ihnen eine Zukunft.

Das müsste für Brüssel eigentlich ein Signal sein: Dort, wo es innerhalb Europas so etwas nicht gibt, sollte es schleunigst eingeführt werden. Denn es hat Erfolg. Oder wie Handwerkspräsident Wollseifer es ausdrückt: „Die duale Ausbildung und die Meistervoraussetzung sind das beste Breitband-Antibiotikum gegen Jugendarbeitslosigkeit.“

Hoffentlich wird das in Brüssel verstanden. Denn trotz des ganzen internationalen Lobes fürs deutsche System hat die EU-Kommission einen Vorstoß gemacht, um alle Berufszugangsbeschränkungen in Europa zu überprüfen. Dieses Verfahren läuft noch. Es ist auch nur recht und billig, dass die Kommission sich die europäischen Arbeitsmärkte anschaut. Nur darf am Ende nicht das Falsche damit gemacht werden: Nämlich den Markt kaputtzure­formieren.

Was macht Elzbieta Bienkowska?

Der scheidende Binnenmarktkommissar Michael Barnier hatte im Februar 2014 in einem exklusiven Gastbeitrag für die Deutsche Handwerks Zeitung klargestellt, dass es keinen „Angriff“ auf die deutsche Handwerksordnung gibt. Die Ziele der Brüsseler Evaluierung seien andere. Aber unklar bleibt weiterhin, wie weit dieses Zugeständnis reicht und welche Schlüsse am Ende aus den gesammelten Daten gezogen werden. Dies wird nun Aufgabe von Barniers Nachfolgerin sein, der Polin Elzbieta Bienkowska.

Das Brüsseler Verfahren ist langwierig. Zurzeit trägt das Bundeswirtschaftsministerium beispielhaft für zwei Branchen zusammen, wie sich Meistervorbehalt und duale Ausbildung in Deutschland darstellen.

Koalition ist sich einig

Hierzulande spricht die große Koalition zum Glück mit einer Stimme. Sowohl die Bundeskanzlerin und CDU-Chefin als auch Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel wissen um den Wert des Systems. Sie werden den Meister in Brüssel verteidigen.

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