Deutschland -

Ausbildungspakt Mehr Angebote als Bewerber

Der Ausbildungspakt in Deutschland hat sich aus Sicht der Wirtschaft und der Arbeitsverwaltung bewährt. Das Handwerk fordert dennoch mehr Engagement um die Altbewerber und weitere ausbildungsbegleitende Hilfen.

Die Zahl der in der gemeinsamen Nachvermittlungsaktion von Kammern und Arbeitsagenturen betreuten Bewerber "im fünften Quartal" von September bis Januar sank von 29.100 auf 11.300, wie das Mitglied des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit, Raimund Becker, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertretern von Handwerk, Industrie und freien Berufen erläuterte.

89.000 neue Lehrstellen geworben

Für diese noch unversorgten Lehrstellen-Bewerber gebe es aktuell 4.200 unbesetzte Berufsausbildungsplätze und 19.500 Stellen für die sogenannte Einstiegsqualifizierung. "Jeder Bewerber, der zu uns kam, hat ein Angebot bekommen", betonte Becker. Insgesamt wurden in der Aktion rund 89.000 neue Lehrstellen eingeworben und knapp 54.000 Betriebe erstmals für Ausbildung gewonnen. Für Einstiegsqualifizierungen stellten Unternehmen etwa 43.000 Plätze zur Verfügung, bis Mitte Januar hatten knapp 24.000 Jugendliche diese durch ein Sonderprogramm des Bundes geförderte Maßnahme begonnen.

Als Ergebnis all dieser Bemühungen sei die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zum Stichtag 30. September um knapp 50.000 oder 8,6 Prozent auf knapp 626.000 gestiegen. An die Stelle der Lehrstellen-Lücke trete inzwischen eine "Qualitätslücke", da die Unternehmen immer häufiger keine geeigneten Bewerber mehr fänden, betonte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Etwas mehr als die Hälfte der ausbildungsfähigen Betriebe stellen der Statistik zufolge Lehrstellen zur Verfügung. Aus der Sicht der Vertreter der Wirtschaft belegen die Zahlen, dass die Verlängerung des Pakts richtig gewesen sei. Seit dem Start der Aktion vor vier Jahren seien die Ausbildungschancen für Schulabgänger deutlich gestiegen.

Verstärkt werden müsse aber das Engagement um sogenannte Altbewerber, forderte etwa der Generalsekretär des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer. Für diese Jugendlichen mit Ausbildungsproblemen müssten neben der "zur Erfolgstory" gewordenen Einstiegsqualifizierung weitere ausbildungsbegleitende Hilfen wie "Ausbildungspaten" treten.

DGB: Lob und Tadel

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock erklärte, es bestehe "ein Missverhältnis zwischen den Erfolgsmeldungen der Paktpartner und der Lebenswirklichkeit junger Menschen". Es sei zwar gelungen, neue Ausbildungsplätze zu schaffen. Die Zahl derjenigen Betriebe, die sich aus der Ausbildung verabschieden, werde aber nicht gegengerechnet. Nicht einmal jeder vierte Betrieb bilde aus. Sehrbrock zufolge sind bundesweit nach wie vor mehr als 300.000 junge Menschen als sogenannte Altbewerber auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Sie stellten inzwischen mehr als die Hälfte aller registrierten Bewerberinnen und Bewerber.

Herbert Mackert/ddp

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