Deutsche Handwerks Zeitung -

Porträt des ZDH-Präsidenten Wollseifer Macher mit Verantwortung

Hans Peter Wollseifer, Malermeister, Unternehmer und "Stadtrandkölner", ist seit Anfang 2014 Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Und damit mittendrin im politischen Berlin.

Er selbst nennt sich einen „Stadtrandkölner“. Denn Hans Peter Wollseifer kommt nicht direkt aus Köln, er kommt aus Hürth, einem Wohnort, der 50 Meter höher liegt als die große Nachbarstadt. Seit 2010 ist er aber auch in der Domstadt zu Hause – als Präsident der Handwerkskammer zu Köln. Er sei sozusagen ein „Kammerpräsident mit Migrationshintergrund“, wie der Rheinländer kürzlich über sich bei einem Journalisten-Abendessen in Berlin sagte.

Berlin - auch das ist jetzt eine neue Heimat für Hans Peter Wollseifer. Seit Januar 2014 ist er Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und hat damit einen volleren Terminkalender denn je. Das politische Leben, auch das des Handwerks, spielt sich eben im Berliner Regierungsviertel ab. Deswegen ist seine Anwesenheit in der Hauptstadt Pflicht. Allerdings, so Wollseifer, werde auch die EU immer wichtiger und manche Reise wird in den nächsten Monaten auch nach Brüssel gehen.

Gleich in die Vollen

Schon die ersten Wochen im Amt haben gezeigt, es gibt keine Pause. Mit der neuen Bundesregierung und der bevorstehenden Europawahl stehen wichtige Themen an, die das Handwerk unmittelbar betreffen. Vor allem die Energiewende und die Rentenpläne umtreiben ihn. Daher führten ihn seine ersten Ministertermine auch zu Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Arbeitsministerin Andrea Nahles. Ein wohl langer Dialog hat damit begonnen. Die Bundeskanzlerin hat ihm beim ersten Treffen gleich angeboten: „Herr Wollseifer, rufen Sie einfach an, wenn Sie ein Problem haben.“ Mit dem Handwerk kann Merkel.

Zudem stehen Presse und Rundfunk Schlange, um "den Neuen" zu interviewen. Interview reiht sich an Interview. Hundert Tage Schonfrist gewähren die Medien schon lange nicht mehr. Es geht gleich in die Vollen.

Früh in die Verantwortung

Pausen hat Hans Peter Wollseifer auch früher nicht gehabt. Nach dem frühen Tod des Vaters stieg er schon als junger Mann in den elterlichen Betrieb ein. Mit 21 Jahren war er einer der jüngsten Maler- und Lackierermeister. Das geplante Architekturstudium ließ er sausen, er übernahm gleich nach der Meisterprüfung die Unternehmensleitung. Und der Erfolg gab ihm recht: Aus der kleinen Firma machte Hans Peter Wollseifer im Laufe der Jahrzehnte ein bundesweit tätiges Unternehmen mit 100 Mitarbeitern. Vor allem in der Bausanierung machte sich das Unternehmen einen Namen. Parallel gründete er weitere Firmen, die sein Stamm-Business flankierten, wie etwa einen Gerüstbaubetrieb oder eine Facility-Firma.

In der Zeit begann er auch, ehrenamtliche Ämter zu übernehmen und in der Gesellschaft mitzuwirken. Als langjähriger Kreishandwerksmeister im Erftkreis lernte er die Sorgen und Nöte der Betriebe aus vielen Gewerken kennen.

Nach intensiven Jahrzehnten der Arbeit entschloss sich Hans Peter Wollseifer 2009, sein Haupt-Unternehmen zu verkaufen und kürzer zu treten. Sein Nachfolge-Betrieb ist kleiner und kümmert ist in der Sanierung für private und gewerbliche Kunden tätig. Die Gattin sowie die zwei Kinder haben sicher gedacht, dass nun mehr Zeit ist.

Das Amt ruft

Doch schon im Mai 2010 wurde der Hürther zum Kölner Kammerpräsidenten gewählt. Vorher war er Vize-Präsident. Und 2013 entschloss er sich obendrein, auch als ZDH-Präsident zu kandidieren. Im Dezember 2013 auf dem Deutschen Handwerkstag in Dortmund konnte sich der stämmige Wollseifer knapp gegen zwei starke Kandidaten durchsetzen.

Damit ist jetzt noch weniger Zeit, um sich seinen Hobbys zu widmen. Seine Harley Davidson wird dieses Jahr wohl wenig bewegt.

Vom Stil her wirkt er sachlich, überzeugend, herzlich, ähnlich wie Vorgänger Otto Kentzler, der mit dieser Art im lauten Berlin angenehm hervorstach.

Wenn man Hans Peter Wollseifer fragt, was er nicht mag, dann sind das Leute, die sich zu wichtig nehmen. Stattdessen ist er ein Anhänger der Kölschen Lebensart: Leben und leben lassen.

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