Masernschutzgesetz Masern-Impfpflicht: Auch das Handwerk ist betroffen

Ab dem 1. August 2022 dürfen Beschäftigte ohne Masern-Immunisierung nicht mehr in Gemeinschafts- und medizinischen Einrichtungen eingesetzt werden. Handlungsbedarf besteht auch für Teile des Handwerks.

Masern sind hoch ansteckend. Häufig treten Komplikationen und Folgeerkrankungen auf. Eine Impfung schützt vor einer Infektion. - © mpix-foto - stock.adobe.com

Seit März 2020 gilt in Deutschland das Masernschutzgesetz. Es sieht eine verpflichtende Schutzimpfung für Beschäftigte vor, die nach dem 31. Dezember 1970 geboren und beispielsweise in Krankenhäusern, Arztpraxen, Kindertageseinrichtungen oder Schulen tätig sind. Auch Teile des Handwerks sind damit von der Impfpflicht betroffen – und müssen bis Ende Juli einen entsprechenden Nachweis erbringen.

Laut Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) kann dies beispielsweise auf das Gebäudereiniger-Handwerk oder Hausmeister zutreffen – auch dann, wenn diese von externen Dienstleistern eingesetzt werden. "Eine Person ist nach dem Gesetz impfpflichtig, sobald sie regelmäßig über einen längeren Zeitraum in einer im Gesetz genannten Einrichtung tätig ist", erklärt Anette Wahl-Wachendorf, Ärztliche Direktorin des Arbeitsmedizinischen Dienstes der BG Bau.

Wer bis Ende Juli keine Masern-Impfung vorlegen kann, dürfe dort nicht länger eingesetzt werden. Bei Neueinstellungen und Versetzungen muss der Masernschutz direkt anhand des Impfausweises oder einer ärztlichen Bescheinigung nachgewiesen werden.

Masernschutz nachweisen: 3 Möglichkeiten

Das Masernschutzgesetz sieht drei Möglichkeiten vor, wie Betroffene ihren Masernschutz nachweisen können:

  • durch eine Impfdokumentation
  • durch ein ärztliches Zeugnis über einen altersgerechten Impfschutz oder eine durch Labornachweis bestätigte bestehende Immunität (serologische Antikörperbestimmung) oder eine Befreiung von der Masernimpfung wegen einer medizinischen Kontraindikation
  • durch die Bestätigung einer zuvor besuchten Einrichtung oder staatlichen Stelle, dass ein entsprechender Nachweis dort bereits vorgelegt wurde

"Ob jemand unter die Impfpflicht fällt, hängt davon ab, ob diese Person regelmäßig (nicht nur für wenige Tage) und nicht nur zeitlich vorübergehend (nicht nur jeweils wenige Minuten, sondern über einen längeren Zeitraum) in der Einrichtung tätig ist."

Quelle: BIV Rundschreiben, Masernschutz Nr.07/2020

Masern zur Bedrohung der globalen Gesundheit erklärt

Masern sind eine hochansteckende Viruserkrankung, die sich durch hohes Fieber, einen typischen Ausschlag und weitere Symptome äußert. In etwa jedem zehnten Fall treten Komplikationen wie Durchfall, Mittelohr- oder Lungenentzündungen auf. In vielen Teilen der Welt war der Virus schon so gut wie ausgerottet. Doch seit einigen Jahren steigen die Infektionszahlen wieder an. Die Weltgesundheitsorganisation hat Masern deshalb im Jahr 2019 zur Bedrohung der globalen Gesundheit erklärt.

Wer vor 1970 geboren wurde, benötigt zu einer hohen Wahrscheinlichkeit keine Impfung. Da es damals noch keine Impfung gegen Masern gab, haben die allermeisten Kinder die Krankheit durchgemacht – und genießen damit lebenslangen Schutz. fre

Welche Einrichtungen fallen unter das Masernschutzgesetz?

Medizinische Einrichtungen nach § 23 Abs. 3 Satz 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG):

  • Krankenhäuser,
  • Einrichtungen für ambulantes Operieren,
  • Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen, in denen eine den Krankenhäusern vergleichbare medizinische Versorgung erfolgt,
  • Dialyseeinrichtungen,
  • Tageskliniken,
  • Entbindungseinrichtungen,
  • Behandlungs- oder Versorgungseinrichtungen, die mit einer der in den Nummern 1 bis 6 genannten Einrichtungen vergleichbar sind,
  • Arztpraxen (auch Homöopathen), Zahnarztpraxen,
  • Praxen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe,
  • Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes, in denen medizinische Untersuchungen, Präventionsmaßnahmen oder ambulante Behandlungen durchgeführt werden,
  • ambulante Pflegedienste, die ambulante Intensivpflege in Einrichtungen, Wohngruppen oder sonstigen gemeinschaftlichen Wohnformen erbringen,
  • Rettungsdienste.

Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 Nummer 1-4 IfSG, in denen überwiegend minderjährige Personen betreut werden:

  • Kindertageseinrichtungen und Kinderhorte,
  • Schulen und sonstige Ausbildungseinrichtungen (wenn dort regelmäßig überwiegend also mehr als 50 Prozent minderjährige Personen betreut werden),
  • Heime,
  • Personen, die in Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende und Flüchtlinge im Sinne von § 36 Absatz 1 Nr. 4 IfSG untergebracht oder dort tätig sind.

Hinweis: Auf Personal in stationären Einrichtungen der Altenhilfe und Pflege, aber auch in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe, ist das Masernschutzgesetz nicht ohne Weiteres anwendbar. Diese Einrichtungen sind in § 23 Absatz 3 Satz 1 IfSG nicht aufgeführt. Für das Personal in diesen Einrichtungen wird von der Ständigen Impfkommission jedoch eine zweimalige Masern-Impfung empfohlen.