Mobilität -

Vignette oder Streckengebühr Maut: Fast überall in Europa gibt es eine

Ab 2016 soll in Deutschland die Pkw-Maut gelten. Die Eckpunkt für die Neuregelung hat Verkehrsminister Dobrindt am Montag der Öffentlichkeit präsentiert. In vielen anderen europäischen Ländern werden Autofahrer bereits per Maut zur Kasse gebeten. Ein Überblick.

Nach langen Diskussionen stehen nun zumindest die Eckpunkte des Konzepts für eine Pkw-Maut in Deutschland. Kosten verursachen soll sie nur bei den ausländischen Autofahrern. Sie sollen ab 2016 zwischen drei verschiedenen Vignetten wählen können, die sich je nach Dauer des Aufenthalts und nach der Ökobilanz des Autos – abhängig von Leistung und Verbrauch – unterscheiden. Gelten soll sie auf allen Straßen und nicht nur auf Autobahnen.

Mit den Plänen für eine Pkw-Maut hinkt Deutschland anderen europäischen Ländern allerdings hinterher, denn schon in vielen Ländern ist die Straßenbenutzung kostenpflichtig.

Maut in Europa

Die dabei eingesetzten Systeme sind unterschiedlich. Entweder zahlen Autofahrer an Mautstellen auf der Strecke oder beim Verlassen der Autobahn. Oder die Gebühren werden unabhängig von der Entfernung über Vignetten abgerechnet. Die Länder im Überblick (Angaben des Automobilclubs von Deutschland AVD):

Bulgarien: Autobahnen und viele Nationalstraßen sind für Pkw, Motorräder, Wohnmobile, Gespanne und LKW vignettenpflichtig. Die Vignetten können für einen Tag, sieben Tage, einen Monat oder ein Jahr gekauft werden. Die Kosten sind nach der Nutzungsdauer und nach dem Gesamtgewicht des Autos gestaffelt. Pkw bis 3,5 Tonnen zahlen am ersten Tag nichts, die Sieben-Tage-Vignette kostet 5 Euro.

Dänemark: Hier werden außer an den Brücken "Storebaelt" und Øresund keine Maut- oder Autobahngebühren erhoben. Die Benutzung kostet je nach Fahrzeuggröße zwischen 33 und 73 Euro.

Frankreich: Die Autobahnen sind von einigen Ausnahmen abgesehen gebührenpflichtig, genauso wie einige Brücken und Tunnels. Der Tarif hängt von der gefahrenen Strecke ab und der Fahrzeugklasse ab. Die Höhe der Gebühr beträgt zwischen 0,07 Euro und 0,14 Euro pro Kilometer. Abgerechnet wird an Mautstellen.

Griechenland: Einzelne Autobahnabschnitte sind kostenpflichtig. Für die Benutzung der Autobahnen zwischen Thessaloniki, Athen, Patras und Tripoli fallen streckenabhängige Gebühren an. Ebenfalls dürfen für den Tunnel "Preveza-Aktio" und der Brücke "Rio-Antirrio" Maut bezahlt werden. Die Kosten zwischen einzelnen Streckenabschnitten liegen bei zwei bis drei Euro.

Großbritannien: Die Autobahnen sind größtenteils gebührenfrei und nur wenige Brücken und Tunnel sind mautpflichtig. Nur ein Teil der Autobahn M6 durch die West Midlands ist mautpflichtig (8 Pfund pro Tag). Zudem gibt es in einigen Städten Großbritanniens eine Innenstadtmaut (London, Durham).

Italien, Kroatien, Mazedonien: In diesen Ländern sind fast alle Autobahnen sind mautpflichtig. Der Preis richtet sich jeweils nach der Entfernung und der Größe des Fahrzeugs. Die Kosten für Italien in Detail stehen beim AVD in einer Tabelle. Auch für Kroatien und Mazedonien können Sie jeweils nachgelesen werden. Die Gebühr wird nach dem Verlassen der Autobahn an einer Mautstation fällig. In Italien gilt in drei Städten außerdem eine Innenstadtmaut (Bologna, Rom, Mailand).

Montenegro: Hier gilt eine Vignettenpflicht für alle Straßen. Diese gilt jeweils für ein Jahr und kostet für Pkw zehn, für Minibusse und Wohnmobile 30 Euro und für größere Fahrzeuge bis 150 Euro. Gebührenpflichtig ist zudem der Sozina-Tunnel.

Norwegen: Die Benutzung von einzelnen Straßen, Brücken, Städten und Tunnels ist hier gebührenpflichtig. Die Gebühr wird an Mautstationen erhoben – entweder manuell oder vollelektronisch. In einigen Städten wird Innenstadtmaut fällig.

Österreich: Eine Jahresvignette für die Autobahnen und Schnellstraßen kostet für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen rund 83 Euro, zwei Monate schlagen mit etwa 25 Euro zu Buche, zehn Tage kosten 8,50 Euro. In Wien gilt eine Innenstadtmaut.

Polen: Hier sind die Autobahnen A1, A2 und A4 gebührenpflichtig. Die Höhe der Gebühr ist streckenabhängig und richtet sich nach der Fahrzeuggröße. Gezahlt werden muss an Mautstellen.

Portugal: Viele Autobahnen und Schnellstraßen sind gebührenpflichtig. Die Bezahlung erfolgt an Mautstellen. Der Aufenthalt zwischen zwei Mautstellen ist jedoch laut AVD auf 12 Stunden begrenzt. Wird diese Zeit überschritten, fallen doppelte Gebühren an.

Rumänien: Auch hier gilt eine Vignettenpflicht für Pkw, Wohnmobile und größere Fahrzeuge für alle Straßen. Motorräder sind von dieser Pflicht ausgenommen. Die Vignette kann für sieben, 30 oder 90 Tage erworben werden oder für ein ganzes Jahr. Einzelne Tage sind für Pkw und kleinere Fahrzeuge frei. Eine Jahresvignette kostet für Pkw 28 Euro und für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen 96 Euro.

Schweden: Hier ist nur die Öresund-Brücke mautpflichtig. Die Gebühren staffeln sich je nach Fahrzeuggröße.  In Stockholm und Göteborg gilt zudem eine Innenstadtmaut.

Schweiz: Für die Jahresvignette für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen werden 33 Euro fällig. Sie gilt für alle Autobahnen und Schnellstraßen.

Serbien: Hier sind Autobahnen sowie autobahnähnlich ausgebaute Straßen gebührenpflichtig. Die Gebühr wird streckenabhängig entrichtet. Ausländische Fahrzeuge zahlen laut AVD meist den doppelten Preis wie inländische.

Slowakei und Slowenien: Für Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen, mit Ausnahme von Motorrädern, ist die Benutzung der Autobahnen und einiger Schnellstraßen vignettenpflichtig. Für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen besteht eine Mautpflicht. In der Slowakei kostet die Vignette 10 Euro für sieben Tage, für einen Monat 14 und für ein Jahr 50 Euro. In Slowenien kostet eine Sieben-Tage-Vignette 15 Euro, für einen Monat kostet sie 30 und für ein Jahr 110 Euro.

Spanien: Hier wird, mit Ausnahmen der Stadtautobahnen auf allen Autobahnen und vielen Schnellstraßen eine Maut erhoben. Die gebührenpflichtigen Streckenabschnitte erkennt man an den Verkehrsschildern. Ausschlaggebend für die Kosten sind Fahrzeuggröße und gefahrenen Strecke.

Tschechien: Hier sind bestimmte Strecken vignettenpflichtig, die mit dem Schild "Autobahn" und "Schnellstraßen" gekennzeichnet sind. Nicht von dieser Pflicht betroffen sind Motorräder. Die Vignette kann für zehn Tage, einen Monat oder ein Jahr erworben werden. In Prag gilt eine Innenstadtmaut.

Türkei: Auf Autobahnen gilt hier eine fahrzeuganhängige und streckenabhängige Mautgebühr. Sie wird elektronisch kontrolliert und an Mautstellen abgerechnet. Mehr zu den Gebührenunterschieden lesen Sie hier.

Ungarn: Hier gilt ein E-Vignettensystem. Vor dem Befahren einer gebührenpflichtigen Strecke muss ein E-Ticket gekauft werden. Abgerechnet wird elektronisch bzw. das Ticket kann vor der Fahrt online erworben werden. Die Maut gilt allerdings nur auf bestimmten Autobahnen (M1, M3, M5, M6, M7, M30, M35). Sie gilt für alle Fahrzeuge. In Budapest gilt zudem eine Innenstadtmaut. dhz

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten