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Schauspieler Christoph M. Ohrt im Interview "Mein Hörgerät hat mein Schauspielen verändert"

Viele Zuschauer kennen ihn aus der TV-Serie Edel und Starck. Christoph M. Ohrt ist, neben seinem Job als Schauspieler, aber auch begeisterter Hörgeräte-Träger. Wie sein Hörgerät seine Arbeit beeinflusst und was künstliche Intelligenz damit zu tun hat, erklärt er im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung.

DHZ: Wie wichtig ist Ihnen gutes Hören?

Christoph M. Ohrt: Gutes Hören ist mir heute wichtiger als früher. Mir ist jetzt erst bewusst geworden, was ich in den ganzen Jahren verpasst habe. In meinem Beruf gehört gutes Hören einfach dazu. Richtiges Zuhören ist zwar auch wichtig, aber zu verstehen, was der andere sagt, ist noch wichtiger. Daher bin ich sehr froh, dass ich vor ein paar Jahren mein Hörgerät bekommen habe. Mittlerweile bin ich ein begeisterter Hörgeräte-Träger.

DHZ: Wie wichtig ist das Hörgerät für Ihren Job als Schauspieler?

Ohrt: Ich höre dank des Hörgeräts meine eigene Stimme ganz anders. Dadurch hat sich mein Sprachverhalten beim Spielen verändert. Ich glaube, ich habe früher zu viel mit meiner Stimme gedrückt. Ich dachte, man versteht mich nicht, eben weil ich mich selber nicht richtig verstanden habe. Für mich ist das einfach wunderbar.

DHZ: Wie haben Sie von Ihrer Hörminderung erfahren und warum haben Sie sich erst mit 50 Jahren ein Hörgerät zugelegt?

Ohrt: Das ist eine längere Geschichte. Mein Bruder hatte mal einen Hörsturz und ich bin eines Tages mit einem Piepen im Ohr aufgewacht und dachte 'Oh nein, jetzt habe ich auch einen Hörsturz'. Beim HNO-Arzt habe ich erstmal einen Test gemacht. Dabei stellte sich raus, dass ich keinen Hörsturz hatte, sondern eine Hörminderung. Da ich erst Ende 20 war, haben wir uns gefragt, wo das herkommt. Nach ein paar Untersuchungen zeigte sich, dass es nichts weiter Schlimmes war, sondern dass ich einfach bestimmte Frequenzen nicht höre. Danach habe ich mich erstmal damit abgefunden und jahrelang weiter ohne Hörgerät gelebt.

DHZ: Und wie sind Sie dann an Ihr Hörgerät gekommen?

Ohrt: Das war eher ein Zufall. Eines Tages habe ich einen alten Kumpel wieder getroffen, der inzwischen Hörakustiker ist. Wir kamen ins Quatschen und er meinte ‚komm doch mal vorbei‘. Bei ihm im Laden hat er einige Tests mit mir gemacht und dann haben wir ausprobiert, welches Hörgerät mir am besten passt.

DHZ: Was raten Sie jüngeren Menschen mit einer Hörminderung heute?

Ohrt: Man sollte keine Scheu haben. Manche Leute tragen eine Brille und andere brauchen eben ein Hörgerät. Wer den Eindruck hat, er hat in seinem Leben zu viel laute Musik gehört und versteht im Kino nicht mehr alles, der sollte mal zum Hörakustiker gehen und einen Hörtest machen. Das dauert wenige Minuten und dann weiß man Bescheid.

DHZ: Wie oft gehen Sie zum Hörakustiker und was wird dort gemacht?

Ohrt: Ich gehe regelmäßig zum Hörakustiker, denn er bietet mir die beste Rund-Um-Nachsorge. Dort wird dann beispielsweise eine Feineinstellung vorgenommen. Er kann über den Computer auslesen, in welchen Situationen ich mein Hörsystem wie eingestellt habe und kann es dementsprechend anpassen. Außerdem wird es auch gleich durchgecheckt und gereinigt. Ich schätze die Arbeit der Hörakustiker sehr und nehme diese Termine gerne wahr.

DHZ: Mittlerweile machen Sie sogar Werbung für Hörgeräte. Würden Sie sagen, dass Hörgeräte trendy sind?

Ohrt: Das Bewusstsein dafür ist auf alle Fälle stärker geworden und ich trage auch meinen Teil dazu bei. Ich habe schon vielen Kollegen und Freunden ein Hörgerät empfohlen. Die sind zum Hörakustiker gegangen und waren danach total begeistert. Wie bei vielen Sachen ist es so, dass man es einfach mal erleben muss. Wenn man merkt, wie gut man mit einem Hörgerät hört, denkt man sich ‚hätte ich doch schon früher‘.

Warum sollte man Dinge, die einem das Leben vereinfachen, nicht in Anspruch nehmen? Vor allem durch die neue Technik werden die Geräte immer besser. Solche Geräte, die meine Oma noch hatte, mit einer Ringelschnur und einem Kasten am Gürtel – groß und fleischfarben – die gibt es heute nicht mehr. Diese Zeiten sind längst vorbei.

DHZ: Was können Hörgeräte denn heute, was früher nicht möglich war?

Ohrt: Das kommt natürlich auch immer etwas auf das genutzte Hörgerät an. Was ich an meinem Hörsystem besonders schätze ist, dass ich es via Bluetooth mit meinem Smartphone verbinden und es über eine App steuern kann. Über die App kann ich zum Beispiel die Lautstärke einstellen oder das passende Programm auswählen. Mein Hörsystem empfängt außerdem alle Audiosignale vom iPhone. Das ist besonders praktisch beim Telefonieren. Ich höre das Telefonat auf beiden Ohren gleichzeitig und verstehe den Anrufer dadurch viel besser.

Die Technik ist außerdem heute schon so weit, dass auch künstliche Intelligenz bei Hörgeräten genutzt wird. Ich kann zum Beispiel in einer bestimmten Situation zwischen zwei Klangeindrücken wählen und entscheide dann, welche Variante mir besser gefällt. Das Hörsystem lernt Schritt für Schritt von meinen Eingaben und hilft mir noch besser zu hören. Manuell würde man rund 2,4 Millionen solcher Klangvergleiche benötigen, um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen. Mit künstlicher Intelligenz geht das in Sekundenschnelle.

DHZ: Gibt es auch Situationen, in denen Sie Ihr Hörgerät ausschalten?

Ohrt: Wenn ich stundenlang auf lauten Veranstaltungen mit vielen Menschen unterwegs war, nehme ich das Hörgerät manchmal raus, um mich etwas zu erholen. Aber meistens schalte ich es erst abends aus, bevor ich ins Bett gehe.

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