Freiburg -

Meistertitel „Made in Germany steht für hohe Qualität“

Viele Meisterprüflinge durchlebten in den vergangenen Wochen die letzte heiße Phase ihrer Weiterbildung. Als einer von 36 Absolventen hat auch Nicholas Nienaber die Meisterprüfung im Schreiner-Handwerk abgelegt. Das Besondere: Nienaber ist Amerikaner.

Er ist vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen, um „eine hochwertige duale Ausbildung zum Schreiner zu machen“, wie er sagt. Dass er ein Jahr später gleich die Meisterschule dranhängt, hatte er zuerst gar nicht geplant. In seine langfristige Planung passt der Abschluss aber auf jeden Fall: Der aus Kansas City stammende Nienaber möchte sich in den nächsten Jahren in seiner Heimat selbstständig machen. Und mit einem deutschen Meistertitel kann man auch in den USA bei den Kunden punkten: „Made in Germany – das steht eben für hohe Qualität“, macht er deutlich.

„Das deutsche System ist ein super Beispiel.“ Nicholas Nienaber

Dieses Wissen um den guten Ruf des deutschen Handwerks brachte ihn 2011 nach Deutschland. Das war nicht sein erster Stopp im Ausland. Schon während seiner Highschool-Zeit war er viel unterwegs: zwei Jahre in Australien, danach in Kanada. In dieser Zeit wurde sein Interesse an der Arbeit mit Holz geweckt. In Kanada lernte er dann an der Schule eine Lehrerin aus Deutschland kennen – und so kam die Idee auf, eine Ausbildung in Deutschland zu machen. Und wie es der Zufall eben wollte, war der Bruder der Lehrerin ein Schreinermeister in Emmendingen.

„Made in Germany steht für hohe Qualität“

Zuvor verschlug es Nicholas Nienaber erst einmal nach Saarbrücken – in ein Internat. „Ich konnte nur ein paar einzelne Worte Deutsch – Auto, Wurst, das Übliche eben. Das hätte für eine Ausbildung nicht gereicht. Deshalb wollte ich zuerst die Sprache lernen.“ In dem Internat machte er daher Hausmeisterarbeiten und bekam dafür Kost, Logis und Deutschunterricht gratis.

Nach einem Jahr fühlte er sich deutlich besser vorbereitet auf die Herausforderung einer Ausbildung in einer fremden Sprache. „Zu diesem Zeitpunkt konnte ich Deutsch gut verstehen und mich ausdrücken.“ Dennoch war die Sprachbarriere in der Ausbildung, die er dann ab 2012 in der Schreinerei Herrmann in Emmendingen absolvierte, noch öfter spürbar. „An meinem ersten Arbeitstag sollte ich helfen, eine Türe abzuschleifen. Und der Chef meinte, ich solle an bestimmten Stellen aufpassen. Ich wusste nicht, was ‚Pass auf‘ bedeutete!“ Schiefgegangen ist an diesem Tag trotzdem nichts.

Und auch die weitere Ausbildung lief ziemlich gut, auch wenn der Schulstoff zweimal nachbereitet werden musste und auch im Betrieb die eine oder andere Überstunde anstand. Die zusätzliche Büffelei und Arbeit hat sich aber definitiv gelohnt: Die Ausbildung schloss Nienaber als Innungsbester ab. „Darauf ist man dann schon stolz.“ Nach einem Jahr Arbeit als Schreinergeselle, das er auch in seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb verbrachte, kam der nächste Schritt: Die Meisterschule.

Kurt Hermann, Vorsitzender des Meisterprüfungsausschusses der Handwerkskammer Freiburg im Schreiner-Handwerk, war im ersten Moment überrascht, einen Amerikaner unter seinen Prüflingen zu haben. „Die erste Frage, die man sich stellt, ist dann: Weshalb kommt der nach Deutschland? Die Meisterausbildung in Deutschland muss weltweit schon einen besonderen Stellenwert haben.“ Nicholas Nienaber bestätigt das nicht nur für die Meisterschule, sondern auch für das Ausbildungssystem.

Er findet die Ausbildung im deutschen Handwerk sehr gut organisiert. „In den USA haben wir – zumindest für den Holzbereich – keine solche Ausbildung. Man kann eine mehrmonatige schulische Ausbildung machen, aber das ist auch alles.“ Er fände es spannend, wenn sein Heimatland ein duales Ausbildungssystem aufbauen würde. „Das deutsche System ist ein super Beispiel!“ Das liegt nach Ansicht von Kurt Hermann auch am Meister. Für ihn ist der Handwerksmeister eine „Allzweckwaffe“. „Die Meisterinnen und Meister sind theoretisch und praktisch auf den Arbeitsalltag, aber auch auf die Betriebs- und Mitarbeiterführung optimal vorbereitet. Diese Kombination gibt es selten auf der Welt.“

Doppelte Herausforderung für den Meisterschüler

Nienaber hat diese Kombination in der Meisterschule gelernt. Mittlerweile war auch die Sprache kein Problem mehr. „Heute verstehe ich Badisch!“ Und auch die Fachbegriffe stellten keine Schwierigkeiten mehr dar. „Obwohl, das Fachgespräch hätte ich schon gerne auf Englisch gemacht“, gibt Nienaber lachend zu.

In den nächsten Monaten wird er sich dann genauer mit seiner Zukunft in der Heimat beschäftigen. Neben wichtigen Fragen zur Existenzgründung, wie etwa Unterstützungsmöglichkeiten und Beratungsleistungen, wird für Nienaber vor allem eine grundlegende alltägliche Sache zur Herausforderung: „Ich muss mich bei den Maßen und Normen wieder komplett umstellen. Momentan rechne ich in Zentimetern.“ Aber mit dem metrischen System kommt man in den USA nicht besonders weit.

Noch ist diese Umstellung aber Zukunftsmusik für Nienaber. Er wird erst einmal ein weiteres Jahr bei der Schreinerei Herrmann in Emmendingen arbeiten. Noch mehr Erfahrung sammeln. Die Familie Herrmann hat ihn immer unterstützt, sagt Nienaber. Dafür ist er sehr dankbar. Und auch, dass alle Rahmen­bedingungen, wie beispielsweise die Aufenthaltserlaubnis, so gut geklappt haben, freut ihn. Er wird seinen Landsleuten die Ausbildung und den Meister im deutschen Handwerk auf jeden Fall empfehlen. Das südba­dische Handwerk hat nun also seinen eigenen amerikanischen Botschafter.

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