Stuttgart -

„Blended Learning“ Mehr Flexibilität bei der Aus- und Weiterbildung

In der Bildungsakademie startet ein erster Kurs des Lernmodells "Blendet Learning". Mehr über das digitale Lernen weiß der Dozent des Lehrgangs, Dipl.-Hdl. Andreas Spielmann.

Wird über digitale Lernmethoden gesprochen, dauert es nicht lange, bis der Begriff „Blended Learning“ fällt. Dahinter verbirgt sich ein Lernmodell, in dem computergestütztes Lernen mit dem klassischen Unterricht kombiniert wird. Ende März startet in der Bildungsakademie der Handwerkskammer in Stuttgart-Weilimdorf nun der erste Kurs als Blended-Learning-Angebot. Die DHZ-Redaktion hat mit dem Dozenten des Lehrgangs, Dipl.-Hdl. Andreas Spielmann, über das digitale Lernmodell gesprochen.

DHZ: Herr Spielmann, was genau verbirgt sich denn hinter dem Konzept von Blended Learning und welche Vorteile hat dieses Modell?
Spielmann: Unsere heutigen Arbeitsanforderungen erfordern neue Lernmethoden. Jeder Handwerker ist beruflich sehr stark eingespannt, viel unterwegs, aber auch meist sehr offen gegenüber dem Umgang mit den neuen vernetzenden Möglichkeiten wie Smartphone, Tablet und Co. Blended Learning ist für diese Thematik eine tolle Lösung: nämlich eine sinnvolle und zeitsparende Kombination aus Präsenzunterricht, Online-Unterricht sowie selbstständigem Lernen unter professioneller Anleitung.

DHZ: Und wie sieht das in der Praxis konkret aus?
Spielmann: Der Präsenzunterricht findet an der Bildungsakademie statt. In diesen Terminen werden Inhalte vermittelt, die einen Unterricht mit echter Interaktion erfordern. Das Selbstlernen dagegen ermöglicht, sich weitestgehend unabhängig von Zeit und Ort fachspezifisches Wissen anzueignen. Der Teilnehmer erarbeitet in dieser Phase den Lernstoff individuell – kann aber zu jeder Zeit in den Austausch mit anderen Kursteilnehmern treten. Ein Wissenstest nach jeder Selbstlernphase dokumentiert seinen aktuellen Kenntnisstand. Ergänzend dazu findet der Online-Unterricht als regelmäßiges, tutoriell begleitetes Webinar statt. In diesen Webinaren vertiefen die Teilnehmer die zuvor gelernten Inhalte. Zusätzlich dazu gibt es regelmäßige virtuelle Sprechstunden mit dem Lehrgangsleiter, in denen offene Fragen geklärt werden.

DHZ: Handwerk und Blended Learning – passt das zusammen?
Spielmann: Unsere Handwerker zeigen täglich, dass sie flexibel sind und sich den wachsenden Anforderungen anpassen. Unsere momentan gute Konjunktur hält sie nicht davon ab, sich Zeit für die Aus- und Weiterbildung zu nehmen. Deshalb ist es unsere Aufgabe, unseren Handwerkern durch das Blended-Learning-Angebot mehr Flexibilität und Raum für die Arbeit zu schaffen. Das notwendige lebenslange Lernen unterstützen wir dadurch und sichern unseren Nachwuchs- und Fachkräftebedarf.

DHZ: Wie wird sich das digitale Lernangebot weiterentwickeln?
Spielmann: Geplant ist, dass künftig ein breites Angebot an Blended-Learning-Kursen angeboten wird. Den Anfang machen die Ausbildereignungsprüfung sowie Teil IV der Meisterprüfung. Derzeit wird bereits am Meistervorbereitungskurs Teil III – Betriebswirtschaft und Recht gearbeitet. Dieser wird ab Herbst 2019 eingeführt. Das ist eine spannende Entwicklung mit viel Potenzial, um die Betriebe, Auszubildenden und die Weiterbildungsteilnehmer an die Thematik Lernen 4.0 heranzuführen.

DHZ: Warum wurde gerade der Kurs „Ausbildung der Ausbilder“ als Pilotprojekt für die Einführung von Blended Learning ausgewählt?
Spielmann: Jugendliche sind sehr offen im Umgang mit neuen Medien, Netzwerken und der Digitalisierung allgemein. Die Ausbilder unserer Lehrlinge müssen daher entsprechende Kompetenzen haben. Wie kann man die Ausbilder also besser auf diese Fachkompetenz im Hinblick auf die Digitalisierung heranführen? Die zu vermittelnden Fachkompetenzen der künftigen Ausbilder werden durch unseren Blended- Learning-Kurs um „digitale Fachkompetenz“ erweitert. Dies bezieht sich konkret auf den didaktischen Einsatz von Präsenzunterricht, Onlineunterricht und Selbstlernphasen. So wird bestehendes Wissen mit neuem Know-how verknüpft.

Weitere Informationen zum Thema Blended Learning sowie ein Video-Interview mit Andreas Spielmann gibt es online unter hwk-stuttgart.de/blendedlearning. Die Anmeldung zum Kurs ist unter bia-Stuttgart.de/ada_bl möglich

Zur Person

Dipl.-Hdl. Andreas Spielmann, der an der Universität Hohenheim studierte, ist bereits seit 2011 als freiberuflicher Dozent an der Bildungsakademie tätig. In dieser Zeit hat er schon über 20 Lehrgänge durchgeführt. Seine fachlichen Schwerpunkte sind die Betriebswirtschaftslehre sowie Berufs- und Arbeitspädagogik.

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