Panorama -

Vize-Weltmeister bei den WorldSkills 2017 Medin Murati: Erkältet aufs Siegertreppchen

"Zweitbester Betonbauer der Welt" – mit diesem Titel dürfen sich der 20-jährige Medin Murati und sein Teamkollege Timo Schön seit dem 19. Oktober rühmen. Im Interview spricht WorldSkills-Teilnehmer Murati über neue Freundschaften, seine Erkältung während des Wettkampfes und die starke Konkurrenz aus Asien.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets WorldSkills - Weltmeisterschaft der Berufe

"Der dritte Platz muss auf jeden Fall drin sein", verriet Medin Murati vor den WorldSkills 2017. Am Ende reichte es für ihn und seinen Teamkollegen Timo Schön sogar für den zweiten Platz im Skill Stahlbetonbauer. Damit sicherten sich die beiden WM-Fahrer die beste WorldSkills-Platzierung des gesamten deutschen Teams. Und es hätte sogar noch besser laufen können. Gerade einmal sieben Punkte fehlten zur Gold-Medaille.

WorldSkills 2017: Vize-Weltmeister Medin Murati im Interview

Inzwischen ist der 20-jährige Medin Murati wieder auf deutschem Boden gelandet. Im Gepäck hatte Murati mehr als nur eine Silber-Medaille. Die WM der Berufe habe ihn verändert. Er sei nun viel selbstbewusster. Welche Erfahrungen er aus Abu Dhabi mitnimmt, welche Rolle das Klima in den Vereinigten Arabischen Emiraten spielte und warum es nicht ganz für Gold gereicht hat, verrät er im Interview mit der Deutschen Handwerk Zeitung.

DHZ: Medin, was war das für ein Gefühl als ihr zum Vize-Weltmeister gekürt wurdet?

Medin Murati: Das war ein Wahnsinns-Gefühl, das kann man nicht beschreiben. Einfach einmalig. Die Kulisse trug natürlich ordentlich dazu bei. Alles war sehr pompös inszeniert. Und dann inmitten von so vielen Zuschauern zu stehen, so etwas habe ich noch nicht erlebt.

DHZ: Vereinigte Arabische Emirate – Wüstenstaat. Wie kamst Du mit dem Klima in Abu-Dhabi klar?

Murati: Die klimatisierte Luft in den Wettkampfräumen hat uns schon zum Schaffen gemacht. Am dritten Tag war ich ziemlich erkältet und musste ständig niesen. Mit Aspirin hab ich es aber ganz gut in den Griff bekommen. Mit dem Problem hatten aber nicht nur wir zu kämpfen. Auch im österreichischen und brasilianischen Team war jeweils ein Teilnehmer erkältet.

DHZ: Wie lief der Wettbewerb hattest Du noch mit anderen Problemen zu kämpfen?

Murati: Als der Startschuss gefallen ist, haben alle wie verrückt angefangen, an ihrem Projekt zu bauen. Der erste Tag war sehr erfolgreich, da waren wir am weitesten von allen Teams. An den anderen Tagen lief eigentlich auch alles gut. Lediglich am Nachmittag von Tag Zwei hatte ich einen kleinen Durchhänger und nicht alles hat auf Anhieb so funktioniert wie es sollte. Später konnte ich die Zeit dann wieder gutmachen. So einen kleinen Durchhänger hatte aber jedes Team mal. Am dritten Tag als dann der Abpfiff kam, waren alle sehr erleichtert. Jeder ist sich erstmal in die Arme gefallen.

DHZ: Wie eng war es tatsächlich? Hat viel gefehlt zu Gold?

Murati: Alle Teilnehmerländer sind nahezu auf Augenhöhe, da entscheidet jeder kleine Fehler den Ausgang des Wettkampfes. Am Ende war es ziemlich knapp zwischen uns und den Österreichern – gerade einmal sieben Punkte machten den Unterschied. Natürlich möchte man den ersten Platz machen, aber ich bin trotzdem richtig glücklich über unsere Platzierung. Letztendlich sind dann eben auch minimale Messfehler ausschlaggebend. Glückwünsch an die Österreicher, ich gönne es ihnen.

DHZ: Wie war das Verhältnis zu den anderen Nationen – war die Konkurrenz sehr zu spüren?

Murati: Das waren alles nette und zielstrebige Leute, mit denen wir richtig gut klarkamen. Mit den Siegern aus Österreich waren wir sogar öfters Mittagessen. Man kann fast sagen, dass die Jungs aus den anderen Nationen eigentlich mehr Kollegen als Kontrahenten waren.

DHZ: Die asiatischen Länder haben bei den WorldSkills so richtig abgeräumt – wie kommt es, dass diese Länder so stark sind?

Murati: Man darf nicht vergessen, dass die meisten Teilnehmer im deutschen Team berufstätig sind. Für die asiatischen Länder treten hingegen Schüler an, die jede Woche trainieren. Im Vergleich zu uns, haben die Asiaten viel mehr Zeit zur Vorbereitung. Das heißt, sie sind wirklich perfekt auf dieses eine Projekt vorbereitet. Das macht schon viel aus. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass sie Probleme bekommen, sobald sie vor einer anderen Aufgabe stehen.

DHZ: Was nimmst Du neben deiner Medaille mit – um welche Erfahrungen bist Du reicher?

Murati: Natürlich haben wir uns mit den Teilnehmern aus den anderen Ländern auch über ihr Arbeitsleben ausgetauscht. Es war schon spannend zu erfahren, wie Betonbauer in den anderen Ländern arbeiten und wo die Unterschiede liegen. Aber auch vor anderen Leuten zu sprechen, fällt mir seit den WorldSkills viel leichter. Man wird definitiv selbstbewusster durch so einen Wettkampf. Genauso habe ich gelernt, vor einer großen Kulisse wie in Abu Dhabi die Ruhe zu bewahren.

Medin Murati - der WorldSkills 2017 Teilnehmer im Kurzinterview

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten