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So arbeitet eine moderne Schreinerei Meister Eder und sein Pumuckl schaffen es mit CNC bis zur Queen

Meister Eder und sein Pumuckl - das war einmal. Das Schreinerei-Handwerk hat sich gewandelt, denn mithilfe von CNC-Technik und der Bearbeitung gezielter Nischen bleibt der Schreinerberuf konkurrenzfähig. So auch im Falle der Schreinerei Heusslein, die es sogar bis zu Queen schaffte.

Draußen auf dem kleinen Parkplatz in Billingshausen kann man die Kreissäge bereits dumpf hören. Beim Öffnen der Tür duftet es nach frisch geschnittenem Holz. Im hinteren Teil der Halle arbeitet Thomas Heußlein mit Gehörschutz. An seinem braunen Fleece hängt überall die Sägespäne. Links neben ihm bearbeiten zwei Mitarbeiter zwei große, weiße Türrahmen, damit diese lackiert werden können. Ein weiterer steht ein paar Meter weiter hochkonzentriert an einer Kreissäge und schneidet profilierte Türleisten zurecht. Es ist ohrenbetäubend laut. Es rattert, es klopft. Alles erinnert an eine gewöhnliche Schreinerei. Doch eines ist anders: eine große Maschine, eine CNC Profit H22 steht neben Thomas Heußlein bereit.

"Das ist nicht mehr dieser Pumuckl-Schreiner. 90 Pozent der Teile, die wir momentan fertigen, gehen über die CNC-Maschine. Das ist momentan das Herzstück in den Betrieben, das hat sich in den letzten Jahren so entwickelt", erklärt Thomas Heußlein, Geschäftsführer der Traditionsschreinerei Heußlein in Billingshausen im Landkreis Main-Spessart. Als sein Großvater den Betrieb gründete, war die Firma noch eine Zimmerei. Sein Vater, Walter Heußlein - seit 2016 Präsident der Handwerkskammer Unterfranken - und Thomas sind den Schritt der Digitalisierung mitgegangen und fertigen nun mithilfe von CAD-Programmen und CNC-Technik Türen, Treppen, Möbel jeglicher Art und Küchen. Vor allem auf den Innenausbau haben sich die Heußleins spezialisiert. Das macht sie nun extrem vielseitig. Vor zehn Jahren fingen sie zudem an Brandschutztüren aus Holz herzustellen, eine wichtige Nische für den Betrieb. Beim Gang durch die Halle wird schnell deutlich, dass hier keinesfalls Massenprodukte hergestellt werden, sondern dass jedes Produkt den individuellen Kundenwünschen entspricht. Mittendrin: die CNC-Maschine als Herzstück des Betriebes.

Digitalisierung als Chance für Spezialisierung

Nun kommt diese auch zum Einsatz: Auf der Arbeitsfläche liegt eine große, massive Holzplatte. Daraus soll nun eine maßgefertigte Tür gefräst werden. Das Werkstück liegt nun vakuum-gespannt auf dem Arbeitsbereich der Maschine, damit dieses auch ohne Probleme ringsherum bearbeitet werden kann. Der Handwerksmeister von 2013, Thomas Heußlein, steht an seinem PC, macht ein paar Klicks und schon beginnt die CNC-Maschine an zu arbeiten. Sie greift sich ein vorinstalliertes Werkzeug, fährt an der Vorderseite der Holzplatte entlang und fräst eine Kante hinein. Dieser Vorgang wird nochmals wiederholt, damit die Kante auch möglichst sauber wird, denn „das größte Problem, welches wir in der Schreinerei haben, sind die Kanten, das sind immer Problemstellen“, erklärt Heußlein. Überall fliegen die Sägespäne umher. Der Vorgang des Fräsens ist wahrlich eine Genugtuung. Aus der massiven Platte lässt sich nach kurzer Zeit eine Tür erkennen, mit allen Kanten und Bohrungen. Und das mit nur wenigen Klicks.

Insgesamt dauert das Fräsen einer Tür in der Regel knapp 12 Minuten, "sonst wäre das nicht mehr finanzierbar", so Walter Heußlein. Heute würde viele sogenannte "Normtüren" gefertigt, aber die Stärke der Billingshäuser Schreinerei besteht darin, dass nach Maß gefertigt und dass man im Gegensatz zu großen Unternehmen auch individuell und zeitnah reagieren könne. Eine weitere Stärke der Schreinerei Heußlein ist das Bearbeiten der Nische "Brandschutz": "Der Brandschutz ist für uns eine Nische. Gerade wir im Handwerk brauchen diese Nischen. Und auch die Digitalisierung ist für uns in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung, denn wir benötigen diese nicht um Massenprodukte herzustellen, das ist ja immer die fälschliche Meinung. Uns geht es darum, dass wir unsere Nischen bearbeiten und mit der entsprechenden Technik sind wir produktiver und können auch für einen gewissen Preis produzieren. Das unterscheidet sich eben von der Digitalisierung der Großbetriebe, das wird politisch auch ein bisschen falsch gesehen", merkt der Präsident der Handwerkskammer Unterfranken kritisch an.

Erfolg mit CAD und CNC

Sein Sohn erläutert das Zusammenspiel aus CAD-Programm und der CNC-Technik. Vor allem im Möbelbau habe sich in den vergangenen Jahren einiges verändert, denn durch das dreidimensionale Zeichnen am Rechner würde die Arbeit um ein Vielfaches leichter, denn aus den Programmen könne man direkt die CNC-Geschichten generieren. "Die Programme sind mittlerweile so intelligent, man hat nun die Möglichkeit aus diesem Korpus ein Bearbeitungsprogramm zu erzeugen, woraus eine Explosionszeichnung mit allen Beschlägen und Bohrungen aus dem Programm generiert wird. Und das wiederum geht dann direkt als Programm auf die Maschine", erklärt der Geschäftsführer. Durch eine voreingestellt Werkzeugliste weiß die Maschine genau mit welchem Werkzeug gearbeitet werden muss. Der Post-Processor, ein sogenannter Zwischengenerator, erzeugt aus den CAD-Programmen eine CNC-Datei, die dann auf die Maschine übertragen werden kann. Die Arbeitsschritte seien dadurch deutlich kürzer und effizienter, denn "sonst könnten wir auch nicht mehr mithalten", gibt Thomas Heußlein zu. "Und wer in der Fertigung bleiben will und den Schritt der CNC-Technik nicht mitgegangen ist, der hat den Zug eigentlich schon verpasst", meint er weiter.

Wendeltreppe für die Queen

Dieser Schritt in Richtung Digitalisierung hat sich bereits ausgezahlt. Ein Beweis dafür steht im Botanischen Garten der Queen. Die Schreinerei Heußlein hat im Jahr 2011 einen großen Treppenkomplex für die Empfangshalle des königlichen Botanischen Gartens im schottischen Edinburgh gefertigt. Die Wendeltreppe aus Oregon-Pinien-Leimholz wiegt rund acht Tonnen und besteht aus über 600 Einzelteilen, die unter anderem auch an der CNC-Maschine gefertigt wurden. Thomas Heußlein erzählt begeistert von dem Mega-Auftrag: Diese ganze Treppe sei wie ein Puzzle gewesen. Sie wurde zerlegt und ist dann wieder zusammengebaut worden: „Das ist auch über das CNC-Programm generiert worden, hier sieht man die Einzelteile“ und zeigt eine Explosionszeichnung an seinem Bildschirm. "Einzelne Böden sind beschriftet und von unten nach oben aufgebaut worden", schwärmt der Handwerksmeister. Das Handlaufprofil wurde selbstverständlich per sorgfältiger Handarbeit gefräst, nach guter alter Schreiners-Kunst. Bevor die Treppe schließlich mit einem Trailer nach Schottland gebracht wurde, ist diese einmal in der Werkstatt komplett auf- und dann wieder abgebaut worden. Mittlerweile ist demnach sogar Queen Elizabeth II bei der Eröffnung die Treppen aus Billingshausen emporgestiegen.

Nach solchen Einblicken in die modernisierte Schreinerei lässt sich im Fall Heußlein definitiv sehen, "dass das Handwerk ist nicht mehr so ist, wie der Bürger vielleicht meint, so wie früher Meister Eder und sein Pumuckl, es ist ganz anders, wenn man sieht wie technisiert alles geworden ist. Uns ist wichtig, dass klar ist, dass wir hier keine Massenprodukte machen wollen, sondern dass wir hier gerade deswegen auch noch einen höheren Anspruch haben als Großbetriebe, die 100.000 Teile machen. Das zeichnet uns auch aus", betont Walter Heußlein.

Vom Büro aus ist der Weg zum Ausgang der Werkstatt nicht weit. In der Halle hört man wieder das Fräsen der CNC-Maschine, die Kreissäge und das Hämmern. Ein weicher Holzgeruch liegt in der Luft. Als die Tür ins Schloss fällt verschwindet der Duft und der Maschinenlärm wird wieder dumpf. Die Luft draußen ist kalt und feucht. Etwas Sägespäne hängt noch an der Kleidung. Ein bisschen von Meister Eder und seinem Pumuckl bleibt also erhalten, doch auch sie haben sich verändert.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Kooperationspartner waren die Handwerkskammer für Unterfranken und die Deutsche Handwerks Zeitung.

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