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Bilanz Mehr neue Ausbildungsverträge

Das Engagement der Betriebe zahlt sich aus: In diesem Jahr wurden wieder mehr Lehrverträge geschlossen. Noch immer gibt es aber viele offene Stellen.

Die Bilanz zum Beginn des Ausbildungsjahres kann sich sehen lassen. Zum Stichtag 31. August sind rund 111.000 neue Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen worden. Ein Plus von 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Diesen positiven Trend wollen wir bis zur Jahresbilanz auch durch großes Engagement bei den Nachvermittlungsaktionen bestätigen", sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. Allerdings gebe es auch noch viele unbesetzte Ausbildungsplätze. Im vergangenen Ausbildungsjahr wurden bis Jahresende 137.400 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen.

Gute Chancen für "Last-Minute-Treffer"

Allein bei den Lehrstellenbörsen der Kammern sind rund 24.000 offene Stellen gemeldet. Erfahrungsgemäß kommen noch weitere nicht gemeldete Stellen hinzu. "Die Chancen für Last-Minute-Treffer stehen gut", sagte Wollseifer. Gleichwohl fürchtet der Handwerkspräsident, dass auch 2015 mehr als 20.000 angebotene Lehrstellen im Handwerk nicht besetzt werden können. Der Grund: Die Zahl der angebotenen Plätze übersteigt die tatsächlichen Bewerberzahlen.

Ein deutliches Plus war zum Stichtag vor allem in Ostdeutschland zu verzeichnen. Dort wurden insgesamt 4,3 Prozent mehr neue Ausbildungsverträge als im Vorjahr unterschrieben. "Hier macht sich bemerkbar, dass die Zahl der Schulabgänger nach jahrelangem Rückgang wieder gestiegen ist", heißt es beim ZDH. Nicht ganz so üppig fiel das Plus im Westen der Republik aus. Hier war die Zahl der unterzeichneten Verträge – bei insgesamt abnehmenden Schulabgängerzahlen – 1,8 Prozent höher.

Verstärktes Engagement der Betriebe

Allein in Sachsen wurden 4.215 neue Lehrverträge abgeschlossen. Ein Plus von 180 Verträgen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allerdings sind auch hier noch rund 1.500 offene Stellen bei den Lehrstellenbörsen gemeldet. Ein leichtes Plus von 1,3 Prozent gab es auch in Baden-Württemberg mit 16.578 Verträgen. In Bayern und Hessen liegen die Werte dagegen leicht unter dem Vorjahr mit 21.952 beziehungsweise 7.433 Neuverträgen. Doch hier wird sich erfahrungsgemäß in den nächsten Wochen und Monaten noch einiges tun.

Dass die Zahl der Neuverträge im Vergleich zum Vorjahr insgesamt gestiegen ist, erklärte Wollseifer auch durch das verstärkte Engagement der Beteiligten: "Die Betriebe haben verstanden, dass die Bewerber nie mehr Schlange stehen werden", sagte er. Hinzu kämen zahlreiche Aktivitäten der Kammern wie Sommercamps zur Berufsorientierung oder Ausbildungsmessen.

Betriebe sprechen ganzes Spektrum der Bewerber an

Dabei versucht das Handwerk, das ganze Spektrum der Bewerber von Abiturienten über Studienabbrecher bis hin zu Bewerbern mit Migrationshintergrund oder solche ohne Hauptschulabschluss anzusprechen. Allein im vergangenen Jahr waren unter den Lehrlingsneulingen rund 15.110 Abiturienten und 4.700 Schüler ohne Schulabschluss.
Auch Flüchtlinge zählen zu den Neuen.

"Unser Beitrag kann vor allem Integration durch Ausbildung und Arbeit sein", sagte Wollseifer mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsdiskussion. Die Bereitschaft im Handwerk, auch Flüchtlinge in Betrieben und Bildungsstätten auszubilden, sei groß. Wichtig seien allerdings ausreichende Deutschkenntnisse. Ebenso notwendig sei es, die schulischen und beruflichen Kompetenzen der Flüchtlinge frühzeitig festzustellen. Ohne vorbereitende Kurse seien viele nicht ausbildungsfähig. "Bund und Länder müssen solche Ausbildungs- und Berufsvorbereitungskurse auf den Weg bringen", forderte er. Die Bildungsstätten des Handwerks stünden dazu bereit.

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