Meister im Handwerk -

Zulassungsvoraussetzung im Handwerk Handwerk und Gewerkschaften setzen sich für Meisterpflicht ein

Fliesenlegerhandwerk und IG Bau machen sich für die Wiedereinführung der Meisterpflicht stark.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Meister im Handwerk

Im aufziehenden Bundestagswahlkampf will das Fliesenlegerhandwerk und die Gewerkschaft IG Bau verstärkt für die Wiedereinführung des Meisterbriefes werben. "Das ist ein schwerer Weg, und es wird noch dauern", sagte Karl-Hans Körner, Vorsitzender des Fachverbandes Fliesen und Naturstein im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Gleichwohl wolle man dafür kämpfen und das Gespräch mit den Politikern suchen. Ziel sei die Wiederaufnahme der Gewerke der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger sowie der Beton- und Terrazzohersteller und der Estrichleger in die Anlage A der Handwerksordnung. Die Politik müsse begreifen, dass die Abschaffung ihrer Meisterpflicht ein großer Fehler gewesen sei und dass man dies korrigieren müsse, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Dietmar Schäfers.

CDU-Politikerin Strothmann warnt vor zu großen Versprechungen

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Lena Strothmann kennt die negativen Folgen der Abschaffung der Meisterpflicht in diesen Gewerken. "Schnell waren wir uns einig, dass die Fliesenleger besonders unter den Auswirkungen der Novellierung der Handwerksordnung leiden", sagte sie nach einem gemeinsamen Gespräch mit Körner und Schäfers. "Es war breiter Konsens, dass wir hier etwas tun müssen." Gleichwohl plädiere sie dafür, keine populistischen Versprechungen für eine Wiedereinführung der Meisterpflicht für alle 53 Gewerke zu machen, die man nachher nicht halten könne. "Wir können uns nicht über verfassungs- und europarechtliche Aspekte hinwegsetzen und müssen vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Brüssel und mit dem Dienstleistungspaket der Europäischen Kommission sorgfältig überlegen, an welcher Stelle wir tatsächlich etwas für das Handwerk bewegen können", sagte sie. Man wolle aber weiter im Gespräch bleiben.

Wettbewerbsverzerrungen machen alt eingesessenen Betrieben zu schaffen

Wie Körner deutlich machte, ist seit der Abschaffung der Meisterpflicht im Jahr 2003 allein im Fliesenlegerhandwerk die Zahl der Betriebe von 12.401 im Jahr 2004 auf knapp 70.000 (69.729) im Jahr 2016 gestiegen. Viele von ihnen seien Soloselbständige, die sich ohne jede Ausbildung selbstständig machen könnten, beklagten Körner und Schäfers. Gleichzeitig sei die Zahl der Auszubildenden um rund 30 Prozent auf 2.239 und die Zahl der bestandenen Meisterprüfungen um 70 Prozent auf  114 im Jahr 2015 zurückgegangen. Problematisch sei auch der Unterbietungswettlauf mit Dumpingangeboten, dem viele normal kalkulierende Betriebe nicht standhalten könnten. Zudem hielten Scheinselbstständigkeit und Schwarzarbeit zunehmend Einzug in die Branche. Schäfers sprach von "Beihilfe zur illegalen Beschäftigung".

Kranken- und Rentenversicherung für Soloselbständige gefordert

Meisterbetriebe mit einem Stundenverrechnungssatz von rund 54 Euro könnten weder mit dem Stundenverrechnungssatz eines Polen von rund 21 Euro noch mit dem eines Scheinselbständigen von unter 20 Euro mithalten, hieß es weiter. Auch deshalb forderten das Baugewerbe und die IG Bau, dass Selbstständige sowohl kranken- als auch rentenversichert sein müssten, da viele Soloselbständige sonst im Alter zu Sozialfällen würden. In den kommenden Wochen wollen Verband und Gewerkschaft mit weiteren Politikern sprechen.

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