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Attraktive Arbeitgeber in Deutschland Mehr ausländische Auszubildende im Handwerk

Während die Zahl aller Auszubildenden im Handwerk in den vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen ist, hat sich die Zahl der ausländischen Auszubildenden leicht erhöht.

In Stuttgart und Umgebung gibt es die meisten ausländischen Lehrlinge im Handwerk. Von den knapp 10.200 Lehrlingen im Kammerbezirk haben Ende des vergangenen Jahres 2.177 einen ausländischen Pass gehabt. Ein gutes Drittel von ihnen sind Türken, danach kommen Italiener, Griechen und Portugiesen. Manche der Jugendlichen hätte auch einen ausländischen und einen deutschen Pass. "Wir leben die Integration schon seit Jahren", sagt Gerd Kistenfeger, Pressesprecher der Handwerkskammer Region Stuttgart. Stuttgart gehöre wie Frankfurt am Main zu den Regionen mit einem hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund.

Viele ausländische Azubis im Kammerbezirk Frankfurt

Kein Wunder also, dass auch der Kammerbezirk Frankfurt-Rhein-Main oder der Bezirk Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald mit 15,0 und 14,2 Prozent einen relativ hohen Anteil an Ausländern unter allen Lehrlingen ausweisen. "Im Handwerk tragen ausländische Auszubildende entscheidend zur Fachkräftesicherung bei", sagt denn auch ZDH-Präsident Hans-Peter Wollseifer. Der Slogan des Handwerks "Bei uns zählt nicht wo man herkommt, sondern wo man hin will" scheine die Jugendlichen zu überzeugen.

Insgesamt ist der A nteil ausländischer Auszubildender im Handwerk von 5,1 Prozent im Jahr 2005 auf 7,0 Prozent zum Jahresende 2014 gestiegen, heißt es beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Während 2005 unter den insgesamt 477.159 Auszubildenden im Handwerk 24.202 einen ausländischen Pass hatten, waren es Ende vergangenen Jahres 25.585. Dabei ist die Zahl aller Lehrlinge in den vergangenen Jahren allerdings auf 370.995 Auszubildenden geschrumpft.

Künftige Engpassberufe beliebt

Wie der ZDH weiter mitteilte, sind unter den ausländischen Auszubildenden gerade einige Berufe beliebt, in denen sich ein Fachkräftemangel abzeichne. Dazu zählten etwa der Anlagenmechaniker SHK, der Elektroniker oder Kfz-Mechatroniker. "Es macht sich bezahlt, dass die Handwerksorganisation unterstützend an der Seite der Betriebe und der jungen Leute stehen, etwa mit Ausbildungsberatern in den entsprechenden Sprachen", fügte Wollseifer hinzu.

Auch über das Förderprogramm MobiPro-EU sind in den vergangenen Jahren Jugendliche aus dem europäischen Ausland nach Deutschland gekommen, um im Handwerk eine Lehre zu beginnen. Wie Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bei der Vorlage des Berufsbildungsberichtes noch einmal unterstrich, sollen auch in diesem Jahr rund 2000 Bewerber aus dem EU-Ausland die Möglichkeit haben, eine duale Ausbildung zu beginnen.

Schlechtere Ausbildungschancen

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) wies bei der Gelegenheit außerdem darauf hin, dass laut Berufsbildungsbericht 2013 nur 32 Prozent aller jungen Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit eine Ausbildung angefangenen hatten, während unter den Deutschen 57 eine Ausbildung angefangen hätten.

Dabei haben empirische Umfragen laut Berufsbildungsbericht erwiesen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund – also Jugendliche mit und ohne deutschen Pass aber mit ausländischen Wurzeln – ein ebenso hohes Interesse an Berufsausbildung haben wie deutsche Jugendliche. Selbst bei gleichen schulischen Voraussetzungen seien die Einmündungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund deutlich niedriger, heißt es im Bericht. Dabei sei es insbesondere für junge Menschen türkischer und arabischer Herkunft deutlich schwerer, einen Ausbildungsplatz zu finden.

In Stuttgart scheint dies nicht der Fall zu sein. Viele von den ausländischen Jugendlichen fangen nicht nur eine Ausbildung an, sie schließen ihre Ausbildung nach den Worten Kistenfegers auch erfolgreich ab. Auch unter denjenigen, die später den Einstieg in die Selbstständigkeit wagten, hätten immer mehr ausländische Wurzeln.

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