Erfurt -

Metallbau im Bauhaus Meister und Werkstätten: Bauhaus im Blick

Sie reisen gedanklich 100 Jahre zurück, bleiben dennoch in der Gegenwart und könnten sogar die Zukunft sein: Anna-Lena Andreß (18), Julian Bohne (20), Christopher Herwig (18) und Josefine Spalek (17) lernen in der Walter-Gropius-Schule in Erfurt und schreiben ihre Seminarfacharbeit über die Ideen des Namensgeber ihrer Schule.

Der Arbeitstitel: „Metallbau im Bauhaus“. Ein Thema, das sich für die Schüler anbietet. „Drei von uns sind sowieso in der Metalltechnik. Da lag es nahe, sich mit der Metallwerkstatt im Bauhaus zu beschäftigen“, sagt Anna-Lena Andreß. Auch Julian Bohne findet die Idee gut. Ihn habe das Bauhaus schon immer fasziniert, auch deswegen habe sich der Weimarer für das Lernen an der Walter-Gropius-Schule entschieden. Am Handwerkergymnasium absolvieren die Schüler parallel zum Abitur Teile der Meisterausbildung. Im Idealfall beschäftigen sie sich so nicht nur mit den Meistern von gestern und heute, sondern sind die Meister von morgen.

Bereits vor den Herbstferien im Oktober müssen die Gymnasiasten ihre schriftliche Arbeit abgeben, fünf Seiten pro Schüler sind Pflicht. „Das ist sehr wenig, wenn man überlegt, was man alles sagen möchte“, finden sie. Daneben fertigen sie ein eigenes Werkstück an, voraussichtlich eine kantige Wandlampe, die ihnen später als Referenz im Lebenslauf dienen kann. „Sie ist definitiv vom Bauhaus inspiriert, wird aber neu interpretiert“, sagt Anna-Lena Andreß.

Die Lampe entsteht in der Werkstatt der Schule, nach dem regulären Unterricht. Die Arbeit mit Metall kennen die Schüler schon aus ihrer Freizeit. „Ich interessiere mich dafür und habe selbst schon eine Lampe gebaut“, sagt Julian Bohne. Christopher Herwig, der in der Klasse der Bautechniker ist, habe bisher vor allem mit Holz gewerkelt, freue sich aber auf die Abwechslung, die ihm die Seminarfacharbeit bietet. Ziel der Vierergruppe ist es, das Werkstück schon bis zu den Sommerferien fertig zu haben.

Schwere Recherche

Die Aufgaben, die die erste wissenschaftliche Arbeit mit sich bringt, haben sie sich bereits grob eingeteilt. Die beiden jungen Frauen werden sich mit den damaligen Meistern und Werkstätten des Bauhauses sowie dem Design und der Produktionsanleitung beschäftigen. Leicht ist die Theorie nicht. „In der Bibliothek in Weimar haben wir gerade einmal ein Buch über die Metallwerkstatt gefunden“, sagt Josefine Spalek. Weitere nützliche Informationen erhoffen sie sich vor allem vom aktuellen Leiter der Metallwerkstatt des Bau­hauses.

Die beiden jungen Männer sind indes vor allem für die Beschreibung der praktischen Arbeit verantwortlich. Dabei werden sie unter anderen auch die Werkstätten von damals und heute vergleichen und auf die Veränderungen eingehen. Eine wesentliche Änderung haben sie bereits ausmachen können. „Heute wird viel mit CNC-Maschinen gemacht, früher war da viel mehr Handarbeit“, sagen sie. Darüber hinaus wollen sie reflektieren, wie die Arbeit in Zukunft aussehen könnte.

Betreut werden sie von Lehrerin Sylvana Kette. Die Seminarfacharbeit fließt in die Abiturnote ein und soll eine Übung für späteres wissenschaftliches Arbeiten, das beispielsweise an Universitäten benötigt wird, sein. Neben dem schriftlichen Verfassen muss die Arbeit vor Lehrern vorgestellt werden. Die Verteidigung ist für Dezember geplant.

Projekt der Handwerkskammer

Initiiert wurde das Projekt von der Handwerkskammer Erfurt. Sie stellte den Kontakt zwischen den Gymnasiasten und der Bauhausuniversität Weimar her. Unter anderem mit Ronny Schüler, der die Basislektüre „Die Handwerksmeister am Staatlichen Bauhaus Weimar“ geschrieben hat. Mit ihm und weiteren Ansprechpartnern kamen die Schüler bei einer Exkursion ins Gespräch.

Gleichzeitig bietet das Projekt, das in dieser Form erstmals durchgeführt wird, auch für die Handwerkskammer Erfurt Vorteile. „Wir möchten die Schüler damit noch mehr für die Meisterausbildung sensibilisieren und die Berufsorientierung der Handwerkskammer stärken“, sagt Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt. Darüber hinaus könne so abermals die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks dargestellt werden.

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