Deutschland -

ZDH-Umfrage Personal- und Umsatzausfälle: Wie Corona das Handwerk trifft

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Teil-Lockdown und fehlende Mitarbeiter erschweren das Geschäft und lassen die Umsätze sinken. Ein Überblick über den aktuellen Stand in den Gewerken.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Viele Handwerksbetriebe spüren die Auswirkungen der Corona-Pandemie wieder stärker. Das gilt nicht nur für rückläufige Umsätze. Das gilt auch für die Folgen der Pandemie auf die Beschäftigten. "Durch das anhaltend hohe Infektionsgeschehen waren in den letzten vier Wochen 29 Prozent der Betriebe - und damit mehr als im Mai - von Pandemie-bedingten Mitarbeiterausfällen betroffen", heißt es in der jüngsten ZDH-Sonderumfrage unter knapp 2.000 Betrieben. In diesen Betrieben fehle jeder fünfte Beschäftigte. ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer sagte gegenüber dem Deutschlandfunk, er setze darauf, dass die im Handwerk tätigen Mitarbeiter verantwortungsvoll mit der Situation umgingen und die Auswirkungen für ihre Kollegen berücksichtigten.

Unsicherheit beim Anspruch auf Lohnfortzahlung in Quarantäne

Als Gründe für das Ausfallen von Mitarbeitern nannte der Handwerksverband Erkrankungen, Quarantäne oder die Betreuung von Angehörigen. Dabei ist die Ausfallquote in den persönlichen Dienstleistungsgewerken mit 40 Prozent überdurchschnittlich hoch. "In diesen Gewerken gibt es einen hohen Anteil weiblicher Beschäftigter, die aktuell wieder stärker von den Quarantänemaßnahmen in Schulen und Kitas betroffen sein dürften", heißt es weiter. Unsicherheit herrscht nach den Worten von Wollseifer auch bei der Frage, ob Beschäftigte in Quarantäne, Anspruch auf Lohnfortzahlung hätten und gegen wen sich dieser Anspruch richte. Dies müsse geklärt werden.

Aufholprozess im 3. Quartal ausgebremst

Deutlichere Spuren hinterlässt die Pandemie auch in der Handwerkskonjunktur. So hat die wirtschaftliche Erholung aus dem dritten Quartal nach der jüngsten Umfrage einen deutlichen Dämpfer bekommen. Bei 40 Prozent der befragten Betriebe fiel der Umsatz in den vergangenen vier Wochen geringer aus als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Nur bei 14 Prozent der Unternehmen lagen die Umsätze über denen Werten des Vorjahreszeitraums. Am stärksten betroffen waren die Lebensmittelhandwerke und die persönlichen Dienstleister. Einige von ihnen werden von der angekündigten Novemberhilfe profitieren und Umsatzausfälle ersetzt bekommen. Dies gilt insbesondere für die Lebensmittelhandwerke mit Gastro-Bereich. Wie jüngst bekannt wurde, sollen sie ebenfalls von der Sonderregelung für Restaurants profitieren und die Umsatzausfälle in den geschlossenen Cafés oder Imbisse in Höhe von 75 Prozent des entsprechenden Vorjahresumsatzes erstattet bekommen.

Lieferketten bereiten Probleme

Umsatzzuwächse gab es der Umfrage zufolge in den Bau- und Ausbaugewerken mit einem Plus von 15 beziehungsweise 22 Prozent sowie aufgrund von Nachholeffekten in den Gesundheitshandwerken mit einem Plus von ebenfalls 15 Prozent. Schwierigkeiten bereiten den Betrieben nach wie vor die Lieferketten. So sprechen fast die Hälfte der befragten Bau- und Ausbaubetriebe mit Blick auf die Verfügbarkeit von Materialien, Komponenten und Betriebsmitteln von einer angespannten Situation. Bei den Kfz-Betrieben sind es rund 40 Prozent. Unter dem Strich rechnen die befragten Handwerksbetriebe weiter mit einem Rückgang der Auftragsbestände. "Dass die nach dem Beginn der Pandemie verbuchten Umsatzausfälle bis zum Jahresende wieder aufgeholt werden können, glauben die Handwerksbetriebe nicht", heißt es. Erstmals nach 2013 wird das Handwerk nach den Worten von Handwerkspräsident Wollseifer dieses Jahr mit einem Umsatzminus abschließen. Insgesamt rechnet er für das Gesamthandwerk mit einem Umsatzrückgang von rund vier Prozent.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten