Menschen + Betriebe -

Salzburger Marionettentheater Magie am seidenen Faden

Seit über 95 Jahren widmet sich die Familie Aicher im Salzburger Marionettentheater der Kunst des Puppenspiels.

Bretter, die die Welt bedeuten und seidene Fäden, an denen die Aufführung hängt, ein begeistertes Publikum und Applaus für die Akteure, die zunächst unsichtbar sind – das ist das Marionettentheater. In Salzburg wird seit drei Generationen von der Familie Aicher und ihren derzeit zehn Puppenspielern den Puppen im Marionettentheater mit Enthusiasmus und Liebe Leben eingehaucht. Die "Puppenführer" sind in den unterschiedlichsten Berufen ausgebildet, mit handwerklichem Geschick und der Fähigkeit, sich in die verschiedenen Charaktere der Puppen hineinzuversetzen.

Seit 31 Jahren trägt Gretl Aicher die künstlerische Verantwortung für die Salzburger Marionetten – einem Theater, das nicht subventioniert wird. Die 81-Jährige ist eine Vollblut-Theaterfrau. Die größte Faszination freilich liegt für Gretl Aicher darin, die Technik der Marionettenführung zu perfektionieren und die Puppen so menschenähnlich wie möglich wirken zu lassen. "Die Marionetten sind magische Instrumente, weil sie durch ihre besondere Art, sich zu bewegen, ja fast zu schweben, auf die Zuschauer einen magischen Zauber ausüben."

Gretl Aicher sieht die Zukunft des Salzburger Marionettentheaters, das sich seit nunmehr 95 Jahren im Besitz ihrer Familie befindet, vor allem in der pädagogischen Arbeit für die Jugend. Die Pragmatikerin Aicher sieht die Jugendlichen nicht nur als Besucher und Zuschauer, sondern auch als potenzielle künftige Puppenspieler: "Für diesen Beruf braucht man – neben viel Liebe und Geduld – ein langes Studium und den festen Willen zu größter Sorgfalt im Umgang mit der Materie: also mit dem Marionetten selber und allem, was dazugehört: Kostüm, Bühnenbild, Musik, Ton oder Licht."

"Wir haben das Glück, dass Künstler, Regisseure, Bühnen- und Kostümbildner von Weltruhm sowie die besten Sänger, Musiker und Dirigenten uns ihre Inspiration leihen", so die Prinzipalin. Die Puppenspieler arbeiten tagsüber in den Werkstätten des Theaters. Es gibt eine Schneiderei, in der die Puppen kostümiert werden, eine Tischlerei und Schlosserei für den Bau der Kulissen und des Bühnenbildes und nicht zuletzt die Puppenwerkstätte, in der die Marionetten gebaut und gewartet werden. Die Marionetten werden nach den Entwürfen des Regisseurs teilweise im Theater gefertigt oder von Bildhauern geschnitzt. Für jedes Stück werden eigene Marionetten angefertigt. In jedem Stück treten zwischen 20 und 90 Marionetten auf. Im aktuellen Fundus befinden sich derzeit rund 500 Marionetten. Neben den Werkstätten verfügt das Theater über ein großes Tonstudio, in dem die Aufnahmen für die jeweilige Produktion geschnitten und eingerichtet werden.

Die Erarbeitung einer neuen Inszenierung dauert oft länger als zwei Jahre. Die Puppen werden aus Lindenholz geschnitzt, bemalt und kostümiert und zum Schluss an den Fäden aufgehängt. Dann wird ihre Beweglichkeit überprüft. Der Regisseur kommuniziert direkt mit den Puppenspielern. Die Bewegungsabläufe und die Wege der Puppenspieler werden genau festgelegt, da die Spieler die Requisiten selbst bewegen. Der Tonmeister hat eine eigene Tonspur erstellt und die Beleuchtung sorgt für die richtige Illusion. Sie ist neben den eigenen Gesetzen der Perspektive und der Größenrelationen der Requisiten zu den Puppen das wichtigste Element auf der Marionettenbühne. Wenn das alles stimmt, hat der Zuschauer die perfekte Illusion.

Informationen: Salzburger Marionettentheater Schwarzstraße 24, A-5020 Salzburg,
Tel. (+43)662/ 872406, Fax (+43)662/882141, E-Mail: info@marionetten.at, marionetten.at

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten