Ostthüringen -

Meisterjubilare Meister bleibt man ein Leben lang

Mit einer Festveranstaltung ehrte das Ostthüringer Handwerk seine Meisterjubilare des letzten Jahres.

Solch eine schöne Veranstaltung und Würdigung von Altmeisterinnen und Altmeistern ­habe ich noch nicht erlebt“, freute sich Friseur­meister Dietrich Hartding aus Gera, der die Ehrenurkunde zum 60. Meisterjubiläum erhielt. So wie ihm ging es sicherlich allen verdienten Altmeisterinnen und Altmeistern, die im Jahr 2018 ihr Meisterjubiläum feiern konnten und zur Festveranstaltung der Handwerkskammer für Ostthüringen im Geraer Novotel gewürdigt wurden. 46 Altmeister erhielten zu ihrem 50-jährigen ­Meisterjubiläum den „Goldenen Meisterbrief“. 21 ­Altmeister wurden anlässlich ihres 60-jährigen Meisterjubiläums mit der Ehrenurkunde aus­gezeichnet.

Welchen Stellenwert die Handwerksmeister einnehmen, verdeutlichte auch die Tatsache, dass es sich der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Holger Schwannecke, nicht nehmen ließ und an der Festveranstaltung teilnahm. „Verdiente Menschen stehen heute im Mittelpunkt. Mut, Verantwortungsbereitschaft, Ausdauer und Durchsetzungsvermögen stehen für mich als Synonyme Ihrer Lebenswege“, so Holger Schwannecke.

Er ließ die vielen Jahrzehnte Revue passieren und zeigte auf, was es hieß, zu DDR-Zeiten für die Ausübung des Handwerks kämpfen zu müssen: um Material, um Auszubildende, um die Zukunft. Selbstständigkeit sei höchstens geduldet gewesen. So wie die Meister in den ersten Jahren gegen besondere Widrigkeiten zu kämpfen hatten, haben sie nach der Wende den Mut, die Zuversicht und die Entschlossenheit gezeigt, neue Chancen zu ergreifen. „Sie gehören zu denen, die das Handwerk Jahr für Jahr, Stück für Stück in Thüringen voranbrachten und den folgenden Generationen den Weg ins Handwerk ebneten“, würdigte er die Lebensleistung der Jubilare, denn „Meister bleibt man ein Lebens lang“.

Gerade mit Blick auf die aktuelle Politik unterstrich der ZDH-Generalsekretär aber auch, wie wichtig es ist, für den Erhalt des Meisterbriefes zu kämpfen. Mit der im Jahr 2004 durch die Bundespolitik durchgesetzten Abschaffung der Meisterpflicht in 53 Gewerken habe es das falsche Signal gegeben. „Solche Fehler aus der Vergangenheit müssen rückgängig gemacht werden“, mahnte er in Richtung Bundespolitik an.

Kritische Worte fand er zudem in puncto Bildungslandschaft in Deutschland. „Zu lange galt die duale Bildung als zweite Wahl“, so Holger ­Schwannecke. Doch mittlerweile bewege sich etwas in der Bildungspolitik. Eine solide Ausbildung habe wieder an Wertschätzung gewonnen. Daran gelte es anzuknüpfen, um die Werte des Meisterhandwerks und damit der Meisterjubilare hochzuhalten. „Ihre vor mehr als 50 oder 60 Jahren mit Erfolg absolvierte Meisterprüfung und die anschließende Tätigkeit im Handwerk, egal ob als selbstständiger oder angestellter Handwerksmeister, hat über viele Jahrzehnte hinweg Ihr Leben geprägt“, verdeutlichte auch Kammerpräsident Klaus Nützel in seiner Laudatio.

Die Meisterjubilare haben die Zeiten der sozialistischen Planwirtschaft, oftmals unter Materialmangel oder staatlichen Restriktionen, überstanden. Sie haben infolge der Wiedervereinigung die Marktwirtschaft angenommen und oftmals den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. „Ihr Meistertitel ist Ausdruck eines reichen beruflichen Erfahrungsschatzes und Sinnbild für Tradition und Zukunft im Handwerk“, fand Klaus Nützel ehrende Worte. „Leidenschaft ist das beste Werkzeug“ – dieser Spruch aus der Imagekampagne des Handwerks trifft insbesondere auf die Handwerksmeister zu, denn sie stehen für Leidenschaft und die Werte, die das Handwerk seit jeher auszeichnet: Qualität, Ausbildungsleistung und Motor des konjunkturellen Aufschwungs.

„Sie haben damit einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass das Handwerk auch heute noch als Rückgrat des deutschen Mittelstandes gilt. Darauf können Sie zu Recht stolz sein“, erklärte der Kammerpräsident an die Altmeister gerichtet. „Sie sind mit Ihrem Meistertitel sowohl ein Vorbild für künftige Meistergenerationen als auch für die gesamte Gesellschaft.“

Mit der Übergabe der „Goldenen Meisterbriefe“ und Ehrenurkunden an die Meisterjubilare hat die Handwerkskammer für Ostthüringen einmal mehr gezeigt, dass die verdienstvollen Handwerksmeister nicht zum „alten Eisen“ gehören, sondern weiter Bestandteil der großen Familie des Handwerks sind.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten