Meisterstücke -

Ausbau von Reisemobilen Luxus-Wohnmobile made in Germany

Der Schreiner Klaus Hünerkopf baut Wohnmobile zu rollenden Luxus-Wohnungen aus. Mit neuen Ideen für Technik und Design wird jedes Fahrzeug zum Unikat.

Mercedes Benz Zetros 2733 als Luxus-Wohnmobil
Luxus-Wohnmobile extrem: Für Leute, die gern Konferenzen in der Wildnis abhalten, gibt es das Mercedes Benz Zetros 2733 6 x 6 Konferenzfahrzeug. -

Klaus Hünerkopf legt Wert auf besondere Details. Darum macht er die meisten Dinge gerne selbst. Wenn es sein muss auch die Visitenkarten. Zur Begrüßung überreicht er einem ein dünnes Kärtchen aus Holz, in das all die wichtigen Dinge, die auf Visitenkarten nun einmal draufstehen, eingefräst sind. Das ist liebevoll gestaltet und vermittelt eine gewisse Wertigkeit.

Klaus Hünerkopf
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Der Schreiner lebt von dem Besonderen: hochwertige Materialien, gute Verarbeitung und schlichtes, aber wirkungsvolles Design. All das braucht es auch für den Markt, den Hünerkopf wahrscheinlich wie kein Zweiter in Deutschland besetzt: den Ausbau von Reisemobilen. Darunter sollte man sich aber nicht einfach nur praktische Wohnmobile vorstellen. Wohnmobile, die Hünerkopf allein wegen der Größe lieber Reisemobile nennt. Nein, es sind eher fahrende Luxusvillen, die das Unternehmen für seine reiche Kundschaft entwirft und einrichtet. Das, was so entsteht, leisten sich Großindustrielle, Oligarchen oder Präsidenten fremder Länder.

Begrenzter Platz fordert ­kreative Lösungen

Bei all dem, was sich die Kunden vorstellen, ist Hünerkopfs Kreativität gefordert. Denn auch ein Luxus-Wohnmobil bietet, auch wenn es wie in den USA zwölf Meter lang sein darf, immer noch nur begrenzten Platz für Küche, Bad und Schlafzimmer. So tüftelt der Schreiner an praktischen Lösungen für Stauraum, die unauffälligste Unterbringung einer Waschmaschine und eines Flachbild-Fernsehers oder die – wenn nötig – Verbreiterung einer Auffahrt für den mitzuführenden Kleinwagen. Selbstverständlich verwendet Hünerkopf nur die edelsten Materialien, wie etwa die Armaturen bekannter Hersteller für das Bad. Der Preis für so ein edles Reisemobil liegt dann schnell mal bei 1,5 Millionen Euro.

Schlafzimmer im Luxus-Camper
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Was den 48-Jährigen dabei wirklich umtreibt, ist das Rum- und Ausprobieren. Fortwährend experimentiert er mit neuen Materialien, wie Lichtfolien für effiziente und effektvolle Beleuchtung, Lacke für besonderes Design oder die Mechanik für einen mit Elektromotor betriebenen ausfahrbaren Erker.

"Uns war klar, dass sich das Thema Kaufhaus bald ­erledigt haben würde."

Um seine Ideen testen zu können, beschränkt sich das Unternehmen nicht auf seine Kernkompetenz: die Schreinerei. Hünerkopf hat eine CNC-Bearbeitung für Steinplatten, eine Lackiererei, eine Metallwerkstatt und sogar eine Polsterei. Elektroarbeiten und sonstige Installationen führen die meist als Schreiner eingestellten Mitarbeiter selbst durch. Wer bei dem Ausstatter im mittelhessischen Neukirchen arbeitet, wird automatisch zum Allrounder.

Seine Experimentierlust war es auch, die Hünerkopf diesen neuen Markt erschlossen hat. Der Handwerker hatte die Verwendung von dünnen Steinplatten für sein Kerngeschäft Ladenbau und Objekteinrichtungen für sich entdeckt. Ursprünglich hatte ihn ein Münchner Autohändler um die Bereitstellung einer großen, aber leichten Steinfläche zur Präsentation eines neuen Rolls-Royce Phantom gebeten. Auch die Meier-Werft in Papenburg hatte für die Ausstattung von Kreuzfahrtschiffen angefragt. Zwar zerschlugen sich beide Geschäfte, doch die Verwendung von Dünnstein war Anfang der Nuller-Jahre weiter groß in Mode.

Und so kam ihm die Idee, dass man ja auch Luxus-Wohnmobile mit dem Material veredeln könnte. Die dünnen Steinplatten eignen sich wegen ihres geringen Gewichts und ihrer Robustheit zum Beispiel für Arbeitsflächen. Ein Wohnmobil besaß er selbst – angeschafft, um im Osten bei der Montage von Objekteinrichtungen nicht auf Hotels angewiesen zu sein. Kurzerhand wurde das neun Meter lange Gefährt umgebaut und auf einer Karavan-Messe in Düsseldorf präsentiert.

Luxus-Wohnmobile vom Schreiner

Im folgenden Jahr kombinierte er Holz und Stein und 2005 schon hatte Hünerkopf die ersten unausgebauten Reisemobile aus den USA importiert. Hünerkopf präsentierte sein erstes Reisemobil. Die amerikanischen Messe-Besucher waren von der schlichten, europäisch geprägten, edlen Gestaltung der Gefährte begeistert. Nur leider konnte Hünerkopf deren Nachfrage nicht decken. Dort werden jährlich rund 450.000 Stück produziert. Er hätte sonst locker ein paar hundert nach Übersee verkaufen können.

Luxus-Wohnmobil mit Airbrush
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Vier bis fünf Luxus-Reisemobile pro Jahr

Das erste voll eingerichtete Luxus-Mobil verkaufte Hünerkopf dann 2006 an einen deutschen Industriellen. 8.000 Arbeitsstunden hatten er und seine Mitarbeiter hineingesteckt. Viel zu viel, um noch etwas daran verdienen zu können. Doch mit weiteren Modellen kamen Übung und Routine und heute schafft Hünerkopf vier bis fünf Wohnmobile pro Jahr. Mehr geht auch nicht, sagt der Firmenchef. Schließlich ist der Betrieb auch immer noch im Hotel- und Objektbau tätig – ein Markt, in dem das Unternehmen einst gestartet war.

Seine Mutter Annemarie hatte den Betrieb 1955 als Bauschreinerei gegründet. Einrichtungen für Kaufhäuser waren nach dem Krieg der große Renner. Klaus Hünerkopf übernahm die Firma 1989 und konzentrierte sich stark auf den Objektbereich. "Die Grenzöffnung tat damals gut", sagt er, denn mit dem Mauerfall wuchs auch im Osten der Bedarf nach Konsumtempeln. Anfang der 2000er-Jahre ebbte die Nachfrage dann wieder ab. "Uns war klar, dass sich das Thema Kaufhaus mit dem Bestellen im Internet irgendwann erledigt haben würde", sagt der Schreiner Die Idee mit den Reisemobilen kam da gerade recht.

Der Ausbau von Wohnmobilen nimmt inzwischen ein Drittel des Geschäfts bei Hünerkopf ein. Er hat zwar ein paar Mitbewerber, doch so wie Hünerkopf baut keiner die Fahrzeuge aus – jedes als Unikat. Große Hersteller kommen inzwischen mit neuen Ideen und Produkten auf ihn zu, um diese in den Fahrzeugen zu erproben. Neuester Trend etwa ist die Beleuchtung mit OLED – LED-Birnen, die Lichtflächen erzeugen statt einzelner Lichtpunkte.

Wohnraum im Luxus-Wohnmobil
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Mobiles Haus

Hünerkopf ist erfolgreich, weil er – wie so oft – eine Nische besetzt, und sie mit Qualität ausfüllt. Der Schreiner bleibt wachsam und schaut sich immer wieder nach neuen Nischen um. Derzeit baut er an einem mobilen Haus, ein Gebäude, das sich ohne viel Aufhebens mit einem Tieflader an anderer Stelle wieder aufbauen lässt. Das Mobilheim sei für Menschen gedacht, die keinen festen Wohnsitz mehr brauchen. Ob es Abnehmer findet? Ist Hünerkopf vorläufig noch egal.

Bei neuen Ideen geht er bewusst die Gefahr ein, falschzuliegen. Denn eines weiß der Familienvater: " Man darf keine Angst haben." Man müsse auch bereit sein, Lehrgeld zu bezahlen. Denn jedes neue Geschäftsfeld beinhaltet ein Risiko. Aber vielleicht sind bestimmte Menschen besser vor Misserfolg geschützt – Leute, die Wert auf die Details legen.

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